22 Grad im Wohnzimmer und trotzdem kalte Hände? Was wir als angenehm warm empfinden, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Mit einem einfachen Test lässt sich herausfinden, bei welcher Raumtemperatur man sich am wohlsten fühlt.

Eine ideale Raumtemperatur, bei der sich jeder wohlfühlt, gibt es nicht. Alter, Geschlecht, Stoffwechsel und Körperzusammensetzung beeinflussen, ob wir einen Raum als angenehm, zu kalt oder zu warm empfinden. Natürlich spielen dabei auch Kleidung, Bewegung, Zugluft sowie kalte oder warme Fenster und Wände eine Rolle.
Neuere Forschungen zeigen zudem, dass Menschen sehr unterschiedlich auf dieselbe Temperatur reagieren. Diese individuellen Unterschiede können größer ausfallen als die Unterschiede, die Forscher im Durchschnitt zwischen Männern und Frauen beobachten.
Wer wissen möchte, welche Raumtemperatur ihm guttut, kann sie selbst eingrenzen. Bei einer ruhigen Tätigkeit lässt sich beispielsweise mit etwa 22 Grad beginnen. Anschließend verändert man die Temperatur schrittweise um jeweils ein Grad und wartet nach jeder Änderung eine Weile.
Entscheidend ist der Bereich, in dem man weder friert noch schwitzt und die Raumtemperatur kaum bewusst wahrnimmt. Der Versuch sollte an mehreren Tagen bei ähnlicher Kleidung und Tätigkeit wiederholt werden. So lässt sich ein persönlicher Wohlfühlbereich ermitteln. Eine einzelne exakte Temperatur ist wenig sinnvoll, da sich das Wärmeempfinden auch bei derselben Person verändern kann.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 bestätigt, dass Frauen eine kalte Umgebung im Durchschnitt als kälter empfinden als Männer. Auch ihre mittlere Hauttemperatur liegt unter solchen Bedingungen niedriger. Unterschiede bei Stoffwechsel, Hautdurchblutung und hormonelle Einflüsse können dazu beitragen.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Wärmeregulation ebenfalls. Stoffwechsel, Durchblutung und Schweißproduktion verändern sich. Daraus lässt sich jedoch nicht zuverlässig ableiten, welche Raumtemperatur ein älterer Mensch bevorzugt.
Forscher entwickeln deshalb sogenannte persönliche Komfortmodelle. Sie kombinieren etwa Raum- und Hauttemperatur mit Herzfrequenz und der Rückmeldung einer Person, ob ihr gerade zu kalt oder zu warm ist. In einer sechsmonatigen Studie ließen sich die individuellen Temperaturwünsche damit recht zuverlässig vorhersagen.
Künftig könnten solche Modelle sogar Heizungen und Klimaanlagen steuern. Bis dahin bleibt die eigene Wahrnehmung ein ziemlich guter Temperatursensor.
Quellen: DOI 10.1111/ina.13160; DOI 10.1016/j.buildenv.2025.112936; DOI 10.1016/j.buildenv.2025.113424
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