Fuchsbandwurm-Infektionen nehmen in Europa zu
Eine Auswertung von Daten aus 40 europäischen Ländern zeigt steigende Zahlen von Fuchsbandwurm-Infektionen. Allein in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz wurden zwischen 1997 und 2023 mehr als 2.800 Infektionen dokumentiert.
Das Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien wertete dafür wissenschaftliche Publikationen, lokale Krankheitsregister, offizielle Meldungen und unveröffentlichte Berichte aus. Die Forscher vermuten zudem eine erhebliche Dunkelziffer, weil die Melde- und Erfassungssysteme Lücken aufweisen.
Für Deutschland meldete das Robert Koch-Institut für das Jahr 2024 insgesamt 52 Infektionen mit dem Fuchsbandwurm.
Wie steckt man sich mit dem Fuchsbandwurm an?
Menschen infizieren sich, wenn sie mikroskopisch kleine Eier des Fuchsbandwurms über den Mund aufnehmen. Die Eier können etwa nach Gartenarbeit oder Kontakt mit infizierten Füchsen, Hunden oder Katzen an die Hände gelangen.
Auch kontaminierte Waldbeeren, Pilze oder Wasser kommen als mögliche Übertragungswege infrage. Welche Bedeutung sie tatsächlich für Infektionen haben, ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig geklärt.
Hundehaltung gilt als Risikofaktor. Vor allem Hunde, die Mäuse fangen, sollten regelmäßig entwurmt werden.
Was schützt vor dem Fuchsbandwurm?
Weil die Eier über den Mund aufgenommen werden, spielen Hygiene und der Umgang mit möglicherweise verunreinigten Lebensmitteln eine wichtige Rolle.
- Obst, Kräuter, Pilze und bodennah wachsende Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen.
- Nach Gartenarbeit, Kontakt mit Erde, landwirtschaftlicher Arbeit und dem Streicheln von Hunden die Hände waschen.
- Hunde und Katzen regelmäßig entwurmen. Das gilt besonders für Hunde, die Mäuse fangen.
Personen, die viel in der Landwirtschaft oder im Garten arbeiten, kommen häufiger mit möglichen Infektionsquellen in Kontakt.
Warum der Fuchsbandwurm die Leber schädigen kann
Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm, medizinisch alveoläre Echinokokkose genannt, gilt als eine der gefährlichsten Parasiten-Erkrankung in Europa. Der Mensch ist dabei ein Fehlwirt, der die Eier nur „zufällig“ aufnimmt.
„Der Parasit beziehungsweise sein Larvenstadium nistet sich dann in der Leber ein, nicht im Darm wie andere Bandwürmer. Er wird also nicht wieder ausgeschieden“, erklärt Professor Dr. Beate Grüner, Infektiologin an der Uniklinik Ulm, gegenüber dem SWR. „Er hat ein tumorartiges Erscheinungsbild, wächst relativ unkontrolliert und kann auch auf andere Gewebe übergehen.“
Mögliche Folgen sind ein Gallenstau oder eine Leberzirrhose. Ohne Behandlung schreitet die Erkrankung stetig fort und kann tödlich enden.
Welche Symptome verursacht der Fuchsbandwurm?
Oft wird eine Infektion mit dem Furchsbandwurm erst spät entdeckt. Das liegt unter anderem daran, dass er lange Zeit kaum Beschwerden verursacht. Symptome des Befalls machen sich erst 10 bis 15 Jahre nach der Infektion bemerkbar. Meist erkranken Menschen ab 50 bis 60 Jahren. Die frühen Symptome sind oft unspezifisch:
- Druck oder Schmerzen im Oberbauch
- Müdigkeit
- erhöhte Leberwerte
Mehr als 90 Prozent erkranken offenbar nicht
Eine Aufnahme von Fuchsbandwurmeiern führt offenbar nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen tatsächlich zur Erkrankung. „Man geht im Übrigen davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Menschen, die Fuchsbandwurmeier verschlucken, niemals daran erkranken“, sagt Grüner.
Eine intakte Immunabwehr senkt nach Angaben der Infektiologin das Erkrankungsrisiko. „Bei einem Großteil erledigt das Immunsystem das“, erklärt sie. Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr haben daher ein höheres Risiko zu erkranken.
Wie wird eine Fuchsbandwurm-Infektion behandelt?
Auch wenn die Krankheit selten auftritt, ist sie für den einzelnen Betroffenen eine ernste Angelegenheit. „Aber wenn man sie rechtzeitig erkennt und leitliniengerecht therapiert, ist sie sehr gut zu behandeln“, so die Expertin. In manchen Fällen sei es möglich, den Leberherd zu entfernen. „Wenn man nicht operieren kann, braucht es eine Dauertherapie mit Benzimidazolen. Diese Arzneistoffe töten den Parasiten zwar nicht ab, sie können aber sein Wachstum aufhalten.“