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Eine Pilzinfektion im Intimbereich äußert sich oft durch starken Juckreiz.

In der Apotheke können sich Patienten diskret beraten lassen.
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Keine Hausmittel bei Scheidenpilz

Pilzinfektionen im Intimbereich, sogenannte Vaginalmykosen, können die Lebensqualität betroffener Frauen stark mindern. Warum manche Frauen häufiger darunter leiden und was dagegen hilft, erklärt der Dermatologe Professor Dr. Hans-Jürgen Tietz von der Mycoclinic, Institut für Pilzkrankheiten und Innere Medizin, in Berlin.

Wie macht sich eine vaginale Pilzinfektion bemerkbar?

Tietz: Der Haupterreger von Vaginalmykosen ist Candida albicans, und die Symptome sind absolut typisch: ein extremer Juckreiz, gerötete Haut und ein weißlich, käsiger, säuerlich riechender Ausfluss. Bei diesem Erreger täuscht man sich normalerweise nicht.

Was sollte man dann tun? Einen Arzt aufsuchen?

Tietz: Die Leitlinie besagt, dass Frauen, wenn die Infektion zum ersten Mal auftritt, einen Arzt aufsuchen sollten. Die Symptome sind allerdings so eindeutig, dass man im Prinzip auch gleich in die Apotheke gehen kann. Seit 2004 sind fast alle lokalen Medikamente nicht mehr rezeptpflichtig. Der Apotheker kann die Symptome abfragen und auf dieser Grundlage zu einer Therapie raten.

Welche Mittel helfen?

Tietz: Klassische Wirkstoffe, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt, sind Nystatin und Clotrimazol. Clotrimazol gibt es auch als Kombination mit Milchsäure. Wichtig ist, dass man immer eine Kombinationstherapie macht, das heißt nicht nur intravaginal mit einer Tablette, sondern unbedingt auch mit der Creme. Mit dieser wird der äußere Genitalbereich bis hin zum Po behandelt, vorsorglich auch beim Mann. In vielen Fällen gibt es die Wirkstoffe als Kombipräparate mit Creme und Tabletten in einer Packung. Damit kommen die meisten Patientinnen klar.

Was wenn nicht?

Tietz: Eine chronische Infektion kann vom Arzt systemisch mit Fluconazol behandelt werden. Darüber hinaus gilt es dann, herauszufinden, woher der Pilz immer wieder kommt. Der Darm zum Bespiel ist die wichtigste Quelle einer chronischen Vaginalinfektion. Die meisten Menschen nehmen den Pilz während der Geburt von der Mutter auf, sind also von Geburt an besiedelt. Zweitwichtigste Quelle ist der Partner, aber nicht dessen Genitalbereich, sondern dessen Mund. Man behandelt so lange, bis alle Abstriche und Stuhlproben negativ sind. Da man gegenüber Pilzen nicht immun wird, muss man den Erreger ausrotten. Wenn es sich um seltenere Erreger wie Candida glabrata oder Candida krusei handelt, gibt es mit Ciclopirox noch ein weiteres Medikament, das lokal angewendet werden kann.

Kann man vorbeugen, zum Beispiel mit einer intensiveren Intimhygiene?

Tietz: Nein, das ist absolut übertrieben. Gleiches gilt für Tipps wie Baumwollunterwäsche, das ganze Haus zu desinfizieren oder eine Anti-Pilz-Diät. Es stimmt, dass Pilze Zucker mögen. Aber wenn sie keinen bekommen, stellen sie sich auf Fett und Eiweiß um. Tampons mit Joghurt oder Essigsitzbäder können das Ganze sogar noch schlimmer machen. Man weiß, dass Pilze Säuren lieben. In saurem Milieu wachsen sie wie verrückt. Anders sieht es aus, wenn die Milchsäure, wie anfangs erwähnt, in dem Medikament enthalten ist. Dann bewirkt sie, dass der Pilz noch empfindlicher gegenüber dem Wirkstoff wird.

Warum manche Frauen überhaupt vaginale Infektionen bekommen und andere nicht, hat übrigens genetische Gründe: Sie besitzen spezielle Rezeptoren, also Andockstellen, auf der Vaginalhaut. Deren Zahl ist variabel und hängt unter anderem mit Faktoren wie Stress, Rauchen oder der Pille zusammen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Hanke Huber.

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