Starkes Schwitzen kann bei einem Teil der Betroffenen erblich bedingt sein. Ein verändertes Gen macht offenbar Nerven überaktiv, die Schweißdrüsen steuern. Das könnte neue Therapieansätze ermöglichen.

Bei primärer Hyperhidrose kommt es ohne erkennbare Ursache zu starkem Schwitzen, häufig an Händen, Füßen oder unter den Achseln. Örtliche Behandlungen helfen nicht jedem. Eine neue Studie zeigt, warum die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen möglicherweise von den Nerven ausgehen.
Die Forschende untersuchten das Erbgut in 32 Familien, in denen starkes Schwitzen über mehrere Generationen auftrat. Fast jede fünfte betroffene Familie trug seltene Varianten im Gen SCN10A. Es enthält die Bauanleitung für den Natriumkanal NaV1.8, der die elektrische Erregbarkeit von Nervenzellen beeinflusst.
NaV1.8 ließ sich in einem Teil der sympathischen Nervenzellen von Menschen und Mäusen nachweisen. Diese Zellen steuern unter anderem die Schweißdrüsen.
Die Variante verstärkte die Kanalfunktion und die Reaktion auf Signale. Studienleiter Malcolm Brock von der Medizinischen Fakultät der Johns Hopkins University beschreibt den Effekt so: „Diese Mutation dreht gewissermaßen die Lautstärke der Nervensignale hoch, die das Schwitzen auslösen.“
Mäuse mit der beim Menschen entdeckten Genvariante schwitzten ebenfalls übermäßig. Ein bevorzugt gegen NaV1.8 gerichteter Hemmstoff verringerte ihre Schweißproduktion um etwa 70 Prozent.
Damit könnte NaV1.8 ein Ansatzpunkt für künftige Behandlungen sein. Ob eine solche Therapie Menschen hilft und welche Nebenwirkungen auftreten könnten, wurde jedoch nicht untersucht. Eine verfügbare Behandlung lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten.
Hyperhidrose sei keine Erkrankung mit nur einer Ursache, betont Brock. Veränderungen der Schweißdrüsen, überaktive Nerven oder mehrere genetische Faktoren könnten zusammenspielen. Die Studie, die im Fachblatt „Science Advances“ veröffentlicht wurde, beschreibt eine genetisch definierte Unterform der primären Hyperhidrose.
Wie viele Menschen dazu gehören, bleibt offen. Die untersuchte Gruppe war begrenzt. Die seltene Variante wurde besonders ausführlich anhand einer einzelnen Familie geprüft. Klinische Studien müssen nun klären, ob sich die Ergebnisse auf Patienten übertragen lassen.
Quelle: DOI 10.1126/sciadv.aed3221
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