Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2020 1. September 2020 Hüftschnupfen: Was ist das eigentlich?

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Ein Hüftschnupfen trifft in der Regel Kinder zwischen 3 und 8 Jahren.

Wenn nach einer Erkältung oder einem Infekt die Hüfte schmerzt, steckt bei Kindern oft ein sogenannter Hüftschnupfen dahinter.
© yacobchuk/iStockphoto

Hüftschnupfen: Was ist das eigentlich?

Was genau Hüftschnupfen bei Kindern verursacht, weiß die Medizin bis heute nicht. Der Name rührt daher, dass dem typischen Hüftschmerz oft Schnupfen vorausgeht. Manchmal sind es auch Husten, Magen-Darm-Infektionen oder andere virale Infekte, die die schmerzhafte Entzündung begünstigen.

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Hüftschnupfen klingt nach einer exotischen Erkältung. Um was es sich tatsächlich handelt, weiß Jakob Maske, niedergelassener Kinder- und Jugendarzt sowie Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Berlin. Maske zufolge entzündet sich beim Hüftschnupfen die Gelenkinnenhaut der Gelenkkapsel, die das Hüftgelenk umhüllt. Als Folge sammelt sich Flüssigkeit innerhalb der Hüftgelenkskapsel, so dass sie sich dehnt. Dies verursacht den Schmerz. In der Regel entzündet sich nur ein Hüftgelenk. Hüftschnupfen kommt relativ selten vor. "Die Eltern sind oft erschrocken. Zum Glück ist diese nicht ansteckende Kinderkrankheit meist harmlos", beruhigt Kinderarzt Maske.

Die Kinder humpeln, manche können nicht aufstehen. Sie klagen über Schmerzen. Oftmals sagen sie nicht, dass ihre Hüfte, sondern dass ihr Knie wehtut. Der geschulte Kinderarztblick erkennt jedoch schon am Gangbild des Kindes, dass das Problem die Hüfte betrifft. Zur Kontrolle bewegt der Arzt alle unteren Gelenke und findet beim Hüftschnupfen, dass sich eines der beiden Hüftgelenke nicht gut drehen lässt. Die anschließende Ultraschalluntersuchung zeigt, dass sich dort viel Flüssigkeit angesammelt hat.

Schmerzen behandeln

Gegen Schmerzen und den Schmerzverursacher, die Entzündung, empfiehlt Maske bei Bedarf den Wirkstoff Ibuprofen. Ansonsten heißt es, sich zunächst ruhig zu halten und abzuwarten, dass die Flüssigkeit durch körpereigene Prozesse aus dem Hüftgelenk transportiert wird und die Entzündung abklingt. "Fühlt sich das Kind O. K., sollte es anfangs zwar auf Sport verzichten, braucht sich aber nicht zu schonen. Es kann ganz normal in den Kindergarten oder zur Schule gehen", so der Kinderarzt.

Die gute Nachricht: Hüftschnupfen tritt in der Regel nur einmal auf. Meist verschwindet er nach einigen Tagen oder wenigen Wochen. Klassisch trifft es Drei- bis Achtjährige, Jungen etwas häufiger als Mädchen. Je älter das Kind jedoch ist und je länger die Symptome anhalten, desto eher muss der Arzt an andere, schwerwiegendere Hüfterkrankungen denken und den Verlauf der Erkrankung kontrollieren.

Weitere Krankheiten mit Hüftschmerzen

Entsteht im Zusammenhang mit Hüftbeschwerden plötzlich Fieber, rötet sich die Haut im Hüftbereich und wird warm, liegt wahrscheinlich ein bakterieller Infekt vor. Er lässt sich mittels Blutuntersuchung nachweisen und mit einem Antibiotikum behandeln. "An der Hüfte kommt das aber sehr selten vor"«, beruhigt Kinderarzt Maske.

Selten tritt auch eine Erkrankung auf, bei der der Hüftkopf ungenügend durchblutet wird und Schaden nimmt. Je nach Stadium und Schwere behandelt der Arzt dies unterschiedlich. Bei Jugendlichen kann mitunter auch die Hüftkopfkappe abgleiten, was aber nicht zwingend in der Hüfte schmerzen muss. In diesem Fall muss man operieren. Genauso wie Schmerzen und Entzündungen an anderen Gelenken können Hüftschmerzen durch eine Borreliose nach einem Zeckenstich entstehen. Ein Labortest kann den Verdacht erhärten, behandelt wird mit Antibiotika.

Dr. Judith Schmitz

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