Pflanzliches für die Blase

Akute unkomplizierte Blasenentzündungen erfordern nicht zwangsläufig eine Behandlung mit Antibiotika. In leichteren Fällen können pflanzliche Arzneimittel eine Lösung sein, informiert Professor Dr. Robert Fürst, Apotheker und Professor für Pharmazeutische Biologie an der Universität Frankfurt. Dass verschiedenste Heilpflanzen in der Frauenheilkunde eine wichtige Rolle spielen, fasst die Neue Apotheken Illustrierte vom 15. August 2018 zusammen.

»Ein Präparat hat in Studien gezeigt, dass es bei Frauen, die unter wiederkehrenden Harnwegsinfekten leiden, sogar vorbeugend funktioniert: die Kombination aus Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut«, erklärt Fürst. Die Inhaltsstoffe hemmen das Bakterienwachstum. »Das sind schwefelhaltige Substanzen, die den scharfen Geschmack ausmachen, sogenannte Senfölglykoside.« Sie lassen sich auch unterstützend zu einer Antibiotikatherapie einsetzen. Allerdings können Antibiotika, ebenso wie Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut, bei empfindlichen Personen zu Magen-Darm-Problemen führen. Insofern müsse die Patientin testen, ob sie beides gemeinsam verträgt.

Traditionelle Präparate aus Bärentraubenblättern oder Tees aus Birkenblättern, Brennnesselkraut, Goldrute, Schachtelhalm, Hauhechel oder Orthosiphon findet Fürst sinnvoll, obwohl ein strenger Beleg ihrer Wirksamkeit fehlt. »Eine sogenannte Durchspülungstherapie bewirkt, dass die Bakterien sich nicht so leicht an die Wände der Harnwege anheften können. Bärentraubenblätter verringern zudem das Bakterien-wachstum.«

Zu Cranberrys würde er sich dagegen mehr Studien wünschen. »Es gab Hinweise aus den USA, dass Extrakte oder Säfte jüngeren Frauen helfen können, Harnwegsinfekten vorzubeugen. Ich glaube, da ist etwas dran, aber da es sich hier nicht um Arzneimittel handelt, sondern um Nahrungsergänzungs- oder Lebensmittel, sind Qualität oder Dosierung nicht sicher einzuschätzen. Ich kann das in der Hinsicht nicht uneingeschränkt empfehlen.« Frauen, die trotzdem Cranberrys ausprobieren wollen, rät er, mit der Apotheke Rücksprache zu halten, damit die Dosierung in etwa derjenigen entspricht, die in Studien eingesetzt wurde.

Außerdem in diesem Heft: 5 Jahre Nacht- und Notdienstfonds +++ Die Rolle der Hormone +++ Erste Hilfe bei Blasen und Hühneraugen

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