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Impfen sind nicht nur für Kinder wichtig.

Impfungen sind auch im Alter wichtig und bieten Schutz, beispielsweise vor Lungen-Entzündungen.
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Nachgefragt: Impfen im Alter

Piksen für die Gesundheit: Das macht man doch nur bei Kindern, oder? Dr. Anja Kwetkat, Leiterin der Arbeitsgruppe Impfen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, weiß es besser. Die Direktorin der Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena klärt darüber im folgenden Interview auf.

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Wirken Impfungen nur in jungen Jahren?

Kwetkat: Impfungen wirken auch in höherem Alter, allerdings ein wenig schlechter. Das liegt daran, dass sich mit den Jahren das Immunsystem verändert. Inzwischen gibt es aber spezielle Impfstoffe, die extra für Senioren zugelassen sind. Diese besitzen eine stärkere Wirksamkeit.

Sie sprechen das Immunsystem an: Wie zeigen sich die Veränderungen im Alter?

Kwetkat: Diese machen sich auf dreifache Weise bemerkbar. Erstens sprechen, wie bereits erwähnt, ältere Menschen nicht mehr ganz so gut auf Impfungen an wie junge Menschen. Zweitens bekommt der menschliche Organismus im Alter Infektionen nicht mehr so gut in den Griff. Und drittens haben ältere Menschen, anders als etwa Kinder, oft kein Fieber mehr bei einem Infekt. Was in jungen Jahren früh und heftig kommt, kommt bei ihnen spät oder gar nicht. Dies erschwert die Diagnose einer Infektion.

Können Sie hierfür bitte ein Beispiel nennen?

Kwetkat: Das fällt zum Beispiel bei einer Lungenentzündung auf. Zu den typischen Symptomen zählen Husten, Atemnot, Abgeschlagenheit und hohes Fieber. Letzteres fehlt im Alter häufig. Die Abgeschlagenheit wird teils nicht richtig wahrgenommen, da andere Begleiterkrankungen sie häufig überlagern, die für sich genommen schon die Leistungsfähigkeit einschränken.

Welche Krankheiten spielen bei den Impfungen gerade im Alter eine wichtige Rolle?

Kwetkat: Eine Hauptrolle spielt der Schutz gegen Pneumokokken, wichtige Erreger der Lungen-Entzündung. Zu den weiteren wichtigen Impfungen zählen die gegen Grippe, Keuchhusten, den Wundstarrkrampf und Diphtherie. Hier sollten ältere Menschen darauf achten, dass die Auffrischimpfungen stattfinden, um den Schutz zu erhalten. Für die fitten und reisefreudigen Senioren muss man noch im Blick haben, welche Impfungen für den Urlaub sinnvoll sein können.

Woher weiß man, wann welche Impfungen anstehen?

Kwetkat: Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) aktualisiert jedes Jahr im August ihre Impfempfehlungen. Und das nicht nur für ältere Menschen, sondern für alle.

Gibt es für chronisch Kranke besondere Empfehlungen?

Kwetkat: Die STIKO unterscheidet in ihren Empfehlungen zwischen Standardimpfungen für jeden und solchen für Risikopatienten. Zu Letzteren zählen Herz-Kreislauf-Patienten, Diabetiker und Nierenerkrankte, aber auch Menschen mit einer HIV-Infektion. Bei Fragen hilft der behandelnde Arzt gerne weiter.

Stichwort Fragen: An wen können sich Menschen wenden, wenn sie mehr über Impfungen wissen möchten?

Kwetkat: Jeder sollte sich die Beratung dort holen, wo er sie am besten bekommen kann. Das kann der Hausarzt oder ein anderer Mediziner sein. Auch Apotheken sind eine gute Adresse.

Übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten?

Kwetkat: Für die von der STIKO empfohlenen Impfungen übernehmen Krankenkassen die Kosten. Oft wird ja über die Krankenkassen geschimpft. Aber an dieser Stelle muss ich sagen: Wenn wir in Sachen Impfungen all das ausschöpfen würden, was sie ohnehin bezahlen würden, wären wir schon einen großen Schritt weiter.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Peter Erik Felzer

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