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Eine Expertin erklärt, was Patientenberatungsstellen tun.

Vor einem Arztbesuch ist es ratsam, sich alle offenen Fragen zu notieren und in Ruhe durchzugehen.
© Miriam Dörr - Fotolia

Gut beraten zum Arztgespräch

Für kranke Menschen ist es oft nicht leicht, alles erschöpfend in Erfahrung zu bringen, was für sie krankheitsbedingt von Bedeutung ist. Hilfe bieten dann Vereine, wie die "Unabhängige Patientenberatung Tübingen e.V.". Die Neue Apotheken Illustrierte EXTRA sprach mit deren Mitinitiatorin Apothekerin Ulla Kaspar-Kroymann.

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Was zeichnet eine Patientenberatung wie die Ihre aus?

Kaspar-Kroymann: Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe, waren alle beruflich in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens tätig, beraten Patienten ehrenamtlich und sind vollständig unabhängig von Krankenkassen, Ärzteverbänden oder Pharmaindustrie.

Welche Gedanken sollten sich Patienten möglichst vor dem Arztbesuch oder dem Krankenhaus-Aufenthalt machen?

Kaspar-Kroymann: Zunächst sollte man für sich überlegen: Was ist der Grund für meinen Arztbesuch? Denn daraus ergibt sich, welche Gesundheits-Institution am ehesten infrage kommt. Handelt es sich also um einen Routinebesuch beim Hausarzt oder sucht man ihn wegen akuter Beschwerden auf? Steht ein Besuch bei einem Facharzt auf Anweisung des Hausarztes an oder geht es um einen Krankenhaus-Aufenthalt?

Wie geht man je nach Arzt weiter vor?

Kaspar-Kroymann: Handelt es sich um einen Routinebesuch beim Hausarzt, geht es um Antworten auf folgende Fragen: Hat sich mein Gesundheitszustand geändert? Muss die Medikation geändert werden? Wann muss ich wieder zur Kontrolle kommen? Bei akuten Beschwerden fragt man den Arzt, wie die Krankheit heißt und wie er sie einschätzt, wie die Behandlung aussieht und wie sie durchgeführt werden soll. Ganz wichtig: Immer danach fragen, ob es Alternativen zur vorgeschlagenen Behandlung gibt. Eine weitergehende Frage könnte lauten: Können Sie mich weiterbehandeln oder schlagen Sie den Besuch bei einem Facharzt vor?

Weitere Informationen

Noch mehr Informationen und Links zu anderen hilfreichen Seiten finden Sie auf der Website der Patientenberatung Tübingen, die in der Linkliste zu finden ist.

Unterscheidet sich das Gespräch beim Hausarzt von demjenigen bei einem Facharzt?

Kaspar-Kroymann: Beim Facharzt geht es mehr ins Detail. Aber auch dort ist es sehr wichtig, dass man sich die Diagnose genau erklären lässt und solange nachfragt, bis man es wirklich verstanden hat. Nach alternativen Therapiemöglichkeiten zu fragen, empfiehlt sich ebenfalls.

Was halten Sie davon, eine zweite Arztmeinung einzuholen, eine sogenannte second opinion?

Kaspar-Kroymann: Dazu ist auf jeden Fall zu raten, wenn schwierige Entscheidungen anstehen. Der Arzt sollte dem Patienten auch Bedenkzeit einräumen, um die Therapievorschläge zu überdenken.

Wie verhält man sich – falls es möglich ist – bei einer Notfall-Einweisung?

Kaspar-Kroymann: In diesem Fall kann man nicht viel machen. Wenn es möglich ist, sollte man jedoch erfragen, wo man hinkommt, was mit einem passiert und darum bitten, die Angehörigen zu informieren.

Im Gegensatz dazu lässt sich bei einem geplanten Krankenhaus-Aufenthalt einiges vorbereiten?

Kaspar-Kroymann: Ja, und das bereits im Gespräch mit dem einweisenden Arzt. Hier klären Patienten etwa, ob sie im Vorfeld etwas an ihrer Medikamentendosierung ändern sollen, etwa bestimmte Tabletten absetzen, ob sie nüchtern in der Klinik erscheinen sollen und ob bei Sprach- oder Sprechproblemen ein Übersetzer oder Gebärdensprachler vonnöten ist. Außerdem gilt es zu klären, wie es nach dem Krankenhaus-Aufenthalt weitergeht, ob etwa eine Reha nötig ist, ob ambulante Hilfen nötig sein werden. Nicht zuletzt muss man sich zu Hause darum kümmern, dass alles gut weiterläuft, während man selbst nicht da ist.

Was steht im Krankenhaus an?

Kaspar-Kroymann: Im Krankenhaus findet immer ein Aufnahmegespräch statt, zunächst mit dem behandelnden Arzt, später, im Falle einer Operation, mit dem Narkosearzt. Patienten sollten darauf achten, dass sie wirklich alles verstehen, was die Ärzte ihnen erklären. Bekommen sie lediglich etwas Schriftliches in die Hand gedrückt, ist das ungenügend.

Der Arzt muss sich laut Patientenrechtegesetz versichern, dass der Patient verstanden hat, was mit ihm passiert. Meist ist man nach dem Krankenhaus-Aufenthalt noch nicht vollständig genesen. Wie es außerhalb der Klinik weitergeht, sollten außer den Ärzten Pflegeüberleitung und Sozialberatung beantworten. Diese Institutionen sollten möglichst früh eingebunden werden. Sie leiten das Nötige in die Wege, etwa eine Anschluss-Reha oder ambulante Hilfen für zu Hause. Sehr wichtig: Steht die Entlassung aus dem Krankenhaus an einem Freitag an, sollten Patienten darauf drängen, notwendige Medikamente in einer Menge mitzubekommen, die bis mindestens Dienstag der Folgewoche ausreicht. Denn Freitagnachmittag haben niedergelassene Ärzte meist geschlossen, man kommt also nicht mehr an ein Rezept für die Medikamente, die die Klinik im Abschlussbericht aufführt. Ebenso wichtig: dass der Hausarzt den Bericht der Klinik so schnell wie möglich bekommt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Apothekerin Isabel Weinert.

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