In einer norwegischen Studie hatten junge Erwachsene, die sich häufiger bewegten, ein Jahr später seltener Depressionen oder eine generalisierte Angststörung. Dabei fiel besonders auf: Wie häufig sie aktiv waren, schien wichtiger zu sein als die Länge oder Intensität einzelner Einheiten.
Mehr als 10.000 junge Erwachsene ein Jahr lang untersucht
Ein Forschungsteam der Western Norway University of Applied Sciences wertete für die Untersuchung Daten von mehr als 10.000 Studierenden im Alter von 18 bis 35 Jahren in Norwegen aus. Diese gaben zu Beginn an, wie oft, wie intensiv und wie lange sie sich pro Woche bewegten. Als Bewegung zählten beispielsweise Spazierengehen, Skifahren, Schwimmen oder andere sportliche Aktivitäten. Die Intensität wurde separat erfasst: von leichter Bewegung, bei der man weder schwitzte noch außer Atem kam, über Bewegung, bei der man schwitzte und außer Atem kam, bis hin zu sehr anstrengender Aktivität fast bis zur Erschöpfung. Ein Jahr später folgte eine standardisierte Befragung zu Angst und Depression.
Wie oft man sich bewegt, könnte besonders wichtig sein
Am stärksten war der Zusammenhang mit der Häufigkeit der Bewegung: Wer sich zu Beginn der Studie seltener bewegte, hatte ein Jahr später häufiger eine Depression oder generalisierte Angststörung. Die Regelmäßigkeit der Bewegung fiel damit stärker ins Gewicht als die Dauer oder Intensität einzelner Einheiten.
Bei Dauer und Intensität zeigten sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei Frauen war sehr intensive Bewegung mit günstigeren Ergebnissen verbunden als leichte Bewegung. Bei Männern schnitten längere Einheiten günstiger ab als kürzere. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass kurze oder leichte Bewegung ungünstig ist.
Mit zunehmender wöchentlicher Bewegungszeit nahm die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Erkrankung zunächst ab. Bewegungszeiten von mehr als zehn Stunden pro Woche wurden in der Auswertung nicht gesondert betrachtet.
So viel Bewegung empfiehlt die WHO
Unabhängig von diesen Studienergebnissen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Erwachsenen pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität. Alternativ nennt sie 75 bis 150 Minuten intensive Bewegung oder eine entsprechende Kombination aus beidem.
Die Studie kann Ursache und Wirkung nicht klären
Bei aller Deutlichkeit der Ergebnisse bleibt eine wichtige Einschränkung: Die Untersuchung beobachtet lediglich Zusammenhänge und belegt keine Ursache. Ob Bewegung die psychische Gesundheit tatsächlich schützt oder ob umgekehrt beginnende Beschwerden die Aktivität dämpfen, lässt sich daraus nicht ableiten.
Für die Autoren ergibt sich daraus dennoch ein praktischer Auftrag. „Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es ist, körperliche Aktivität zu einem zugänglichen und natürlichen Teil des Studienlebens zu machen", schreiben sie.
Depressionen und Angststörungen gehören weltweit zu den häufigsten gesundheitlichen Belastungen junger Erwachsener. Besonders der Übergang ins Erwachsenenleben gilt als anfällige Phase.
Quelle: DOI 10.1371/journal.pone.0353787