Hüftschmerzen können anhalten, obwohl das Röntgenbild völlig unauffällig aussieht. Drei Erkrankungen des Hüftkopfs und Schenkelhalses bleiben im frühen Stadium häufig verborgen. Ein MRT kann sie früher sichtbar machen.

Anhaltende Hüftschmerzen werden bei Erwachsenen häufig mit Arthrose in Verbindung gebracht. Es kommen jedoch weitere Erkrankungen infrage. Ein Forschungsteam der Yale University hat Erkenntnisse zu drei wichtigen Ursachen nicht arthrosebedingter Hüftschmerzen zusammengefasst:
Obwohl sie unterschiedlich entstehen, haben die Erkrankungen etwas gemeinsam: Sie können den Hüftkopf dauerhaft schädigen. Schreitet die Erkrankung fort, kann der Knochen einbrechen oder sich ein Bruch verschieben. Im schlimmsten Fall wird dadurch ein künstliches Hüftgelenk notwendig. Das Problem: Gerade im frühen Stadium sind die Veränderungen auf einem Röntgenbild häufig noch nicht zu erkennen.
Bei einer Osteonekrose wird der Hüftkopf nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. In der Folge sterben Knochenzellen ab und der Knochen verliert nach und nach seine Stabilität.
Auslöser können Verletzungen wie eine Hüftluxation sein. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören außerdem eine längerfristige Kortisontherapie, starker Alkoholkonsum sowie bestimmte Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen. Betroffen sind häufig Menschen mittleren Alters.
Die Schmerzen entwickeln sich meist schleichend und nehmen mit der Zeit zu. Sie können tief in der Hüfte oder Leiste zu spüren sein. Bricht die Knochenstruktur des Hüftkopfs ein, können die Beschwerden plötzlich deutlich stärker werden und die Beweglichkeit des Gelenks nachlassen.
Wird die Erkrankung früh erkannt, kommen gelenkerhaltende Eingriffe wie eine Kernbohrung, die sogenannte Core Decompression, infrage. Dabei wird ein kleiner Kanal in den betroffenen Knochen gebohrt, um den Druck zu verringern und die Regeneration des Knochens zu fördern. Ist der Hüftkopf bereits deutlich eingebrochen, kann ein künstliches Hüftgelenk erforderlich werden.
Stressfrakturen des Schenkelhalses entstehen, wenn wiederholte Belastungen die Reparaturfähigkeit des Knochens überfordern. Bei gesundem Knochen kann eine ungewöhnlich hohe oder häufig wiederholte Belastung der Auslöser sein, etwa bei intensivem Ausdauersport. Ist der Knochen bereits geschwächt, beispielsweise durch Osteoporose, Vitamin-D-Mangel oder andere Nährstoffdefizite, können auch gewöhnliche Belastungen eine Stressfraktur begünstigen.
Typisch sind Schmerzen in Hüfte oder Leiste, die zunächst vor allem bei Belastung auftreten, zum Beispiel beim Laufen, und in Ruhe wieder nachlassen. Bei der körperlichen Untersuchung können bestimmte Bewegungen stechende Schmerzen auslösen.
Für die Behandlung spielt auch eine Rolle, an welcher Seite des Schenkelhalses die Fraktur liegt. Brüche auf der sogenannten Kompressionsseite sind meist stabiler. Stressfrakturen auf der Zugseite haben dagegen ein höheres Risiko, sich zu verschieben. Bei stabilen Brüchen kann eine vorübergehende Entlastung ausreichen. Bei instabilen oder verschobenen Frakturen ist häufig eine Operation notwendig, bei der der Knochen mit Schrauben stabilisiert wird.
Eine subchondrale Insuffizienzfraktur entsteht direkt unter dem Gelenkknorpel des Hüftkopfs. Dort bilden sich feine Knochenbrüche, wenn der Knochen nicht mehr ausreichend belastbar ist. Dann können bereits alltägliche Bewegungen ausreichen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, vor allem Frauen nach den Wechseljahren mit verminderter Knochendichte.
Die Beschwerden beginnen häufig plötzlich und ohne schweren Unfall, etwa nach einem kleinen Stolpern oder sogar beim normalen Gehen. Die Schmerzen können so stark sein, dass das Auftreten schwerfällt.
Solange der Knochen nicht eingebrochen ist, kann häufig konservativ behandelt werden, beispielsweise durch Entlastung und Schmerzmittel. Außerdem sollte berücksichtigt werden, warum der Knochen geschwächt ist. Kollabiert der Knochen unter dem Gelenkknorpel, kann ein künstliches Hüftgelenk erforderlich werden.
Die Diagnose ist nicht immer einfach. Alle drei Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen, und gerade im frühen Stadium kann das Röntgenbild völlig unauffällig aussehen. Für die richtige Diagnose berücksichtigen Ärzte deshalb unter anderem Alter, Aktivitätsniveau, Risikofaktoren und Knochenqualität.
Halten Hüft- oder Leistenschmerzen trotz unauffälliger Röntgenaufnahme an, kann eine weiterführende Bildgebung notwendig sein. Das MRT ist dabei besonders empfindlich: Es kann Knochenödeme und feine strukturelle Veränderungen sichtbar machen, bevor diese im Röntgen zu erkennen sind. Bestimmte Muster im MRT helfen zudem dabei, die drei Erkrankungen voneinander zu unterscheiden. Ist eine MRT nicht möglich, kann eine Computertomografie (CT) weitere Hinweise liefern. Sie stellt die knöchernen Strukturen besonders gut dar und kann beispielsweise feine Frakturen oder beginnende Einbrüche des Knochens zeigen.
Eine frühe Diagnose ist wichtig, weil sich die Behandlung der drei Erkrankungen deutlich unterscheidet. Wird die Ursache rechtzeitig erkannt, lässt sich ein dauerhafter Schaden am Hüftgelenk in manchen Fällen verhindern.
Quelle: DOI 10.1530/EOR-2025-0222
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