Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2011 15. November Gesundheit aus der Stille - Klostermedizin und Meditation

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Meditierende Frau

Wer regelmäßig meditiert, bleibt gesünder, wird älter und ist wieder Herr im eigenen Kopf.
© mauritius images

Gesundheit aus der Stille - Klostermedizin, Meditation und Lebensweisheiten

Ein ehemaliges und sorgfältig restauriertes Kloster, dazu ein Garten der Stille und viel unberührte Natur. Frieden. Genau das, was die rund 120 Gäste suchen, die für ein paar Tage in das Meditationshaus im Spessart kommen, um kraftvoll und mit klarem Kopf in den Alltag zurückzukehren.

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Endlich Pause, nichts tun, Stille. Aber das ersehnte Sich-endlich-mal-auf-sich-selbst-besinnen fängt nach wenigen Minuten der Tatenlosigkeit an zu quälen. Vor allem, wenn man wie hier still auf dem Meditationskissen oder dem Stuhl sitzt. Das Gehirn rotiert rastlos und lauert nach Gefahren. Ein Relikt aus Zeiten, als es den Menschen noch vor wilden Tieren warnen musste. "Die Gedanken nicht verdrängen, aber auch nicht ver folgen", sagt Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger. Einfach vorbeiziehen lassen und die Stille spüren und hören. Bei allen, die das nicht gewohnt sind, türmen sich stattdessen lauter Aufgaben im Gehirn auf. Normalerweise würde man jetzt dem Impuls gehorchen, aufzuspringen. Hier bleibt man sitzen. 25 lange Minuten. Und das mehrmals am Tag. Und am Ende stellt man verblüfft fest, wie nichtig die Anlässe waren, derentwegen man fast schon aufgegeben hätte.

Menschen über 50 am häufigsten vertreten

Viele, die die Besinnung im Kloster und bei Meditationen suchen, sind über 50 Jahre alt. Haben Schicksalsschläge erlitten, Menschen verloren, sind krank geworden oder spüren einfach so den existenziellen Fragen des Lebens nach. Sie haben das zunächst unbestimmte Gefühl, dass sie keine Heilung erlangen können, wenn sie nicht von dem Getriebensein ihrer Seele oder des Alltages befreit werden.

Die Wiederkehr der Klostermedizin

Das, was man heute als Klostermedizin bezeichnet, ist ein Teil der Mittelalterlichen Medizin, also aus der Zeit zwischen dem 8. und dem 12. Jahrhundert. Der Name Klostermedizin rührt daher, dass im Mittelalter die Krankhäuser von Klöstern betrieben wurden und Mönche und Nonnen über grundlegende Kenntnisse der Heilwirkung von Kräutern und Heilpflanzen wussten. Das war eine Zeit, in der es ansonsten die Bader und Scherer gab, und Medizin aus Zaubersprüchen, Beschwörungen, Sagen und Gebeten bestand. Ihren Höhepunkt fand die Klostermedizin in den Werken von Hildegard von Bingen. Heute gibt es in Deutschland wieder eine Forschungsgruppe Klostermedizin am Institut für Geschichte für Medizin an der Universität Würzburg. Sie möchten mehr über die Heilkräfte der Natur wissen? Eine ausführliche Darstellung von 126 Heilpflanzen finden Sie unter aponet.de.

Das Gehirn und das Denken sind eine tolle Sache, aber "Denken bedeutet auch Einschränkung" sagt Willigis Jäger. Nicht-Denken beschert Freiheit. Wobei er Wert darauf legt, dass man nicht in einem Elfenbeinturm bleiben darf, sondern immer auf den Marktplatz des Geschehens zurück muss. Aber vielleicht mit neuen Einsichten. Denn was man hier in jedem Fall lernt, ist, wieder Herr im eigenen Kopf zu sein, seine Gedanken zu lenken, von gestern oder morgen auf das heute.

Jeder zehnte Manager will meditieren

"Gedanken rufen stets auch Gefühle hervor", sagt der Betriebsarzt des Fernsehsenders WDR, Dr. Michael Neubert. Die Gefühle hat man jetzt, obwohl sich ja die Gedanken auf etwas Zukünftiges oder Vergangenes richten. Das macht überflüssigen Stress, übrigens auch ganz physiologisch durch Hormonausschüttungen im Körper und Säurebildung im Magen. Der Magensäure-Blocker Omeprazol gehört in Deutschland zu den am meisten verordneten Arzneistoffen. "Stress ist die Gedankenwaschmaschine im Kopf, die dreht und dreht, ohne dass wir dabei klarer sehen", sagt Neubert. Er bietet allen Mitarbeitern des Senders inzwischen einmal wöchentlich Meditationskurse im Schweigen an, weil er festgestellt hat, dass gerade die 45- bis 55-Jährigen von psychosomatischen Erkrankungen geplagt werden. Untersuchungen zufolge interessiert sich jeder zehnte Manager für Meditation.

