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Wie Sie nächlicher Unterzuckerung vorbeugen können.

Sport am Abend oder Alkohol können eine Unterzuckerung in der Nacht begünstigen.
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Ohne Hypo durch die Nacht

Viele Diabetiker haben hin und wieder mit Unterzuckerungen zu kämpfen. Etwa die Hälfte dieser Hypoglykämien tritt in der Nacht auf – häufig unbemerkt. Warum es wichtig ist, diese zu erkennen und wie sich gegensteuern lässt.

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Nächtlicher Unterzucker ist ein häufiges diabetesspezifisches Schlafproblem. Betroffen sind vor allem Diabetiker, die mit Insulin, Sulfonylharnstoffen oder Gliniden behandelt werden. Experten sprechen von einer Hypoglykämie in der Regel bei Werten von weniger als 70 Milligramm pro Deziliter (mg/dl). Wann Patienten den Unterzucker tatsächlich spüren, ist allerdings sehr unterschiedlich.

Tagsüber kündigt sich eine leichte Unterzuckerung zum Beispiel durch Schweißausbrüche, Herzklopfen oder Konzentrationsschwäche an. Sinken die Werte weiter, können etwa Zittern oder Sehstörungen hinzukommen. Diese Warnzeichen werden nachts jedoch häufig nicht bemerkt. "Das liegt daran, dass die Adrenalinausschüttung zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens ganz niedrig ist", sagt Dr. Ingrid Helmstädter, Diabetologin aus Langen. "Wer dann noch in der Tiefschlafphase ist, hat nahezu keine Chance, die Unterzuckerung zu bemerken. So kommt es, dass etwa neun von zehn nächtlichen Hypoglykämien unbemerkt bleiben."

Folgende Ursachen können eine Hypoglykämie in der Nacht begünstigen:

Ernährung und Therapiefehler: Wenn im Verhältnis zur Insulingabe oder Tabletteneinnahme am Abend zu wenige Kohlenhydrate gegessen wurden, sinkt der Blutzuckerspiegel im Schlaf. Manchmal kommt es auch vor, dass Patienten versehentlich zu viele Einheiten beziehungsweise das falsche Insulin spritzen oder zu viele Tabletten einnehmen.

Magen-Darm-Probleme: Bei Durchfall oder Erbrechen gelangen weniger Kohlenhydrate in den Körper. Die Therapie muss darauf angepasst werden. Eventuell können auch schnelle Kohlenhydrate in Form eines Softdrinks oder Traubenzucker helfen.

Sport am Abend: Wer sich viel bewegt, verbraucht mehr Glukose. Und nach dem Sport müssen die Glukosespeicher in Muskel und Leber wieder aufgefüllt werden. Das kann noch Stunden nach dem Sport andauern und zu nächtlichen Unterzuckerungen führen. Daher ist es wichtig, die Therapie anzupassen und nach dem Sport lieber etwas höhere Blutzuckerwerte zu tolerieren.

Alkohol: Besonders Diabetiker, die Insulin spritzen oder Sulfonylharnstoffe einnehmen, laufen Gefahr, nach Alkoholgenuss während der Nacht zu unterzuckern. Denn Alkohol bremst die Zuckerausschüttung aus der Leber. Wein und Bier daher immer in Maßen und mit einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit genießen. "Nach einem feucht-fröhlichen Abend
empfiehlt es sich, mit einem leicht erhöhten Blutzucker – nicht unter 150 mg/dl – zu Bett zu gehen", rät Helmstädter. Wer sich etwa bei einem Infekt, nach dem Sport oder nach Alkoholgenuss unsicher ist, wie sich die Blutzuckerwerte in der Nacht verhalten, kann sich sicherheitshalber den Wecker stellen und in der Nacht nachmessen. Hilfreich können auch Geräte zur kontinuierlichen Blutglukosemessung, sogenannte CGM (Continiuous Glucose Monitoring)- oder FGM (Flash Glucose Monitoring)-Systeme sein. "Diese zeichnen die Blutzuckerwerte die ganze Nacht auf, sodass Hypoglykämien leichter aufgedeckt werden können", erklärt Helmstädter. "Welches Gerät sich am besten eignet und ob es die Krankenkasse zahlt, können Patienten mit ihrem Diabetologen besprechen." Dieser hilft auch bei Nachfragen weiter und falls es nötig ist, die Therapie aufgrund von nächtlichen Unterzuckerungen anzupassen.

Katrin Faßnacht-Lee

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