Erweiterte Gefäße als Ursache für bestimmte Schlaganfälle

Hanke Huber  |  08.05.2026 14:05 Uhr

Eine neue Studie stellt eine lang gehegte Annahme über die Ursachen einer häufigen Form des Schlaganfalls in Frage. Statt verengter Arterien scheint eine Erweiterung der Gefäße im Gehirn beim sogenannten lakunären ischämischen Schlaganfall eine zentrale Rolle zu spielen.

Arzt klärt Patient über MRT-Befunde auf
Bildgebende Verfahren helfen bei genauer Diagnose des Schlaganfall-Typs und können die Therapie unterstützen.
© utah778/iStockphoto

Erweiterung statt Blockade als Ursache 

Ein lakunärer Schlaganfall entsteht in den kleinen Blutgefäßen tief im Gehirn. Er gehört zu den häufigsten Formen des ischämischenSchlaganfalls und macht etwa jeden fünften Fall aus. Bislang gingen Experten davon aus, dass vor allem verengte oder verstopfte Gefäße die Ursache sind. Eine neue Studie aus Schottland stellt diese Annahme jetzt infrage. Demnach könnten erweiterte Gefäße eine entscheidende Rolle spielen.

MRT-Scans zeigen deutlich erhöhtes Risiko 

Für die Untersuchung wurden 229 Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Schlaganfalltypen begleitet. Mithilfe von MRT-Scans konnten Veränderungen im Gehirn über ein Jahr hinweg beobachtet werden. So ließ sich der Schlaganfalltyp feststellen. Anzeichen von Schädigungen der kleinen Gefäße und neue Schädigungen im Gehirn. 

Das Ergebnis: Eine Erweiterung von Gefäßen im Gehirn war stark mit lakunären Schlaganfällen verbunden. Betroffene hatten ein mehr als vierfach erhöhtes Risiko. Zudem zeigte sich, dass diese Gefäßerweiterung mit schneller fortschreitenden Hirnschäden und sogenannten „stillen“ Schlaganfällen einhergeht. Dabei handelt es sich um unbemerkte Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Warum klassische Medikamente oft versagen

Die Ergebnisse könnten den Experten zufolge erklären, warum Acetylsalicylsäure und andere Thrombozytenaggregationshemmer, die üblicherweise zur Schlaganfallprävention eingesetzt werden, bei der Vorbeugung des lakunären ischämischenSchlaganfalls nicht so wirksam sind.

Forscher hoffen auf neue Ansätze für die Behandlung

„Diese Studie liefert eindeutige Belege dafür, dass der lakunäre Schlaganfall nicht durch Fettablagerungen in größeren Arterien verursacht wird, sondern durch eine Erkrankung der kleinen Gefäße im Gehirn selbst“, sagt Professorin Joanna Wardlaw. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass zukünftige Therapien gezielt die kleinen Blutgefäße im Gehirn schützen sollten. Aktuelle Studien untersuchen bereits Medikamente, die genau hier ansetzen. 

DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.126.079493

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast

Im Fokus diesmal: E-Zigaretten bei Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch, ein neues Medikament,…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben