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Das Blutzuckermanagement in der Schwangerschaft ist oft nicht einfach.

Die Blutzuckerwerte müssen bei einer Schwangerschaft genau im Blick behalten werden, da sie stark schwanken können.
© morrowlight/iStockphoto

Kinderwunsch mit Diabetes

Ärzte sprechen von einer Hochrisiko-Schwangerschaft, wenn Frauen mit Diabetes Kinder bekommen. Kathi Schanz, Typ-1-Diabetikerin und zweifache Mutter, hat die Herausforderung angenommen und gemeistert. Heute macht sie anderen Frauen Mut und gibt ihre Erfahrungen weiter.

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Jedes Jahr bekommen gut 7000 Frauen, die schon vor der Schwangerschaft Diabetes hatten, ein Kind. 80 Prozent davon wie Kathi Schanz mit Typ-1-Diabetes. Als die 29-Jährige vor sechs Jahren schwanger wurde, war das eine große Überraschung. "Mein Arzt sagte mir tatsächlich noch kurz vorher, dass ich derzeit hormonell bedingt keine Kinder kriegen könnte", erklärt Schanz, deren Diabetes-Diagnose erst zwei Jahre zurücklag. "Mein Blutzucker war in dieser Zeit sehr hoch, was überhaupt nicht gut ist."

Beste Voraussetzungen schaffen

Um die Risiken für Mutter und Kind während der Schwangerschaft zu minimieren, gilt ein guter Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) als Voraussetzung. Ärzte empfehlen darüber hinaus weitere vorsorgliche Maßnahmen (siehe Kasten). Auch Schanz betont: "Ich rate jedem, sich vorher mit einer Schwangerschaft intensiv auseinanderzusetzen und mit einem guten Langzeitwert reinzugehen." Sie selbst stellte ihr Blutzuckermanagement
mit Beginn der Schwangerschaft schnell um und erreichte bald sehr gute HbA1c -Werte. "Viele fragen mich, wie ich das so plötzlich hinbekommen habe. Die Antwort ist ganz einfach: Wenn man eine solche Verantwortung diesem Lebewesen gegenüber hat, tut man einfach alles, damit es diesem Menschlein gut geht. Das passierte irgendwie automatisch und geht vielen anderen Frauen auch so."

Idealerweise liegt der HbA1c von Diabetikerinnen im Bereich von Stoffwechselgesunden. Der Wert eine Stunde nach dem Essen steigt bestenfalls nicht über 140 mg/dl. Ein dauerhaft zu hoher Blutzucker begünstigt unter anderem ein hohes Geburtsgewicht, was zu Komplikationen bei der Geburt führen kann, aber auch zu Fehlbildungen sowie einer erhöhten Säuglingssterblichkeit. "Wenn ein Wert dennoch mal zu hoch ist, muss man zwar gegensteuern, aber keine Panik bekommen. Stress ist ja der nächste
Faktor, der die Werte in die Höhe treibt", betont Schanz.

Selbst Expertin werden

Für werdende Mütter gilt es außerdem, für sich selbst zu sorgen. Durch die Schwangerschaft steigt unter anderem das Risiko für Schilddrüsen- oder Augenprobleme. Deswegen geht es um eine gute Betreuung durch Diabetologen, Geburtsmediziner und andere Fachärzte. "Was für mich ebenfalls wichtig war: Der Austausch mit anderen und Expertin in eigener Sache zu werden", sagt Schanz. Eine große Unterstützung sieht die zweifache Mutter in moderner Technik. Hierzu zählen Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung
(CGM) und dem damit verbundenen Monitoring.

"Ich kann mir eine Schwangerschaft ohne CGM nicht mehr vorstellen", betont Schanz. Die Blutzuckerschwankungen fallen teilweise drastisch aus. Gegen Ende der Schwangerschaft brauchen Frauen mit Diabetes häufig das Doppelte an Insulin. Bei Schanz war es bei der ersten Schwangerschaft sogar das Zehnfache. Auch den Spritz-Ess-Abstand müsse man aufgrund von hormonellen Veränderungen mitunter verändern. "Mit der Auslesesoftware auf meinem Handy konnte ich den Zuckerverlauf genau beobachten. Ich habe gelernt, Muster zu erkennen und bei Bedarf meine Insulingaben anzupassen", erklärt die 29-Jährige.

Auch die Warnfunktion bei Unterzucker, die sich zusätzlich mit dem Handy des Partners koppeln lässt, habe ihr geholfen. Trotz des technischen Fortschritts stellt eine Schwangerschaft Frauen mit Diabetes bis heute vor große Herausforderungen. "Man muss sich sehr, sehr gut um seinen Diabetes kümmern", weiß Schanz, die ihre Erfahrungen mittlerweile auf Instagram
und ihrem Youtube-Kanal "diabeteswelt" weitergibt. "Aber ich möchte Frauen Mut machen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen auszutauschen und Sorgen zu besprechen. Diese Form des Austauschs gab es bei mir vor sechs Jahren noch nicht.

Katrin Faßnacht-Lee

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