Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2018 1. Juni 2018 Welche Arzneimittel können abhängig machen?

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Einige Medikamente können abhängig machen.

Vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel haben das Potenzial, abhängig zu machen.
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Welche Arzneimittel können abhängig machen?

Bei Medikamenten überwiegt der Nutzen mögliche Nebenwirkungen deutlich. Aber etwa vier bis fünf Prozent aller verordneten Arzneimittel können missbräuchlich verwendet werden oder abhängig machen. Bei welchen Mitteln man in dieser Hinsicht besonders vorsichtig sein muss und wie Apotheker dazu beitragen, den Missbrauch von Medikamenten zu verhindern, erfahren Sie hier von Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer.

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Herr Dr. Kiefer, bei welchen Arzneimittel- Gruppen besteht ein erhöhtes Risiko einer missbräuchlichen Anwendung?

Kiefer: In erster Linie sind es verschreibungspflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel, die abhängig machen können. Bundesweit sind gut eine Million Menschen von ihnen abhängig. Die Dosierungen sind oft gering und weil die Medikamente vom Arzt verschrieben werden, wissen einige Betroffene gar nichts von ihrer Abhängigkeit. Auch rezeptfreie Arzneimittel wie Schmerzmittel, Abführmittel oder Nasensprays können missbräuchlich angewendet werden. Ich will das kurz an einem Beispiel erläutern: Werden Kopfschmerzmittel zu häufig ein genommen, kann das einen sogenannten Schmerzmittelinduzierten Dauerkopfschmerz auslösen. Die Betroffenen nehmen gegen diese Kopfschmerzen dann Schmerztabletten ein. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem die Patienten allein nicht mehr herauskommen.

Wie ist es in den USA zu dem steigenden Missbrauch opioidhaltiger Arzneimittel gekommen und wie ist die Situation in Deutschland?

Kiefer: In den USA wurden in den vergangenen Jahren immer mehr stark wirksame Schmerzmittel verordnet. Diese Medikamente, die mit Morphin verwandt sind, heißen wissenschaftlich Opioide. Für den Boom gab es verschiedene Ursachen, unter anderem wurden die Opioide in der Presse stark beworben. Sie wirken sehr gut gegen Schmerzen, machen bei längerfristiger Einnahme aber abhängig. Die Patienten brauchten also immer mehr Schmerzmittel, um ihre Sucht befriedigen zu können. Wenn die Patienten von ihren Ärzten gar keine oder nicht mehr genug Schmerz mittel erhielten, suchten sie sich andere Quellen – und landeten unter anderem bei Heroin aus dem Schwarzhandel. Es gab dadurch in den vergangenen Jahren viele Todesfälle in den USA. Das ist tragisch. In Deutschland nimmt die Zahl der Opioid-Verordnungen seit Jahren zu. Das sehen wir mit Sorge. Damit hierzulande keine ähnliche Epidemie entsteht, ist es wichtig, dass das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente erhalten bleibt.

Was tragen Apotheken zum sicheren Umgang mit Arzneimitteln bei, die ein erhöhtes Missbrauchspotenzial haben?

Kiefer: Am wichtigsten ist es, dass Patient und Apotheker miteinander reden. Nur in einem vertrauensvollen Miteinander wird sich ein Patient soweit öffnen, von einer Fehlanwendung zu erzählen. Dann können gemeinsam Lösungen gesucht werden. Apotheker sind gesetzlich verpflichtet, jedem erkennbaren Missbrauch von Arzneimitteln entgegenzuwirken und gegebenenfalls die Abgabe zu verweigern.

FS

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