Adipositas: Taillenumfang zeigt sich als besonders zuverlässige Messmethode

Katrin Faßnacht-Lee  |  18.08.2026 10:40 Uhr

Lange diente der sogenannte BMI als Maßeinheit für Übergewicht und Adipositas. Doch er zeigt auch Schwächen. Forschende haben nun ein aufwändiges Diagnoseverfahren mit BMI und anderen einfachen Methoden verglichen: Eine einfache Messung des Taillenumfangs zeigt besonders gute Ergebnisse.

Eine Frau steht vor einem Spiegel und misst ihren Taillenumfang.
Den Taillenumfang misst man in der Mitte zwischen Beckenkamm und dem untersten Rippenbogen.
© eternalcreative/iStockphoto

Ein Maßband könnte bei der Einschätzung von Übergewicht und damit verbundenen Gesundheitsrisiken eine wichtige Rolle spielen. Eine Studie von Rutgers Health zeigt: Der Taillenumfang allein schnitt fast so gut ab wie eine neue, deutlich aufwendigere Definition von Adipositas

Taillenumfang schneidet deutlich besser ab als BMI

Das Team wertete Daten von 1.900 Erwachsenen aus den USA im Alter von 20 bis 59 Jahren aus. Die untersuchten Verfahren wurden mit einer sehr genauen Körperfettmessung verglichen. Die sogenannte Lancet-Definition berücksichtigt BMI, Taillenumfang sowie zwei weitere Körperproportionen: das Taille-zu-Körpergröße-Verhältnis (Waist-to-Height Ratio) und das Taille-zu-Hüfte-Verhältnis (Waist-to-Hip Ratio).

Der BMI wird aus Körpergewicht und Körpergröße berechnet. Er bildet die Körperzusammensetzung und die Verteilung des Körperfetts jedoch nicht vollständig ab. In der Untersuchung erkannte der BMI nur 51,3 Prozent der Menschen, die laut Körperfettmessung die Kriterien für Adipositas erfüllten. Beim Taillenumfang waren es 71,4 Prozent, bei der vollständigen Lancet-Definition 87,7 Prozent. Die Lancet-Definition erkannte damit zwar mehr Betroffene, stufte jedoch auch häufiger Menschen fälschlich als adipös ein.

Experten empfehlen Maßband zum Gesundheitscheck

Studienleiter Aayush Visaria erklärt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass man nicht unbedingt mehrere komplexe Messungen braucht, um fettleibigkeitsbezogene Gesundheitsrisiken zu identifizieren. Ein Taillenmaß liefert viele der benötigten Informationen und ist sowohl für Kliniker als auch für Patienten machbar.“

Eine größer werdende Kleiderweite kann ein frühes Zeichen für zu viel Körperfett sein, ersetzt aber keine korrekte Messung. Taille und Gewicht gemeinsam im Blick zu behalten, kann helfen, Risiken für Diabetes, Herzkrankheiten, Schlaganfälle und einige Krebsarten frühzeitig zu erkennen – und rechtzeitig gegenzusteuern.

Wie misst man den Taillenumfang?

Zur korrekten Bestimmung des Taillenumfangs legt man das Maßband in der Mitte zwischen Beckenkamm und dem untersten Rippenbogen. Bei Frauen gilt ein Wert Taillenumfang von unter 80 cm, bei Männern von unter 94 cm als ideal. Adipositas liegt vor, wenn der Taillenumfang bei Frauen mindestens 88 cm, bei Männern mindestens 102 cm beträgt.

DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.27738

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