Fast jeder Neunte Grundschüler nutzt Soziale Medien
Ein italienisches Forschungsteam hat untersucht, wie sich ein früher Einstieg in soziale Medien auf die schulischen Leistungen auswirkt. Dafür verknüpfte es die Leistungsdaten von 5.227 Schülerinnen und Schülern der 10. und 11. Klasse mit deren Angaben dazu, wann sie digitale Geräte bekamen und wann sie sich erstmals bei sozialen Netzwerken anmeldeten. Die Leistungsdaten reichten bis in die zweite Klasse zurück und deckten damit das Alter von etwa sieben bis sechzehn Jahren ab.
Rund 47 Prozent besaßen in der sechsten Klasse ein Smartphone, am Ende der achten Klasse waren es 98 Prozent.. Ihren ersten Social-Media-Account legten die Kinder und Jugendlichen folgendermaßen an:
- 11,2 Prozent in der Grundschule an
- 29 Prozent in der sechsten Klasse
- 25 Prozent in der siebten Klasse
- 16,3 Prozent in der neunten Klasse oder später
Frühere Social-Media-Nutzung, schwächere Schulnoten
Wer sich früher anmeldete und die Netzwerke entsprechend länger nutzte, erzielte bei den Kompetenztests schwächere Ergebnisse in Mathematik und in Italienisch, also im Fach der Landessprache.
Dabei zeigte sich ein weiterer Unterschied: Die früh eingestiegenen Jugendlichen stammten häufiger aus Familien mit niedrigerem Bildungsniveau. Das ist bedeutsam, weil der Bildungshintergrund selbst mit den schulischen Leistungen zusammenhängt. Der frühe Einstieg lässt sich deshalb schwer isoliert betrachten.
Warum das Fach Englisch aus der Reihe fällt
Beim Englischen blieb der Zusammenhang aus. Die Forschenden vermuten dahinter einen ausgleichenden Effekt: Ein großer Teil der Inhalte in sozialen Netzwerken liegt auf Englisch vor, sodass die Jugendlichen die Sprache dort beiläufig aufnehmen und anwenden.
Was die Ergebnisse offenlassen
Woran die schwächeren Leistungen in den anderen Fächern liegen, klärt die Untersuchung nicht. Die Autorinnen und Autoren verweisen auf frühere Forschung, die eine intensive Nutzung sozialer Medien unter anderem mit Konzentrationsproblemen, schlechterem Schlaf und selteneren persönlichen Begegnungen verbindet.
Einen ursächlichen Zusammenhang belegt die Untersuchung ausdrücklich nicht. Hinzu kommt, dass die Angaben zum Zeitpunkt der ersten Anmeldung auf Erinnerungen beruhen und deshalb ungenau ausfallen können. Und ob sich die Ergebnisse aus Italien übertragen lassen, bleibt offen, denn Mediennutzung, Schulsysteme und der Zugang zu Geräten unterscheiden sich von Land zu Land.
Quelle: DOI 10.1038/s41562-026-02522-4