Bei einem plötzlichen schmerzhaften Engegefühl in der Herzgegend, einer sogenannten Angina pectoris, leistet ein Nitrospray schnelle Hilfe. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das unter die Zunge gesprüht wird und schnell für eine bessere Durchblutung des Herzens sorgt. Worauf man bei der Einnahme achten muss.

"Es ist zum Beispiel wichtig, zu wissen, dass man zwei Sprays braucht – eins für unterwegs und eins für zu Hause", erklärte die Apothekerin Dr. Hiltrud von der Gathen auf einer Fortbildung für Apotheker in Schladming, Österreich. Am besten liegt das Spray immer griffbereit: Ein Spray könne auf dem Nachttisch platziert werden. “Das andere Spray sollte der Patient ständig bei sich tragen, um im Bedarfsfall jederzeit darauf zurückgreifen zu können”, rät die Apothekerin.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Lagerungstemperatur: Sie muss unter 25 Grad Celsius liegen. Dies sei an sich zwar nichts Besonderes, da es für nahezu alle Arzneimittel gelte, so von der Gathen. Allerdings tragen vor allem Männer ihre Medikamente häufig in der Hosentasche. "Ein Nitrospray, das ständig in der Hosentasche getragen wird, kann im Notfall unwirksam sein", warnt die Apothekerin. Ihr Rat: Das Spray stattdessen lieber in der Jackentasche aufbewahren.
Bei der Anwendung setzt sich der Patient möglichst hin oder lehnt sich irgendwo an, rät von der Gathen. Im Liegen verabreiche man es besser nicht.
Ein weitere Fehler sei, dass viele Patienten das Spray nur bei Schmerzen anwenden und nicht wissen, dass man es auch vorbeugend nehmen kann. "Besser als die Bezeichnung 'Notfallmedikament' wäre hier der Begriff 'Bedarfsspray', also das Spray, das bei Bedarf eingenommen wird", erläutert die Apothekerin. Wichtig hierbei: Der Patient muss die Auslöser kennen, die typischerweise bei ihm Anfälle verursachen. Das können zum Beispiel emotional aufregenden Situationen sein, aber auch körperlich anstrengende Tätigkeiten wie Schneeschippen im Winter: Durch die Kälte kommt es zu einer Gefäßverengung, die zusammen mit körperlicher Belastung in den Morgenstunden das Risiko für eine Angina pectoris erhöht. Hier helfe es, das Spray prophylaktisch zu nehmen.
Häufig sei die Dosis zu gering gewählt, weiß von der Gathen. "Man sollte die Dosis ausnutzen, die zwischen einem und drei Hüben liegen kann", sagt die Pharmazeutin und präzisiert: “Der zweite Hub darf aber erst nach 30 Sekunden gesetzt werden. Sollte der Patient nicht darauf ansprechen, kann eine nächste Dosis zehn Minuten später gegeben werden.”
Bei einer bekannten stabilen Angina pectoris kann Nitrospray einen Anfall meist rasch lindern. Bleiben die Beschwerden trotz der verordneten Anwendung bestehen, sind sie stärker oder anders als gewohnt oder treten zusätzlich Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit, Schwäche oder Bewusstlosigkeit auf, sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt nicht erst 20 bis 30 Minuten abwarten.
Bei korrekter Anwendung ist Nitrospray ein sicheres Medikament. Gefährlich kann die Kombination mit anderen Arzneimitteln werden. So darf Nitrospray niemals im Zusammenhang mit bestimmten Potenzmitteln, sogenannten PDE-5-Hemmern wie Sildenafil, Vardenafil sowie Tadalafil, oder dem Wirkstoff Riociguat gegen Lungenhochdruck verabreicht werden. Die Kombination kann den Blutdruck gefährlich stark absenken und lebensbedrohliche Kreislaufprobleme verursachen.
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