Apotheker raten: Warum Cortison ausgeschlichen werden muss

Am Ende eines Therapiezeitraums darf man Cortison nicht einfach absetzen. Patienten sollten es ausschleichen. Doch warum eigentlich? Und vielleicht noch wichtiger: Was passiert, wenn man sich nicht daran hält? Die Neue Apotheken Illustrierte gibt in ihrer aktuellen Ausgabe Antworten. 

Unser Organismus arbeitet mit körpereigenen Steroidhormonen, die dem Cortison in Arzneiform sehr ähneln. Diese spielen eine wichtige Rolle, zum Beispiel beim Fett-, Zucker- oder Knochenstoffwechsel oder beim Mineralhaushalt. „Das körpereigene Hormon wird von der Nebennierenrinde gebildet – und zwar immer dann, wenn der Bedarf besteht“, erläutert Apothekerin Dr. Ursula Sellerberg von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Führt man nun Kortison von außen zu, dann registriert der mit dem Gehirn verknüpfte Regelkreis Achtung! Es ist genug Kortison da und fährt die eigene Produktion herunter.“

Erhält der Körper diese Botschaft über einen längeren Zeitraum, bildet sich die Nebennierenrinde zurück, weil das Gewebe nicht mehr benötigt wird. „Das an sich ist noch nicht das Problem beim Absetzen“, sagt Sellerberg. Werde die Kortison-Zufuhr jedoch ruckartig gestoppt, müsse der Körper erst einmal realisieren, dass etwas fehlt und dass die Produktion wieder hochgefahren werden muss. Das dauert seine Zeit, und während dieser Phase kann ein Kortison-Mangel auftreten. 

„Es kommt zu einem Steroid-Entzug, der sich durch Schwäche, Müdigkeit, Übelkeit oder Gelenkschmerzen bemerkbar machen kann. Der Blutdruck sinkt, man ist verwirrt“, erklärt Sellerberg. Darüber hinaus kann ein abruptes Absetzen dazu führen, dass die Krankheit, wegen der das Kortisonpräparat ursprünglich eingenommen wurde, erneut aufflammt. Deshalb setzt man Kortison, wenn man es nicht mehr benötigt, sehr langsam ab. In dieser Zeit kann sich die Nebennierenrinde langsam wieder aufbauen. Ab wann man genau ausschleichen sollte und wie langsam die Dosis zu reduzieren ist, entscheidet immer der Arzt. Es kann bis zu drei Monaten dauern. 

Außerdem in diesem Heft: Endlich ich! Guter Start in die Rente +++ Neuropathie: Schmerz lass‘ nach! +++ Sonnenbrand vorbeugen

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