Der Magenkeim Helicobacter pylori ist als Ursache von Magenkrebs bekannt. Eine große internationale Auswertung deutet nun darauf hin, dass eine Infektion auch bei Darmkrebs eine Rolle spielen könnte.

Menschen, die mit Helicobacter pylori in Kontakt gekommen waren, hatten in der Auswertung ein etwa 1,6-fach höheres Risiko für Darmkrebs als Menschen ohne entsprechenden Nachweis. Unterschiede zwischen Männern und Frauen fanden die Forschenden dabei nicht.
Für ihre Analyse werteten die Forschenden Daten aus systematischen Übersichtsarbeiten und zusammengefassten Studien aus und kombinierten sie mit Zahlen des Global Cancer Observatory (GLOBOCAN) für das Jahr 2022. Insgesamt flossen 43 Studien mit knapp 49 Millionen Menschen in die Berechnung ein. Auf dieser Grundlage schätzte das Forschungsteam, dass weltweit etwa 22 Prozent der Darmkrebsfälle mit einer Exposition gegenüber H. pylori zusammenhängen könnten. Die Höhe dieser Schätzung hängt allerdings stark von den berücksichtigten Studien ab: Wurden nur 14 hochwertige bevölkerungsbasierte Studien und Kohortenstudien einbezogen, lag der geschätzte Anteil bei rund 12 Prozent.
Auch regional unterschieden sich die Schätzungen deutlich. Im Westpazifik lag der Anteil der möglicherweise mit H. pylori verbundenen Darmkrebsfälle bei 25 Prozent, in der Mongolei sogar bei 36 Prozent. In Afrika, Südostasien und dem östlichen Mittelmeerraum waren die geschätzten Anteile dagegen niedriger, obwohl H. pylori dort ebenfalls weit verbreitet ist.
Bei der Einordnung ist zu berücksichtigen, dass zahlreiche weitere Umstände zur Entstehung von Darmkrebs beitragen. Dazu zählen nicht beeinflussbare Faktoren wie Alter und genetische Veranlagung ebenso wie beeinflussbare Faktoren – etwa Ernährung und Lebensstil. Nach Angaben des Forschungsteams lässt sich diesen Faktoren weltweit ein größerer Anteil der Darmkrebsfälle zuschreiben als H. pylori.
Zudem belegen die Ergebnisse noch nicht, dass H. pylori tatsächlich Darmkrebs verursacht. Belegt ist bisher nur der ursächliche Zusammenhang zwischen H. pylori und Magenkrebs.
Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang liefert auch die Behandlung einer H.-pylori-Infektion: In vier Beobachtungsstudien war eine sogenannte Eradikationstherapie mit Antibiotika und anderen Medikamenten langfristig mit einem geringeren Darmkrebsrisiko verbunden – allerdings zeigte sich dieser Zusammenhang erst nach zehn Jahren. Aus den Ergebnissen lässt sich noch nicht ableiten, dass eine Behandlung Darmkrebs verhindern kann. Die Forschenden fordern deshalb weitere Studien.
Quelle: DOI 10.1136/egastro-2026-100436
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