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Zecken können Krankheiten übertragen.

Im Frühjahr, wenn die Temperaturen nach oben klettern, werden Zecken wieder aktiv.
© ErikKarits/iStockphoto

Was Zecken gefährlich macht

Heimlich, still und leise kapern Zecken ihren Wirt – eine Maus, eine Katze, einen Hund oder auch Menschen, während diese nichts ahnend durchs hohe Gras streifen oder barfuß im Garten entspannen. Meist fallen Zecken erst auf, nachdem sie "angedockt" haben: als Knubbel, wo vorher keiner war, oder durch Jucken. Würden sie nur Blut saugen, wären sie allenfalls lästig. Doch leider übertragen sie mitunter Infektionskrankheiten – hierzulande vor allem Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

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Die Lyme-Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht und kommt in ganz Deutschland vor. Da sich die Bakterien im Darm der Zecke befinden, dauert es einige Stunden, bis die Erreger auf den Menschen übergehen. Daher gilt: Je eher die Zecken entfernt werden, desto geringer ist die Gefahr, sich anzustecken.

Kleine Zeckenkunde

Zecken gehören zu den Milben und sind mehrjährige Tiere. Die hierzulande häufigste Art ist der Gemeine Holzbock, Ixodes ricinus. Er kann Borrelien, FSME Viren und Anaplasmen übertragen. Die Entwicklung der Zecke verläuft über drei Stadien: Larven-, Nymphen- und Erwachsenenstadium, wobei die Larven nur stecknadelkopfgroß sind. Die Blutsauger sind von Frühjahr bis in den Herbst hinein aktiv.

Ein Neuling hierzulande ist die tropische Hyalommazecke. Sie kam vermutlich mit Vögeln nach Deutschland. Man erkennt die großen Blutsauger unter anderem an ihren geringelten Beinen. Die Zecken können gefährliche Krankheitserreger in sich tragen, zum Beispiel ein Virus, das das Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber (CCHF) verursacht. In den in Deutschland gefundenen Zecken konnte man das CCHF verursachende Virus aber bisher nicht nachweisen.

Ausschlag nicht immer vorhanden

Ein typischer Hinweis für eine Borrelien-Infektion ist die sogenannte Wanderröte, medizinisch "Erythema migrans". Es handelt sich um einen roten Fleck oder Kreis, der sich auf der Haut meist im Bereich der Einstichstelle bildet und von dort aus ringförmig ausbreitet. Die Crux: Es kann bis zu vier Wochen dauern, bis diese Hautrötung erscheint. Darüber hinaus tritt sie zwar oft, aber nicht immer auf. Ein Fehlen ist demnach kein eindeutiger Beweis, dass keine Infektion vorliegt. Weitere Symptome wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen oder ein Gefühl von Abgeschlagenheit ähneln denen eines grippalen Infekts. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss geben, ob eine Infektion vorliegt. Antikörper lassen sich allerdings erst nach etwa zwei bis vier Wochen feststellen.

Zu Beginn lässt sich eine Borreliose in der Regel sehr gut mit Antibiotika therapieren. Bleibt die Krankheit aber unerkannt, schreitet sie fort und kann auf Haut, Gelenke, Nervensystem und Herz übergehen. Sie ist dann deutlich schwieriger zu behandeln als zu Beginn. Das für die Überwachung von Infektionskrankheiten hierzulande zuständige Robert Koch-Institut (RKI) rät davon ab, Antibiotika ohne entsprechende Symptome und genauere Diagnose nur auf Verdacht einzunehmen. Auch die Zecke untersuchen zu lassen, halten die Experten nicht für sinnvoll. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass sie infiziert war, bedeutet das nicht, dass Erreger auf den Menschen übertragen wurden. Und selbst wenn, erkranken längst nicht alle Betroffenen. Was es gegen Borreliose bisher leider noch nicht gibt, ist eine Schutzimpfung.

FSME auf dem Vormarsch

Ein weiterer Krankheitserreger, den Zecken hierzulande häufiger übertragen: ein Virus, das eine Hirnhautentzündung verursachen kann, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Sie geht bei milder Ausprägung mit Abgeschlagenheit, Fieber und Rachenkatarrh einher. Bei den zum Glück nicht sehr häufigen schweren Verläufen kann die Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute allerdings auch zu sehr starken Kopfschmerzen bis hin zu Lähmungen, Koma und Krampfanfällen führen, im Extremfall sogar tödlich verlaufen. Deshalb raten Experten, mit einer Impfung vorzubeugen. In Risikogebieten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten dafür.

War die Gefahr, sich mit FSME auslösenden Viren zu infizieren, lange Zeitauf Süddeutschland beschränkt, vor allem auf Bayern, Baden-Württemberg und das südliche Hessen, gilt dies mittlerweile auch für Thüringen und Sachsen sowie kleine Gebiete in Mittelhessen, das Saarland und Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2018 wurde die FSME erstmals auch in Niedersachsen nachgewiesen.

Andere Krankheiten, die Zecken übertragen können, wie die humane granulozytäre Anaplasmose, die Babesiose oder verschiedene Rickettsiosen wurden laut RKI in Deutschland bisher nicht oder nur äußerst selten beobachtet.

Hanke Huber

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