Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2017 15. Dezember 2017 Kein Amalgam für Schwangere und Kinder

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Vor allem das im Amalgam enthaltene Quecksilber sorgt immer wieder für gesundheitliche Diskussionen.

Das für Zahnfüllungen verwendete Amalgam ist eine Legierung, die zu etwa 50 Prozent aus Quecksilber besteht.
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Kein Amalgam für Schwangere und Kinder

Ab dem 1. Juli 2018 kein Zahn-Amalgam mehr für Kinder und Schwangere. Dies hat das Europaparlament beschlossen. Bis Mitte 2019 sollen zudem alle EU-Staaten Pläne vorlegen, wie sich der Einsatz des Materials noch weiter reduzieren lässt.

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Amalgam gilt seit Jahrzehnten als billiger und gängiger Füllstoff für Löcher in den Zähnen. Kritiker des Materials weisen auf das darin enthaltene Quecksilber hin. Damit kämen in der Europäischen Union bis zu 75 Tonnen des giftigen Schwermetalls in Umlauf. Das Europaparlament hat beschlossen, dass Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren ab dem 1. Juli 2018 kein Amalgam mehr als Zahnfüllung erhalten dürfen. Zahnärzte müssen das Material zudem in Abscheidern auffangen, damit es nicht in die Umwelt gelangt.

50 Prozent Quecksilber

"Das für Zahnfüllungen verwendete Amalgam ist eine Legierung, die aus jeweils etwa 50 Prozent Quecksilber und einem Legierungspulver besteht", erläutert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Dieses Pulver enthält neben anderen Metallen ebenfalls eine geringe Menge Quecksilber. "Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch das in Amalgamfüllungen enthaltene Quecksilber werden seit Langem kontrovers diskutiert", betont das BfR.

Ob sich Quecksilber aus Amalgamfüllungen löst, hängt von der Zahl und vom Zustand solcher Füllungen ab. "Zähneknirschen und intensives Kaugummikauen verstärken die Quecksilberfreisetzung", weiß das BfR. "Die Belastung ist beim Legen einer Amalgamfüllung – aber auch bei der Entfernung solcher Füllungen – besonders hoch."

Ein Kompromiss

"Warum wird Amalgam nicht sofort verboten?", fragt provokant der Krebsinformationsdienst. Der aktuelle Entscheid sei ein Kompromiss, aber durchaus nachvollziehbar. "Mit Amalgam lassen sich kariöse Zähne sehr effektiv behandeln, das Material ist haltbar und lässt sich leicht anpassen. Bei der Vorbereitung geht auch vergleichsweise wenig gesunde Zahnsubstanz verloren." Bei sorgfältiger Verarbeitung sei zudem die durchschnittliche Quecksilberbelastung für die Trägerinnen und Träger gering.

Ein weiterer Punkt, der laut des Krebsinformationsdienstes für Amalgam spricht: Die Füllungen sind nicht verantwortlich für Krebs, obwohl dies immer wieder behauptet wird. Auch für viele andere Gesundheitsgefahren, von denen man hört oder im Internet liest, fehlt laut den Experten bis heute der eindeutige Beweis.

Praxismitarbeiter schützen

Doch warum schränkt das Europaparlament dann die Verwendung von Amalgam ein? Dafür stehen zwei Gründe im Vordergrund. Zum einen möchten die Europapolitiker die Menschen schützen, die in einer Zahnarztpraxis arbeiten. Zum anderen möchten sie die Umwelt vor einem Zuviel an Quecksilber bewahren. Schließlich spielt der vorbeugende Verbraucherschutz eine Rolle. Im Mittelpunkt stehen hier Schwangere und Stillende, aber auch Menschen, deren Nieren nur noch eingeschränkt arbeiten. "Auch wer schon Füllungen oder Zahnersatz aus anderen Metallen trägt, sollte mit Amalgam vorsichtig sein, da elektrochemische Reaktionen zu Geschmacksbeeinträchtigungen führen können", so der Krebsinformationsdienst. Eher selten seien dagegen Menschen, die allergisch oder mit Entzündungen auf das Zahnfüllmaterial reagieren.

Peter Erik Felzer

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