Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 1. Oktober 2019 Dagegen kann man allergisch sein?

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Es gibt ungewöhnliche Stoffe, die Allergien auslösen können.

Tierfedern, die oft in Kissen und Bettdecken stecken, können allergische Symptome auslösen.
© torwai/iStockphoto

Dagegen kann man allergisch sein?

Allergien gegen Pollen oder Tierhaare sind weithin bekannt. Doch es gibt noch viele andere Dinge, auf die man allergisch reagieren kann. Ein paar nicht ganz so alltägliche oder bekannte Beispiele stellt der Hautarzt und Allergologe Dr. Heiko Grimme vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in Stuttgart vor.

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Wolle: "Gegen reine Schafswolle allein – gesäubert, gereinigt und nicht gefärbt – gibt es keine bekannte Allergie. Gegen die in Schafswolle enthaltenen Wollwachsalkohole, die das Haarkleid der Tiere wasserabweisend machen, allerdings schon, und zwar gar nicht so selten", betont Grimme. Die allergische Reaktion ist eine Kontaktallergie, die sich nach 24 bis 48 Stunden durch Rötung, Juckreiz und Ekzem bemerkbar macht. In der stark gereinigten Wolle eines Pullis findet man die auch als Lanolin bekannten Wollwachsalkohole zwar kaum mehr. Anders sieht es hingegen bei kosmetischen und medizinischen Zubereitungen wie Cremes, Salben oder Emulsionen aus.

Daunen: Gänse-, Enten-, Hühnerdaunen: So wie Menschen auf Hunde- oder Katzenhaare allergisch reagieren können, kann man auch auf Federn allergisch sein. Dazu Grimme: "Diese eher seltene Variante fällt in die Kategorie der Soforttyp-Allergie mit ähnlichen Symptomen wie bei Heuschnupfen und Asthma: Die Nase läuft, die Augen jucken, es kann zu Atemnot kommen."

Latex: Die Allergie gegen Naturkautschuk ist eine bedeutsame Allergie, denn Latex kommt sehr häufig vor: Allein im Krankenhaus findet es sich in Handschuhen, Kathetern, Beatmungsmasken oder Gummiunterlagen. Aber auch Wärmflaschen, Tauchausrüstung oder Kondome enthalten Latex. Betroffene können unterschiedlich darauf reagieren: Mit einer eher lästigen Kontaktallergie, aber auch mit einer sofort auftretenden Reaktion, die im schlimmsten Fall zu einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion führen kann, einem sogenannten anaphylaktischen Schock. Je häufiger der Kontakt mit Latex, umso wahrscheinlicher stellt sich eine Allergie dagegen ein. Außerdem gibt es viele Kreuzreaktionen. "Wer eine Latex-Allergie bekommen hat, verträgt höchstwahrscheinlich auch Nahrungsmittel wie Avocado, Banane, Feige oder Kiwi nicht", erklärt Grimme.

Was bei Allergie-Symptomen hilft

Am besten ist es natürlich, den Kontakt mit dem Allergieauslöser zu vermeiden. Den Juckreiz bei einer Kontaktallergie können Antihistaminika enthaltende Gele lindern, die auch einen kühlenden Effekt haben. Die beste Hilfe bietet eine Kortison-Creme. Sind neben der Haut auch Nase und Augen betroffen, können Tropfen beziehungsweise Sprays mit Antihistaminika helfen. Eventuell muss man sie auch als Tabletten nehmen. Besteht die Gefahr bedrohlicher Allergiereaktionen, sollte man sich vom allergologisch geschulten Arzt ein Set mit Notfallmedikamenten verschreiben lassen.

Wasser: Es gibt tatsächlich Menschen, die auf Wasser "allergisch" reagieren. Aquagene Urtikaria oder Nesselsucht wird diese Reaktion im Fachjargon genannt, bei der Betroffene nach dem Duschen oder Baden überall am Körper rote und juckenden Stellen bekommen. Nach einer halben Stunde etwa ist der Spuk meist wieder vorbei. "Eine 'Wasser-Allergie' kann plötzlich auftreten, manchmal dauert sie nur kurz, manchmal Jahre, manchmal das ganze Leben", sagt Grimme. Man vermutet, dass durch das Eindringen des Wassers in die oberen Hautschichten bestimmte Eiweißstoffe aus der Haut gelöst werden und eine Art allergische Reaktion auf diese Proteine stattfindet. Den genauen Mechanismus kennt man aber noch nicht.

Henna-Tattoos: Noch immer zählen Henna-Tattoos zu den beliebten Mitbringseln aus dem Urlaub in südlichen Ländern. Der normalerweise rötlichen bis nussbraunen Hennafarbe wird dort mitunter para-Phenylendiamin (PPD) zugmischt, damit das Tattoo dunkler und intensiver wirkt. "Bis zu 30 Prozent PPD können diese Farben enthalten", sagt Grimme. Das kann fatale Folgen haben, denn PPD ist ein extrem starkes Allergen. "Nach zwei bis drei Wochen, wenn das Tattoo nach und nach verblasst, kann es passieren, dass die Haut an der Stelle anschwillt und stark zu jucken beginnt." Eine solche Allergie kann unangenehme Folgen nach sich ziehen. Zwar wird PPD heute nicht mehr so häufig eingesetzt wie vor 20 Jahren, doch ist es außer in einigen Hennafarben noch immer in vielen Gebrauchsgegenständen enthalten, zum Beispiel in Druckerfarbe oder in schwarzen oder dunklen Textilien.

Rotes Fleisch: Die Allergie gegen rotes Fleisch kennt man erst seit etwa zehn Jahren. Genau genommen reagieren Betroffene hier auf einen Zucker, der sich an Proteinen im Fleisch befindet, die Alpha-Galactose oder kurz Alpha-Gal. Da die Beschwerden oft erst vier bis acht Stunden nach dem Verzehr auftreten, bringen viele sie nicht mit der Fleischmahlzeit in Verbindung. Dies kann zu einer ernsten allergischen Reaktion führen. Als ursprünglichen Auslöser dieser Allergie vermutet man Zeckenstiche, bei denen Alpha-Gal von der Zecke in die Wunde übergeht.

Hanke Huber

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