Wer über 70 ist und noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, kann von einer Statintherapie profitieren. In einer großen Studie mit fast 10.000 Teilnehmern senkte Atorvastatin das relative Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 30 Prozent. Einen Vorteil beim behinderungsfreien Überleben fanden die Forscher allerdings nicht

In der Studie verringerte eine Behandlung mit dem Statin-Wirkstoff Atorvastatin das relative Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um 30 Prozent. Dazu zählten unter anderem Herzinfarkt und Schlaganfall. Während der Nachbeobachtungszeit waren 6,0 Prozent der Teilnehmer in der Statin-Gruppe betroffen, in der Placebogruppe waren es 8,3 Prozent.
Das Besondere an der Studie: Die Teilnehmer waren mindestens 70 Jahre alt, lebten selbstständig und hatten zu Studienbeginn weder eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung noch Diabetes oder Demenz. Die Forscher untersuchten damit, ob Statine bei älteren, vergleichsweise gesunden Menschen einem ersten schweren Herz-Kreislauf-Ereignis vorbeugen können.
An der australischen STAREE-Studie (Statins in Reducing Events in the Elderly) nahmen 9.971 Menschen teil. Sie erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder täglich 40 Milligramm Atorvastatin oder ein Placebo. Im Mittel waren die Teilnehmer knapp 75 Jahre alt, die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 5,9 Jahre.
Anschließend verglichen die Forscher, wie häufig in beiden Gruppen schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auftraten. Dazu zählten Tod infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, nicht tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie Eingriffe zur Wiederherstellung der Durchblutung der Herzkranzgefäße.
Bei einem zweiten wichtigen Studienziel zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Vorteil: Atorvastatin verlängerte das behinderungsfreie Überleben nicht. Der kombinierte Endpunkt aus Tod, Demenz oder anhaltender körperlicher Behinderung trat in beiden Gruppen ähnlich häufig auf. Die Ergebnisse der STAREE-Studie wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.
Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im höheren Alter. Ältere Menschen waren in früheren großen Statinstudien häufig unterrepräsentiert. Entsprechend weniger gut war bisher untersucht, welchen Nutzen der Beginn einer Statintherapie zur Primärprävention jenseits der 70 hat.
Die STAREE-Studie zeigt nun, dass Atorvastatin auch in dieser Altersgruppe das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse senken kann. Ob eine Statintherapie im Einzelfall sinnvoll ist, hängt unter anderem vom persönlichen Herz-Kreislauf-Risiko, möglichen Nebenwirkungen, anderen Erkrankungen und der weiteren Medikation ab.
Quelle: DOI 10.1056/nejmoa2607314
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