Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2020 15. Mai 2020 Warum sich Covid-19 weltweit verbreiten konnte

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SARS-CoV-2 hat sich deutlich schneller verbreitet als andere Erreger wie SARS oder MERS.

Um die Coronavirus-Pandemie endgültig zu beenden, bedarf es eines wirksamen Impfstoffes, mit dem in diesem Jahr noch nicht zu rechnen ist.
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Warum sich Covid-19 weltweit verbreiten konnte

Virusbedingte Seuchen haben in den letzten Jahren wiederholt für Schlagzeilen gesorgt − Ebola in Afrika, davor SARS, das Schwere Akute Respiratorische Syndrom, oder MERS, eine Atemwegsinfektion mit Schwerpunkt auf der arabischen Halbinsel. Doch die verantwortlichen Erreger konnten sich nicht weltweit verbreiten wie das Covid-19 verursachende Virus SARS-CoV-2. Professor Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen, erklärt, was diesen Erreger dazu befähigt hat.

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Herr Professor Dittmer, warum konnten sich etwa SARS, MERS oder Ebola verursachende Viren nicht so sehr ausbreiten wie SARS-CoV-2?

Dittmer: Das liegt vor allem am Übertragungsweg. Das neue SARS-CoV-2 verbreitet sich sehr effizient über Tröpfcheninfektionen. Das Ebola-Virus zum Beispiel wird kaum auf diesem Weg übertragen. Das erste SARS-Virus wiederum saß so tief in der Lunge, dass eine effiziente Ausbreitung mittels Tröpfcheninfektion nicht möglich war. Das Gleiche gilt für das MERS-Coronavirus: Auch bei diesem Virus ist die Ausbreitung durch eine Tröpfcheninfektion eher wenig ineffizient.

Was hat im Unterschied dazu das SARS-CoV-2 befähigt, eine weltweite Pandemie auszulösen?

Dittmer: Das neue SARS-CoV-2 Virus sitzt bei vielen Patienten sehr weit oben im Nasen-Rachen-Trakt. Produzieren sie dann Tröpfchen, zum Beispiel durch Niesen, Husten oder Sprechen, kann das Virus darüber sehr effizient übertragen werden. Das liegt auch daran, dass bei einigen betroffenen Patienten eine sehr hohe Anzahl an Viren vorhanden ist.

Könnte das Virus in wiederkehrenden Wellen auftreten, wie Grippeviren? Oder wird sich die Pandemie totlaufen?

Dittmer: Die Pandemie, also die weltweite Epidemie, wird sich in diesem Ausmaß totlaufen, aber das Virus werden wir besonders in den Wintermonaten in unterschiedlichen Regionen immer wieder sehen. Das ist vergleichbar mit den vier anderen bei uns bereits länger bekannten, im Winter auftretenden und grippale Infekte verursachenden Coronaviren, weil sie ebenfalls im oberen Nasen-Rachen-Trakt sitzen. Anders als beim ersten SARS-Virus, das im Sommer verschwunden ist, wird das SARS-CoV-2 sozusagen übersommern können.

Was könnte der Pandemie ein endgültiges Ende setzen?

Dittmer: Bedingungen wie Temperaturen über 25 Grad Celsius, eine starke UV-Einstrahlung und geringe Luftfeuchtigkeit sind für Coronaviren ungünstig. Es könnte daher sein, dass die Zahl der Infektionen in den Sommermonaten zurückgeht. Das heißt, es wird auch weiterhin Covid-19-Erkrankungen geben, aber deutlich weniger als aktuell. Die Zahl der Infizierten könnte allerdings wieder steigen, wenn der nächste Winter naht. Um die Ausbreitung komplett zu unterbinden, bedarf es eines Impfstoffes.

Wie könnte man einer Pandemie dieser Art künftig besser vorbeugen?Welche Maßnahmen wären dafür grundsätzlich hilfreich?

Dittmer: Wir haben in Deutschland viele Maßnahmen ergriffen, die richtig und gut waren. Wir haben ja von anderen Ländern, wie China, Italien und auch Österreich, lernen können. Aber natürlich gibt es schon Erkenntnisse, was hätte besser laufen können. Besonders Reisetätigkeiten hätten deutlich früher eingeschränkt oder sogar unterbunden werden müssen. Das hätte die Pandemie vielleicht verhindert oder zumindest verzögert. Ich glaube, dass wir vor allem in Deutschland und Europa auf solche Situationen nicht optimal vorbereitet waren. So erfolgte an Flughäfen keine Kontrolle, ob Einreisende infiziert sind. Auch hätte man mit Rückkehrern aus Österreich oder Italien anders verfahren müssen. Das Gleiche gilt für Massenveranstaltungen wie Karnevalszüge oder Bundesligaspiele – diese hätte man deutlich eher absagen sollen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Natascha Plankermann.

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