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Tinnitus und Hörsturz lassen sich nur schwer behandeln.

Ohrgeräusche können den Betroffenen sehr belasten, vor allem dann, wenn sie dauerhaft auftreten.
© DoraZett - Fotolia

Tinnitus und Hörsturz

Plötzlich macht das Ohr dicht: Wenn man schlagartig schlechter oder gar nichts mehr hört, ist das ein sehr beunruhigendes Gefühl. Mitunter folgt dem Hörsturz auch ein Tinnitus. Bei einem Hörsturz, der früher noch als Notfall galt, raten Experten mittlerweile jedoch dazu, Ruhe zu bewahren.

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"Bei über 50 Prozent aller Patienten heilt ein akuter Hörsturz nach ein bis zwei Tagen spontan wieder aus", erklärt Dr. Michael Deeg, Facharzt für Hals Nasen-Ohren-Heilkunde, Allergologie und Tauchmedizin in Freiburg. Wer also am Wochenende oder in der Nacht einen Hörsturz erleidet, muss nicht sofort in die Notaufnahme, sondern kann zunächst abwarten, ob das Hörvermögen von selbst zurückkehrt. "Ganz wichtig ist es, nicht in Panik zu verfallen. Beginnt die Behandlung nicht umgehend, entsteht dem Patienten daraus kein Nachteil", sagt Deeg.

Bessern sich die Symptome innerhalb von 48 Stunden nicht von allein, ist jedoch ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt angezeigt. Dieser kann feststellen, was den Hörverlust verursacht hat. Auch ein Infekt oder ein durch Ohrenschmalz verstopfter Gehörgang können dahinterstecken. Ist das nicht der Fall, ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hörsturz die Ursache. Mithilfe eines Tonaudiogramms kann der Arzt den Grad der Hörminderung feststellen, bevor mit der Behandlung begonnen wird.

Begleitet wird ein Hörsturz häufig von einem weiteren unangenehmen Ohrenleiden: dem Tinnitus. Ein Pfeifen, Summen oder Klingeln im Ohr hat fast jeder schon einmal erlebt. Normalerweise verschwinden diese fälschlichen Geräuschwahrnehmungen nach einiger Zeit wieder. Doch halten sie an, spricht der Arzt von einem Tinnitus. Dieser kann sowohl infolge eines akuten Hörsturzes als auch unabhängig davon auftreten. Bleiben die Ohrgeräusche länger als drei Monate bestehen, sprechen Ärzte von einem chronischen Tinnitus.

Ursachen meist unbekannt

Die Ursachen für einen plötzlichen Hörverlust und Tinnitus sind noch nicht vollständig erforscht. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Behandlung. Nach Leitlinienempfehlung werden Hörsturz und Tinnitus in der akuten Phase mit Kortison in Form von Tabletten oder als Infusion behandelt. "Diese Behandlung kann helfen, die Symptome zu verbessern. Eine Prognose, wie gut die Therapie anschlägt, kann aber leider niemand geben", sagt HNO-Arzt Deeg.

Hinzu kommt: Die Kortison-Therapie bei Hörsturz und Tinnitus hat in Deutschland keine eindeutige Zulassung für diese Krankheitsbilder. "Das bedeutet, dass wir Ärzte das Kortison 'off-label' einsetzen und die Therapie damit selbst verantworten«, erklärt Deeg. Für den Patienten hat dies zur Folge, dass er die Behandlung unter Umständen selbst bezahlen muss. Gesetzliche Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten für Medikamente zu übernehmen, die außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt werden.

Alternativen gibt es Deeg zufolge nur wenige. Möglich sei beispielsweise auch eine Therapie mit hyperbarem Sauerstoff. Dabei atmet der Patient in einer Überdruckkammer medizinisch reinen Sauerstoff ein. Dadurch soll schlecht durchblutetes oder entzündetes Körpergewebe besser mit Sauerstoff versorgt werden. Weil die Wirkung nicht einwandfrei belegt ist und die von gesetzlich versicherten Patienten selbst zu tragenden Kosten hoch sind, kommt diese Behandlung laut Deeg erst zum Einsatz, wenn Patienten nicht auf Kortison ansprechen. Zudem könne man unterstützend zur Kortison Therapie Ginkgo-Präparate einsetzen. "Ginkgo-Extrakte haben einen Effekt auf den Stoffwechsel der Sinneszellen", sagt Deeg. Die Wirksamkeit sei aber noch nicht ausreichend erforscht, daher sollten Hörverlust und Tinnitus nicht ausschließlich mit Ginkgo-Extrakten behandelt werden.

Lernen, mit den Ohrgeräuschen umzugehen

Bei vielen Tinnitus-Patienten hat sich zudem eine kognitive Verhaltenstherapie bewährt, wenn sie dauerhaft unter Tinnitus leiden. Diese Therapie lindert zwar nicht die Symptome, hilft Betroffenen aber, mit den Ohrgeräusche im Alltag besser umzugehen. Ziel der Therapie ist es, die Wahrnehmung der Ohrgeräusche zu verändern. Der positive Effekt ist durch Studien belegt, daher wird die kognitive Verhaltenstherapie bei Tinnitus von gesetzlichen Krankenkassen erstattet, wenn der Arzt dem Patienten "erheblichen Leidensdruck" attestiert oder zusätzlich eine psychische Begleiterkrankung wie eine Depression, Schlafstörung oder Angsterkrankung auftritt.

Wer durch den Hörsturz langfristig schlechter hört, profitiert unter Umständen von einem Hörgerät. Dies hilft in einigen Fällen auch Tinnitus Patienten, die störenden Geräuschwahrnehmungen auszublenden. In Deutschland legt die Heil- und Hilfsmittelrichtlinie fest, ab wann ein Hörverlust so ausgeprägt ist, dass der Betroffene ein Hörgerät benötigt. Ist dies der Fall, dann gilt: Je früher der Patient ein Hörgerät bekommt, desto besser. Denn wer das Problem hinauszögert und über Jahre schlecht hört, gewöhnt sich mit der Zeit daran. Das Gehirn verlernt, Geräusche und Höreindrücke richtig einzuordnen.

Vorbeugemaßnahmen gegen Ohrprobleme

  • Stress vermeiden: "Seelische und körperliche Belastungen können sich in vielerlei Hinsicht auf unsere Nerven- und Sinneszellen auswirken", so Deeg. Daher sollte man Alltag und Berufsleben so stressfrei wie möglich gestalten.
  • Genug trinken: Auch Flüssigkeitsmangel und eine dadurch bedingte schlechte Durchblutung des Innenohrs wird als Ursache für Tinnitus und Hörsturz diskutiert. Wer ausreichend Wasser trinkt, kann dem vorbeugen.
  • Ohren schützen: Dafür ist es ratsam, bei Konzerten, Festivalbesuchen, beim Spielen eines Instruments oder lauten Arbeiten mit Bohrmaschine & Co Ohrstöpsel oder einen anderen Gehörschutz zu tragen.

Natascha Koch

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