Studie mit 37.600 Kindern: Längeres Stillen mit weniger ADHS-Symptomen verbunden

Katrin Faßnacht-Lee  |  10.09.2026 14:56 Uhr

Je länger Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt wurden, desto weniger ADHS-Symptome zeigten sie später im Alter von drei, fünf und acht Jahren. Das zeigt eine große norwegische Langzeitstudie mit mehr als 37.600 Kindern.

Ein Baby, das gestillt wird, schaut in die Kamera.
Stillen ist bekanntermaßen gut fürs Kind. Eine Studie sieht nun sogar einen Zusammenhang zur Ausbildung von ADHS-Symptomen.
© fizkes/iStockphoto

Weniger ADHS-Symptome mit drei, fünf und acht Jahren

Für die neue Studie untersuchten die Forschenden Daten von mehr als 37.600 Kindern, die an einer Langzeitstudie mit norwegischen Familien teilnahmen. Die Mütter gaben an, wie lange sie ihre Kinder ausschließlich stillten und ab wann sie andere Flüssigkeiten oder feste Nahrung erhielten. Die Ergebnisse zeigten: Je länger die Kinder voll beziehungsweise ausschließlich gestillt worden waren, desto geringer waren ihre ADHS-Symptome im Alter von drei, fünf und acht Jahren. Der Zusammenhang zeigte sich bei Jungen und Mädchen.

Ausschließliches Stillen bis zu sechs Monate zeigte stärksten Zusammenhang

Muttermilch ist speziell auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt und enthält zahlreiche Nährstoffe, die der Gehirnentwicklung zugutekommen, so die Forschenden. Jede Form des Stillens war vorteilhaft, doch der schützende Effekt nahm mit der Dauer und Häufigkeit zu. Der stärkste Zusammenhang zeigte sich bei Babys, die bis zu sechs Monate lang ausschließlich gestillt worden waren.

Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung genetischer Faktoren bestehen

Die Forscher berücksichtigten zahlreiche mögliche Einflussfaktoren, darunter auch die genetische Veranlagung für ADHS. Zusätzlich verglichen sie Geschwister, die von derselben Mutter unterschiedlich lange gestillt worden waren. „Selbst nach dieser Bereinigung zeigte sich ein deutlicher, wenn auch moderater schützender Effekt der Dauer des ausschließlichen Stillens auf spätere ADHS-Symptome“, so Dr. Berit Skretting Solberg von der Universität von Bergen

Ob Stillen ursächlich schützt, ist noch offen

Die Forschenden wiesen jedoch darauf hin, dass weitere Studien und klinische Untersuchungen erforderlich seien, um diesen Zusammenhang zu bestätigen und zu prüfen. Solberg vermutet, dass der schützende Effekt in Regionen, in denen Stillen weniger verbreitet ist, sogar noch stärker ausfallen könnte. „In unserer Gesellschaft ist die Vererbung wahrscheinlich der stärkste Risikofaktor für ADHS. Da ADHS jedoch […] von mehreren Faktoren beeinflusst wird, deutet unsere Studie darauf hin, dass auch das Ausmaß des Stillens dazu beitragen kann, kleine Kinder vor der Entwicklung von ADHS-Symptomen zu schützen“, sagte sie.

Quelle: DOI: 10.1016/j.biopsych.2026.06.009

Mehr aponet.de bei Google

Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Sport & Fitness

Im Fokus diesmal: Abnehm-Wirkstoff Semaglutid jetzt als Tablette erhältlich, die Strahlenbelastung…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben