Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2020 1. Oktober 2020 Womit sich Antibiotika nicht vertragen

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Nicht alle Lebensmittel vertragen sich gut mit Antibiotika.

Antibiotika nimmt man am besten zusammen mit einem Glas Leitungswasser ein.
© Tijana87/iStockphoto

Womit sich Antibiotika nicht vertragen

Antibiotika und Milchprodukte – auf keinen Fall? Antibiotika und Alkohol kein Problem – oder doch? Lesen Sie hier, was stimmt und was nicht.

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Vierzehn verschiedene chemische Wirkstoffgruppen plus die Gruppe "weitere" gibt es bei den Antibiotika. Und jede Gruppe umfasst wiederum zahlreiche Wirkstoffe. Die Anzahl der Gruppen deutet schon an, dass sich Antibiotika voneinander unterscheiden. Sie sind unterschiedlich aufgebaut, wirken an unterschiedlichen Stellen im Körper und gehen verschiedene Wechselwirkungen mit einer ganzen Palette anderer Medikamente und Nahrungsmittel ein.

Mineralstoffe als "Übeltäter"

Zu den häufigsten und bekanntesten Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln zählt diejenige mit Milchprodukten. Genau genommen gelten die Mineralstoffe in der Milch als die eigentlichen "Übeltäter". Vor allem enthalten Milch und Milchprodukte wie etwa Quark, Joghurt und Käse große Mengen des Mineralstoffs Calcium. Er steckt zudem in einigen Präparaten, die gegen Osteoporose zum Einsatz kommen.

Aber auch Magnesium, Eisen, Aluminium und Zink können mit Antibiotika wechselwirken. So fällt beispielsweise die tägliche Einnahme von Magnesium gegen Wadenkrämpfe in diese Rubrik. Bei immunstärkenden Nahrungsergänzungsmitteln steht Zink besonders häufig auf der Liste der Inhaltsstoffe. Mineralstoffe finden sich darüber hinaus reichlich in Tafel- oder Mineralwasser oder können Säften zugesetzt sein. Auch ohne Rezept erhältliche Medikamente gegen Sodbrennen, sogenannte Antazida, enthalten verschiedene Salze mit Mineralien. Nimmt man diese mineralstoffhaltigen Mittel zeitnah zusammen mit sogenannten Chinolon- oder Tetracyclin-Antibiotika ein, können diese nicht mehr gegen krankmachende Bakterien wirken. Grund: Die Mineralstoffe verbinden sich mit den Antibiotika zu schwer löslichen Substanzen, die sich nicht aus dem Magen-Darm-Trakt ins Blut aufnehmen lassen. Ärzte und Apotheker sprechen dabei von einer "Komplexbildung". Zu den geläufigsten Vertretern der beiden genannten Antibiotika-Gruppen zählen Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin sowie Doxycyclin und Tetracyclin. Antibiotika aus anderen Gruppen betrifft das hingegen nicht und man darf sie weiterhin zu den Mahlzeiten – auch mit Milchprodukten – einnehmen. Einige sind mit gefülltem Magen sogar besser verträglich.

Generell nimmt man Arzneimittel, auch Antibiotika, am besten mit einem Glas Leitungswasser ein. Es enthält weniger Mineralstoffe als Mineralwasser aus der Flasche, was die Gefahr der Komplexbildung minimiert. Mineralstoffreiche Lebensmittel und Nahrungsergänzungen frühestens zwei, besser sogar drei Stunden nach der Einnahme von Antibiotika verzehren.

Mythos Alkohol und Antibiotika

Es gibt viele Medikamente, die entweder ihre Wirkung durch Alkohol verlieren oder durch diesen deutlich stärker wirken oder die den Effekt von Alkohol verstärken. Doch Antibiotika gehören nicht dazu. Theoretisch könnte man sie also mit Alkohol kombinieren, aber eine gute Idee ist das trotzdem nicht. Der Alkohol schwächt das durch die Infektion stark beanspruchte Immunsystem zusätzlich, was die Genesung behindert.

Falls Sie mehrere Medikamente einnehmen, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach möglichen Wechselwirkungen mit Antibiotika und einem geeigneten Einnahmeschema. Denn während die Liste der Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln erfreulich kurz ausfällt, ist die Liste der Wechselwirkungen von Antibiotika mit anderen Medikamenten dafür umso länger.

Pharmazeutin Julia Lanzenrath

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