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Ein Überblick über Neujahrsbräuche aus aller Welt.

So unterschiedlich die Menschen ins neue Jahr hineinfeiern, so unterschiedlich begrüßen sie den ersten Tag des neuen Jahres.
© tanito - stock.adobe.com

Neujahrsbräuche aus aller Welt

Die Niederländer lieben es frisch und schwimmen in der kalten Nordsee. In Villingen-Schwenningen gibt es um 8 Uhr bereits das Neujahrsschießen. Und in Wien läutet das Neujahrskonzert den Beginn des Jahres ein.

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Links und rechts stehen alte Apfelbäume. Mein Blick wandert zum knapp neunhundert Meter hohen Feldberg im Taunus. Ab und zu begegnen mir Jogger, die gleich ihre guten Vorsätze für die Fitness umsetzen, Hundebesitzer und andere Spaziergänger. Sich völlig fremde Menschen wünschen sich ein frohes neues Jahr, in der Großstadt eher eine Seltenheit. Ein Spaziergang am Stadtrand von Frankfurt am Main, so sieht meine Neujahrstradition aus.

Gemütlich vor dem Fernseher

Wenn ich zurück nach Hause komme, weiß ich genau, was mich erwartet. Meine Frau und meine beiden Töchter sitzen noch in Schlafsachen unter Decken gemummelt auf dem Sofa, trinken Tee und schauen sich die Übertragung des Neujahrskonzertes an. Seit Jahrzehnten präsentieren die Wiener Philharmoniker ein Programm aus dem reichen Repertoire der Strauß-Dynastie und deren Zeitgenossen. Mit Walzerklängen sanft in das neue Jahr starten. Wegen der immensen Nachfrage losen die Veranstalter, wer Karten erwerben darf.

Kein Glück bei der Verlosung? Die Stadt Wien lädt alljährlich bereits ab 10 Uhr zum Katerfrühstück auf den Rathausplatz ein. Mit der Live-Übertragung des Neujahrskonzertes ab 11 Uhr auf großen Leinwänden und einem Glas Sekt lässt sich das junge Jahr ebenfalls stimmungsvoll willkommen heißen. Und wer noch durchhält, genießt ab 19 Uhr die Übertragung der Operette "Die Fledermaus" live aus der Wiener Staatsoper am Herbert-von-Karajan-Platz.

Mit orangener Mütze ins Meer

Ortswechsel: das Nordseebad Scheveningen in den Niederlanden. Zitternd stehen am Neujahrsmorgen 10 000 Menschen im Badeanzug oder in der Badehose am Strand. Jeder mit einer orangefarbenen Mütze auf dem Kopf. Plötzlich rennen alle ins Wasser. Manch Wagemutige tauchen sogar den Kopf mehrmals in das kalte Wasser.

Nieuwjaarsduik, auf deutsch Neujahrsschwimmen, heißt diese Tradition. In den Niederlanden fand das erste Schwimmen 1960 in Zandvoort statt. Inzwischen stürzt man sich fast allerorts zu Neujahr ins kalte Nass. Angela nimmt jedes Jahr am Neujahrsschwimmen teil. "Vor einigen Jahren fragten einige Freundinnen, ob ich nicht mitmachen möchte. Seitdem habe ich kein Jahr ausgelassen. Für mich gilt: je kälter, je besser. Nach so einem Schwimmen fühle ich mich wirklich wie neugeboren, und das neue Jahr kann beginnen."

36 Kanonenschüsse in der Früh

Eiskaltes Wasser am frühen Morgen? Da möchten die meisten wohl lieber im warmen Bett liegen bleiben und ausschlafen. In Villingen-Schwenningen im Schwarzwald dürfte das schwer fallen. Pünktlich um 8 Uhr feuern vier historische Kanonen zwölf Salven ab, um das neue Jahr zu begrüßen. Der Brauch geht auf eine Belagerung im Dreißigjährigen Krieg zurück. Immerhin bis zu 200 Frühaufsteher oder Noch-Wachgebliebene erfreuen sich Jahr für Jahr an dieser Tradition.

Laut geht es auch in einigen Regionen der Alpen zu. Dort gibt es den Brauch des Neujahrsschreiens. "S’Nuijohrschreie, seit Hunderten von Jahren gibt es diesen Brauch, der für die Kinder bis heute ein zusätzliches Taschengeld bedeutet", erklärt der Heimatverein aus Pfronten im Allgäu. Mädchen und Jungen ziehen von Haus zu Haus und wünschen der Nachbarschaft ein gutes neues Jahr.

Bis zur Mittagsglocke

"Heute gibt man jedem Kind zwischen 50 Cent und zwei Euro in sein Säckchen und zum Andenken an die guten alten Zeiten ein Stück Schokolade oder Obst." Für die Kinder bedeutet die Tradition, früh aufzustehen. Das Neujahrsschreien endet vor 12 Uhr mittags. Wer nach dem Schlag der Mittagsglocke an die Türe klopft, bekommt keine Gaben mehr. "S'Kraut isch scho gesse", lautet dazu passend ein alter Spruch aus dem Ostallgäu.

Frühes Aufstehen, laute Kanonen oder kaltes Meerwasser? Wenn ich mir am Neujahrsmorgen meine drei Damen anschaue, bleibt es wohl bei ihrer Tradition, das Neujahrskonzert im Fernsehen anzuschauen. Ich ziehe meinen Mantel aus, nehme mir eine Tasse Tee und setze mich mit vor den Bildschirm. Als letzte Zugabe erklingt der Radetzky-Marsch von Johann Strauss. Das Publikum und wir klatschen im Takt mit. Wie immer an Neujahr.

Peter Erik Felzer

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