Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 15. Dezember 2019 Diabetes: Wann ist Zeit für Insulin?

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Viele Typ-2-Diabetiker werden irgendwann auf eine Insulintherapie umgestellt.

Auch wenn Patienten mit Typ-2-Diabetes eine lange Zeit ohne Insulinspritzen zurecht kommen, kann diese Therapie irgendwann nötig werden.
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Diabetes: Wann ist Zeit für Insulin?

Wer Typ-2-Diabetes hat, kann seine Blutzuckerwerte lange Zeit durch Lebensstil-Veränderungen oder mit Medikamenten in Schach halten. Irgendwann empfiehlt der Arzt jedoch bei vielen, auf Insulin umzustellen. Dr. Ingrid Helmstädter, Diabetologin aus Langen, weiß um die Ängste der Patienten und erklärt, wann es dennoch sinnvoll ist, den Schritt zu wagen.

Diabetes ist eine Erkrankung, die schleichend kommt und lange Zeit unbemerkt bleibt. Selbst Menschen, die die Diagnose bereits haben, leben damit häufig recht unbeschwert. Die Bauchspeicheldrüse arbeitet dann allerdings schon. Sie produziert viel Insulin, um den Blutzucker in die Zellen zu schleusen. Irgendwann ermüdet die Bauchspeicheldrüse jedoch, das körpereigene Insulin reicht nicht mehr aus und die Blutzuckerwerte steigen – trotz Medikamenten – an.

Den richtigen Zeitpunkt finden

"Zu mir in die Praxis kommen oft Menschen mit Typ-2-Diabetes, die vom Hausarzt überwiesen wurden, weil der Langzeitblutzuckerwert HbA1c zweistellig ist", berichtet Helmstädter. Je nach Alter liegt die Empfehlung für diesen Wert bei 6,5 bis 7,5 Prozent. In diesen Fällen ist es sinnvoll, unbedingt auf Insulin umzustellen, um den Stoffwechsel wieder unter Kontrolle zu bekommen. Aber auch hinter einem HbA1c von 7 Prozent kann eine schlechte Blutzuckereinstellung stecken. "Der HbA1c ist ein Mittelwert. Patienten können damit Blutzuckerschwankungen zwischen 30 und 300 Miligramm pro Deziliter haben", erklärt die Diabetologin. "Deshalb rate ich allen meinen Patienten, an zwei bis drei Tagen im Quartal ein Blutzuckertagesprofil zu machen."

Das heißt: etwa vier- bis sechsmal am Tag den Blutzucker messen. Damit lassen sich ungewollte Blutzuckerspitzen erkennen. "Wenn ich meinen Patienten Insulin empfehle, reagiert natürlich niemand begeistert", so Helmstädter. "Ich erkläre dann aber, dass Diabetes – auch vor dem Insulinspritzen – nicht nur 'ein bisschen Zucker' ist, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung der Gefäße, die es aufzuhalten gilt. Je früher man den Stoffwechsel optimiert, desto weniger Folgeschäden werden auftreten."

Insulin-Therapien im Überblick

BOT = Basal unterstützte orale Therapie: Bei ausschließlich hohen Nüchternwerten am Morgen kann ein ultralang wirksames Insulin, das man in der Regel am späten Abend spritzt, in Ergänzung zu blutzuckersenkenden Tabletten genügen. Voraussetzung: Der Körper produziert noch ausreichend eigenes Insulin.

SIT = supplementäre Insulintherapie: Auch SIT ergänzt eine Therapie mit blutzuckersenkenden Tabletten und setzt eine körpereigene Insulinproduktion voraus. Sie kommt zum Einsatz, wenn vor allem die Blutzuckerwerte nach dem Essen stark ansteigen. Dies ist bei vielen Typ-2-Diabetikern der Fall.

CT = konventionelle Insulintherapie: Bei dieser Behandlungsform spritzt sich der Patient zweimal am Tag ein sogenanntes Mischinsulin, das kurz und lang wirkende Bestandteile enthält. Diese Therapieform empfehlen Ärzte nur noch selten, da der Patient einen sehr festen Tagesablauf einhalten muss.

ICT = intensivierte konventionelle Therapie: Eine Therapie für Menschen, die kaum noch oder kein eigenes Insulin mehr produzieren. Gespritzt wird mehrmals täglich – abends lang wirksames Insulin, zu den Mahlzeiten kurz wirksames. Dies ermöglicht sehr gute Blutzuckerwerte und eine flexible Lebensführung.

Ängste überwinden

Doch oft lassen Ängste vor dem Insulin zurückschrecken. Helmstädter, die selbst Typ-1-Diabetes hat, versucht diese zu nehmen: "Da wir heute praktisch ausschließlich mit Pens spritzen, die man kaum spürt, braucht man vor der Nadel keine Angst zu haben. Und die gefürchteten Unterzuckerungen kommen bei Typ-2-Diabetikern sehr viel seltener vor." Wer dann noch sein Umfeld informiert, hat immer einen doppelten Boden, wenn der Zucker doch mal in den Keller geht. "Viele haben auch Angst, dass sie mit Insulin eine strenge Diät nach festgelegten Zeiten einhalten müssen", erklärt Helmstädter. Doch das sei heutzutage nicht mehr nötig. Nach ihrer Erfahrung kommen gerade Menschen mit Typ-2-Diabetes anfangs gut mit kurz wirksamen Insulinen zurecht, die man vor den Hauptmahlzeiten spritzt. "Wer sich auf das Insulinspritzen einstellt und gut geschult ist, kann seine Mahlzeiten völlig frei gestalten", betont die Ärztin. Aber es gibt auch andere Therapieoptionen (siehe Kasten). Die individuell passende lässt sich am besten im direkten Gespräch mit dem Diabetesteam in der Praxis finden.

Wer umstellt, profitiert in der Regel von einer besseren Blutzuckerkontrolle. "Außerdem geht es gerade Patienten, die sehr hohe Langzeitblutzuckerwerte hatten, nach der Therapieumstellung auf Insulin deutlich besser", so Helmstädter. Sie fühlen sich oft weniger müde und gereizt, auch sehen sie deutlich besser. "Viele schreiben diese Symptome dem Alter zu. Sie können aber auch mit stark erhöhten Blutzuckerwerten zu tun haben."

Katrin Faßnacht-Lee

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