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Sehstörungen aufgrund von Diabetes nehmen zu.

Diabetikern wird empfohlen, mindestens einmal im Jahr ihre Augen untersuchen zu lassen.
© PHOTO + © 2011 PETER BOETTCHER

Fr. 06. Januar 2017

Sehstörungen nehmen weltweit zu

Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung schwere Sehstörungen entwickeln oder sogar erblinden, hat weltweit stark zugenommen. Dies zeigt eine Analyse britischer und amerikanischer Forscher.

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Anders ausgedrückt: Eine von 39 Erblindungen tritt als Folge von Diabetes auf. Gegenüber der Vorunter suchung aus dem Jahr 1990 bedeutet dies einen Anstieg um 27 Prozent. Als blind gelten Menschen mit einem Visus von unter 3/60. Das bedeutet, dass sie aus drei Metern nur noch das erkennen können, was ein sehgesunder Mensch noch aus 60 Metern sieht.

Hinzu kommen 3,7 Millionen Menschen, die aufgrund ihres Diabetes einen eingeschränkten Visus zwischen 3/60 und 6/18 haben. Bei letzterem Wert erkennen Betroffene aus sechs Metern Entfernung bestenfalls das, was ein gesunder Mensch in 18 Metern Entfernung scharf sieht.

Blutzuckerspiegel ausreichend kontrollieren

Die Forscher vermuten mehrere Gründe für diesen rasanten Anstieg: zum einen nimmt weltweit die Zahl der Diabetiker zu, die ihren Blutzuckerspiegel nicht ausreichend kontrollieren können, zum anderen fehlt es vielen Menschen "an einem Zugang zu augenmedizinischen Untersuchungen", so die Forscher. Da weltweit immer mehr Personen mit Diabetes länger leben, steigt damit auch das Risiko, an den Augen diabetische Schäden zu erleiden – bis hin zum Sehverlust.

Diabetische Retinopathie nennt sich dieses Folgeleiden, das die hoch spezialisierten Zellen in der Netzhaut angreift. Durch Diabetes verengt sich die Versorgungspipeline dieser Zellen immer mehr. Der Körper sucht nach Auswegen. Er bildet neue Gefäße, um die Netzhaut wieder besser versorgen zu können. Da sie aus der Not heraus entstehen, platzen und reißen sie leicht, es kommt zu Blutungen und Vernarbungen in der Netzhaut.

Drei Formen der dia betischen Augenschäden

Nicht proliferative diabetische Retinopathie
Hier beschränken sich die Gefäßveränderungen auf die Netzhaut. Es kommt zum Beispiel zu Blutungen und Veränderungen der Gefäßwände.

Proliferative diabetische Retinopathie
Hier schreitet die Krankheit fort. Es bilden sich krankhaft neue Gefäße, die aus der Netzhaut in den Glaskörper wuchern und dort für Einblutungen sorgen. Dieses Stadium gefährdet bereits stark das Sehvermögen. Gleichzeitig können die neuen Gefäße die Netzhaut von ihrer Unterlage, der sie ernährenden Aderhaut, ablösen.

Diabetische Makulopathie
Hier greift die Krankheit die Stelle des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut, die so genannte Makula, an. Sofortiges medizinisches Eingreifen ist nötig.

PEF

100 000 Betroffene in Deutschland

Allein in Deutschland erleiden laut Berufsverband der Augenärzte jedes Jahr mehr als 100 000 Menschen einen deut lichen Sehverlust durch die diabetische Retinopathie. Doch die Patienten werden sich einer Sehminderung wie verschwommenen oder verzerrten Sehens oder gar Bildausfällen häufig erst bewusst, wenn die Sehzellen in der Netzhautmitte bereits geschädigt sind. Meist ist es dann allerdings zu spät, das Sehvermögen möglichst uneingeschränkt zu erhalten.

"Leider führt die diabetische Retinopathie in den frühen Stadien meist nicht zu Symptomen", erklärt Professor Dr. Janet Leasher, Co-Autorin der Studie. "Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, sollten mindestens einmal im Jahr ihre Augen untersuchen lassen«, so die Augenärztin. Grundsätzlich gilt: Je länger der Diabetes besteht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Netzhautveränderungen eintreten. Je normnäher der Blutzucker jedoch eingestellt ist, umso geringer die Gefahr.

Davon profitieren die Augen

Die meisten Menschen, die aufgrund des Diabetes schwere Sehstörungen entwickeln, leben in Südasien und Afrika südlich der Sahara. Doch auch hierzulande besteht ein Risiko.

Die gute Nachricht: Selbst wenn bereits eine Retinopathie vorliegt, profitiert das Auge von einem stabilen Blutzucker, der sich in normalen Bahnen bewegt. Dies, so belegen andere Studien, reduziert das Risiko, dass sie weiter fortschreitet
und damit das Augenlicht gefährdet, um mehr als die Hälfte.

Peter Erik Felzer

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