Beliebte Heilpflanzen im November

  • Efeu: Efeuextrakt verflüssigt bei Husten das Bronchialsekret und erleichtert dadurch das Abhusten.
  • Eukalyptus: Das ätherische Öl aus den Blättern lindert bei Erkältungskrankheiten den Husten.
  • Hagebutte: Fertigpräparate aus einer bestimmten Hagebuttenart lindern Gelenkschmerzen.
  • Holunder: Die Blüten wirken bei Erkältungen schweißtreibend, die Beeren werden gerne zu einem Saft bei Fieber und Erkältungskrankheiten verarbeitet.
  • Huflattich: Tee mit Huflattich dämpft Hustenreiz, Entzündungen der Mundschleimhaut und Heiserkeit.
  • Isländisch Moos: Tee, aber auch Präparate aus der Apotheke wirken gegen Schleimhautreizung oder bei trockenem Husten.
  • Kamille: Tee lindert Magenschmerzen, Blähungen sowie Entzündungen der Haut oder der Atemwege.
  • Lindenblüten: Die schweißtreibende Wirkung in Form von Tee kann bei fiebrigen wie grippalen Infekten von Nutzen sein.
  • Salbei: Präparate aus der Apotheke kommen bei Zahnfleischentzündungen, Magen-Darm-Problemen oder übermäßigem Schwitzen zum Einsatz, mit dem Tee wird auch bei Halsschmerzen gegurgelt.
  • Sonnenhut: Präparate, die Extrakte des Sonnenhuts enthalten, besitzen eine immunstimulierende Wirkung.
  • Spitzwegerich: Fertigpräparate, aber auch Tees lindern Hustenreiz und lässt entzündete Hautstellen schneller abheilen.
  • Thymian: Die in ihm enthaltenen ätherischen Öle sorgen dafür, dass sich Bronchialschleim gut löst.
  • Umckaloabo: Sein Extrakt hilft bei akuten und chronischen Infekten der oberen Atemwege.

Gesünder und weniger vergesslich werden

Wer regelmäßig meditiert, wird älter, bleibt gesünder und wird weniger vergesslich. Seit etwa dem Jahr 2000 boomen Studien zum Gesundheitsnutzen von Meditationen. Die sich dabei ein stellende Gelassenheit beruht offenkundig auf der Synchronisierung von Hirnwellen, die normalerweise nicht im gleichen Takt schwingen. Studien zeigen, dass das nicht nur bei lange und intensiv übenden Mönchen funktioniert. Mitarbeiter einer Biotechnologie-Firma hatten ein zweimonatiges Achtsamkeitstraining absolviert und danach ein stärkeres Immunsystem und eine positivere Lebenseinstellung. Alle Studien zur Auswirkung der Meditation auf das Gehirn zeigen, dass Volumen und Dichte der grauen Substanz im Gehirn wachsen. Außerdem wird über die Regulation der Atmung bei der Meditation das Regelsystem von Herz und Kreislauf harmonisiert.

Wer das Wort Meditation hört und nur an Buddhismus denkt, liegt übrigens falsch. Meditation – im Christentum auch Kontemplation genannt – hat in Europa eine weit zurückreichende Tradition. Teresa von Avila oder die noch bekanntere Hildegard von Bingen wählten diese Form der inneren Einkehr als Gebet. Willigis Jäger und einige andere evangelische und katholische Geistliche versuchen deshalb, eine europäische Symbiose aus westlichen und fernöstlichen Methoden der inneren Einkehr zu kreieren.

Unregelmäßigkeit schadet dem Immunsystem

Dass Geistliche dafür prädestiniert zu sein scheinen, den Menschen das weltliche Leben zu ordnen, sieht man an den gigantischen Auflagen, die deren Ratgeberbücher erlangen. "Simplify your life" stammt von dem evangelischen Pfarrer Werner Tiki Küstenmacher. Und Anselm Grün aus dem katholischen Kloster Münsterschwarzach füllt meterweise Regalplatz in den Buchhandlungen.

Auch einfache Aufenthalte in Klöstern ohne strenge Meditationen können den Menschen wieder heiler werden lassen. Wer das erste Mal Gast im Kloster ist, wundert sich oft über die Schlichtheit, mit der hier gelebt wird. Kein spiritueller Hokuspokus. Aber genau diese Kunst der Einfachheit ist das Heilsame. Allein die Regelmäßigkeit des Alltages gibt gestressten Managern, überforderten Müttern und genervten Vätern wieder Halt.

Japanische Atemübung
Normal Einatmen und bewusst langsam in den Bauch ausatmen. Immer wieder. Möglichst einige Minuten lang, idealerweise bis zu einer Dreiviertelstunde. Hara-Atmen nennt das der Japaner. Es dient zur Selbstbesinnung und für ein gutes "Bauchgefühl". Der Bauch ist für den Japaner die Mitte des Selbst.

Yoga
Auch die bekannten Yoga-Übungen sind eine Art der Meditation und kommen ursprünglich aus Indien. Ihr Ziel: Flexibel aus einer stabilen Mitte heraus zu agieren, sportlich wie seelisch.

Essen zu festgelegten Tageszeiten, keine Naschereien zwischendurch. Täglich dieselben Zeiten für das Ins-Bett-gehen und ebenso für das Aufstehen. Und Zeiten zur Besinnung. Das schafft Ordnung und Klarheit im Kopf und macht Platz für neue Kraft. Moderne Ärzte benutzen dafür Vokabeln wie Schlafhygiene und Ernährungsregime. Die Regeln des Gründers des benediktinischen Mönchstums Benedikt von Nursia sprechen schon im 6. Jahrhundert von einem Leben im Gleichgewicht, dem Gegenwärtigsein und der Gelassenheit.

Dass selbst mit 120 Menschen über eine Strecke von fünf Tagen eine Atmosphäre der Stille durchzuhalten ist, zeigt die Faszination, die die Stille ausübt. Wenn das Schweigen vorbei ist, ziehen die Teilnehmer fröhlich plappernd zu den Autos und wieder nach Hause. Die meisten kommen wieder.

Apothekerin Jutta Petersen-Lehmann

Eine Liste mit Adressen und Literatur zum Thema finden Sie hier.

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