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Zur Behandlung von Diabetes kommen viele Therapiemöglichkeiten infrage.

Zur Behandlung von Diabetes kommen viele Therapiemöglichkeiten infrage.
© digicomphoto/iStockphoto

Insulin: Therapien im Überblick

Irgendwann kommt bei vielen Diabetikern der Zeitpunkt, an dem sich die Blutzuckerwerte nicht mehr allein durch Medikamente in den Griff bringen lassen. Dann empfiehlt der Arzt oft eine Therapie mit Insulin. Was viele nicht wissen: Diese kann ganz unterschiedlich aussehen.

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BOT = Basal unterstützte orale Therapie

Reicht die blutzuckersenkende Therapie mit Tabletten nicht mehr aus, lässt sich die Behandlung durch ein lang wirkendes Insulin ergänzen. Dieses empfiehlt sich besonders bei schlechten Nüchternwerten am Morgen. In der Regel verwendet man hierzu ein ultralang wirkendes Insulin, das nur einmal täglich, meist am späteren Abend gespritzt wird. Das Insulin unterstützt den Grundbedarf des Patienten. Eine Voraussetzung für diese Behandlungsform ist jedoch, dass die Bauchspeicheldrüse selbst noch eine gewisse Insulinmenge freisetzt. Der Blutzucker muss bei dieser Therapieform nicht ständig kontrolliert werden.

Noch eine Möglichkeit: Inkretin-Analoga

Bevor mit einer Insulintherapie begonnen wird, gibt es seit einigen Jahren eine weitere Therapiemöglichkeit mit sogenannten Inkretin- oder GLP-1-Analoga. Dabei handelt es sich um Arzneistoffe, die abhängig vom Blutzuckerspiegel die Insulinausschüttung verstärken und die Neubildung von Zucker aus der Leber hemmen können. Die blutzuckersenkenden Eigenschaften bezeichnen Mediziner als Inkretin-Effekt. Diese Präparate stellen einen Zwischenschritt zwischen einer medikamentösen und einer Insulintherapie dar. Vorteile: Die Substanzen erzeugen keinen Unterzucker, hemmen den Appetit und unterstützen so auch beim Abnehmen. Je nach gewähltem Präparat spritzt der Patient GLP-1-Analoga täglich oder nur einmal wöchentlich. Neben der Kombination mit Tabletten besteht auch die Möglichkeit der Kombination mit Insulin.

SIT = supplementäre Insulintherapie

Auch die SIT stellt eine ergänzende Therapie zur Behandlung mit blutzuckersenkenden Tabletten dar. Sie eignet sich für Menschen, die einen guten Nüchternblutzuckerwert aufweisen, aber nach dem Essen zu hohen Blutzuckeranstiegen neigen. Um dies zu verhindern, spritzt der Patient bei der SIT zu den Hauptmahlzeiten ein kurz wirkendes Insulin. Da vorher jeweils der Blutzucker bestimmt werden muss, gestaltet sich die SIT etwas aufwändiger als die BOT. Der Vorteil besteht jedoch darin, dass mehr Flexibilität bei den Essenszeiten und auch bei der aufgenommenen Kohlenhydratmenge pro Mahlzeit besteht. Den Basalbedarf an Insulin muss der Körper noch durch das körpereigene Hormon aus der Bauchspeicheldrüse decken können.

CT = konventionelle Insulintherapie

Bei dieser Art der Behandlung spritzt man sich zweimal pro Tag eine fixe Menge eines sogenannten Mischinsulins: vor dem Frühstück und vor dem Abendessen. Um den Blutzucker zu kontrollieren, enthält das Insulin kurz und lang wirkende Bestandteile, die der Arzt festlegt. Diese Therapieform wird nur noch sehr selten eingesetzt, da der Patient seine Mahlzeiten nach der Insulinwirkung einnehmen und einen sehr geregelten Tagesablauf haben muss. Dazu gehören in der Regel auch sechs kleine Mahlzeiten pro Tag. Bei ungeregelten Mahlzeiten drohen Unterzuckerungen.

ICT = intensivierte konventionelle Insulintherapie

Bei dieser Therapieform regelt der Patient seinen Blutzuckerwert durch mahlzeitenunabhängiges Basalinsulin sowie mahlzeitenabhängiges Bolusinsulin. Zur Grundversorgung des Körpers spritzt man einmal täglich ein lang wirkendes Basalinsulin. Hinzu kommen Gaben von kurz wirkendem Bolusinsulin vor jeder Hauptmahlzeit – in der Regel dreimal täglich. Wie viel Insulin jeweils benötigt wird, legt der Arzt zusammen mit dem Patienten anhand der regelmäßigen Blutzuckerdokumentation fest. Die Menge des Mahlzeiteninsulins richtet sich nach der aktuellen Blutzuckerhöhe und dem Kohlenhydratgehalt der bevorstehenden Mahlzeit. Das berechnet der Diabetiker selbst. Diese Therapie ist mit viermal täglicher Blutzuckermessung und vier bis fünf Injektionen relativ aufwändig. Sie ermöglicht aber sehr gute Blutzuckerwerte und eine flexible Lebensführung.

Dr. Ingrid Helmstädter, Diabetologin DDG

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