Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 15. Oktober 2019 Divertikel: die stille Gefahr im Darm

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In 90 Prozent der Fälle bilden sich die Divertikel auf der linken Seite des Dickdarms

Eine Divertikulitis macht sich oft durch heftige Bauchschmerzen bemerkbar, die einer Blinddarmentzündung ähneln.
© yacobchuk/iStockphoto

Fr. 04. Oktober 2019

Divertikel: die stille Gefahr im Darm

Viele Menschen ahnen gar nicht, dass etwas nicht stimmen könnte. Die Diagnose Divertikulose trifft sie überraschend bei einer Routineuntersuchung. Andere Betroffene leiden dagegen an heftigen Bauchschmerzen und
Entzündungssymptomen. Fakten, Ursachen und Tipps zur Vorbeugung.

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Wenn der Bauch laut gluckert oder es links unter den Rippen zieht, vermuten die wenigsten eine ernste Erkrankung. Vielleicht liegt’s am Essen, mutmaßen viele, denn oft kommen noch Blähungen hinzu. Selten denken Betroffene bei Verdauungsbeschwerden und leichten Schmerzen sofort an eine Darmerkrankung. Tatsächlich kann sich hinter diesen Symptomen aber eine Veränderung des Dickdarms, eine sogenannte Divertikulose, verbergen.

Bei Divertikeln handelt es sich um Aussackungen in der Darmwand. In 90 Prozent der Fälle bilden sich die Divertikel auf der linken Seite des Dickdarms. Sie treten gehäuft ab dem 60. Lebensjahr auf. Etwa 30 Prozent der Senioren in diesem Alter sind davon betroffen. Ärzte vermuten, dass schwaches Bindegewebe und eine faserarme Ernährung die Erkrankung begünstigen. Solange die Aussackungen in der Darmwand keine Probleme bereiten, sprechen Experten von Divertikulose. Die ist zunächst einmal ungefährlich. Ärzte diagnostizieren die Ausstülpungen in der Darmwand mithilfe von Röntgenbildern, per Ultraschall oder Computertomographie. Auch eine Darmspiegelung kann häufig Hinweise auf die Schwachstellen geben.

So kann Ernährung helfen

Vorbeugung: Da Verstopfung vermutlich die Entstehung von Divertikeln begünstigt, kann eine ballaststoffreiche Ernährung vorbeugen. Ziel ist immer, den Druck des Speisebreis auf die Darmwand gering zu halten, sodass sie sich nicht nach außen wölbt. Obst, Gemüse oder Vollkornprodukte halten den Darminhalt weich. Regelmäßige Bewegung bringt die Verdauung in Schwung und beugt ebenfalls vor. Darüber hinaus hilft reichliches Trinken (2 bis 2,5 Liter pro Tag), den Speisebrei geschmeidig zu halten.

Divertikulose: Sind bereits Divertikel vorhanden, achten Betroffene am besten auf eine ballaststoffreiche Basiskost. Die tägliche Einnahme von Flohsamenschalen hält den Stuhl weich und wirkt vorbeugend.

Divertikulitis: Die Ernährung wird erst gedrosselt und dann langsam wieder aufgebaut.

1. Phase: bei starken Entzündungen im Krankenhaus ein bis zwei Tage fasten.
2. Phase: etwa zwei Wochen lang eine ballaststofffreie beziehungsweise ballaststoffarme Kost.
3. Phase: leichte und fettarme Kost, nach und nach mehr Ballaststoffe.
4. Phase: ballaststoffreiche Basiskost.

Bei einer Entzündung nicht mehr harmlos

Wenn Speisebrei oder kleine Kerne in den Divertikeln hängenbleiben, können sich die Aussackungen jedoch entzünden. Dann handelt es ich um eine Divertikulitis. Die Symptome ähneln denen einer Blinddarmentzündung, nur eben auf der linken Seite. Nehmen die Schmerzen zu oder treten Durchfälle oder Verstopfung – manchmal auch im Wechsel – auf, so gilt dies als Alarmsignal. Fieber, Erbrechen und in einigen Fällen Blut oder Schleim im Stuhl sind weitere Beschwerden, die einsetzen können. Dann sollten Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Unbehandelt kann es sonst zu schwerwiegenden Komplikationen wie einem Darmverschluss oder einem Darmdurchbruch kommen. Beides ist lebensgefährlich.

Häufig muss der betroffene Darmabschnitt bei einer schweren Divertikulitis operativ entfernt werden. Dies versuchen die Chirurgen allerdings zu vermeiden, solange er stark entzündet ist. Besteht keine akute Lebensgefahr, bekommt der Patient daher zunächst Antibiotika. Das sorgt dafür, dass die Entzündung abklingt und vier bis sechs Wochen nach der akuten Phase operiert werden kann. Auch wenn eine Divertikulitis komplikationslos verläuft, muss bei starken Entzündungswerten ebenfalls stationär mit einer Antibiotikatherapie behandelt werden. Zwar kann nach der Therapie erneut eine Divertikulitis auftreten – bei rund einem knappen Drittel der Patienten –, bei der großen Mehrheit tritt sie jedoch nicht mehr auf.

Esther Langmaack

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