Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2018 1. Mai 2018 Arzneimittel-Therapien richtig beenden

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Grundsätzlich sollte man bei allen rezeptpflichtigen Medikamenten vor dem Absetzen mit seinem Arzt oder Apotheker sprechen.

Viele Medikamenten dürfen nicht ohne weiteres eigenmächtig abgesetzt werden.
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Arzneimittel-Therapien richtig beenden

Manche Arzneimittel, die man für begrenzte Zeit nehmen muss, kann man am Ende der Therapie nicht schlagartig absetzen. Warum das so ist und wie man dann vorgehen kann, erläutert Apotheker Wolfgang Pfeil, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der Bundesapothekerkammer.

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Herr Pfeil, kann man die Einnahme von Arzneimitteln einfach selbst beenden?

Pfeil: Grundsätzlich sollte man bei allen rezeptpflichtigen Medikamenten vor dem Absetzen mit seinem Arzt oder Apotheker sprechen. Am besten fragt man gleich bei der ersten Verordnung in der Arztpraxis oder bei der ersten Packung in der Apotheke nach, wie lange man das Medikament einnehmen soll.

Welche Folgen könnte eine zu rasche Beendigung der Einnahme haben?

Pfeil: Das kommt natürlich auf das jeweilige Medikament und die Erkrankung an. Ein gutes Beispiel ist das Absetzen von Kortison. Kortison ist ein Hormon, dass der Körper selbst in der Nebenniere herstellt. Als Arzneimittel eingesetzt werden Substanzen, die mit dem körpereigenen Hormon chemisch eng verwandt sind, etwa Prednison. Bei Krankheiten wie Rheuma wird Kortison oft über längere Zeit täglich eingenommen. Das hilft gegen die Beschwerden, versetzt aber gleichzeitig die Nebenniere in eine Art Winterschlaf. Setzt man die Kortison-Tabletten nun von einem Tag auf den anderen ab, springt die körpereigene Produktion nicht sofort wieder an. Das kann lebensgefährlich werden: Der Körper kann durch starken Brechdurchfall innerlich austrocknen und der Kreislauf zusammenbrechen. Deshalb werden Ärzte, die eine Kortison-Therapie beenden wollen, die Dosis nach und nach über einige Wochen reduzieren. Der Fachausdruck dafür ist "ausschleichen".

Sind Patienten bei der Anwendung vieler verschiedener Medikamente nicht zu Recht unsicher, ob sie die wirklich alle brauchen?

Pfeil: Ich kann verstehen, wenn sich Patienten fragen, ob alle Medikamente wirklich nötig sind oder ob es nicht besser wäre, die Tabletten wegzulassen. Gleichzeitig will ich nicht ausschließen, dass der ein oder andere Patient möglicherweise Medikamente einnimmt, die er gar nicht braucht. Aber die Arzneimitteltherapie ist gerade für Patienten mit mehreren Krankheiten oft sehr komplex. Deshalb sollte niemand allein herumprobieren. Hilfe gibt es in der Apotheke vor Ort: Jeder Apotheker berät seine Patienten gerne zu allen Fragen rund um die Arzneimitteltherapie.

FS

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