Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2020 1. September 2020 Regelbeschwerden in den Griff kriegen

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Regelschmerzen begleiten viele Frauen Monat für Monat.

Unterleibskrämpfe während der Periode können sehr schmerzhaft sein. Neben Schmerzmitteln gibt es alternative Therapiemöglichkeiten für Frauen.
© twinsterphoto/iStockphoto

Regelbeschwerden in den Griff kriegen

Unterleibskrämpfe und Schmerzen während der Periode sind weit verbreitet. Viele junge Mädchen und Frauen greifen zu Schmerztabletten, um die Beschwerden zu lindern. Daneben gibt es auch einige alternative Behandlungsmöglichkeiten.

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Vor allem zu Beginn der Periode leiden viele Frauen unter Krämpfen im Unterleib, die auch in den Rücken oder die Beine ausstrahlen können. Am ersten Tag treten oft die heftigsten Beschwerden auf. "Hauptursache für die Schmerzen sind sogenannte Prostaglandine, die während der Menstruation vermehrt ausgeschüttet werden", erklärt Gynäkologe Professor Dr. med. Thomas Römer, Chefarzt am Evangelischen Klinikum Köln Weyertal. Diese Botenstoffe bilden sich zum Zyklusende und unterstützen die Gebärmuttermuskulatur beim Abstoßen der Schleimhaut. "Werden zu viele Prostaglandine freigesetzt, können sie krampfartige Unterleibsschmerzen hervorrufen. Davon sind junge Mädchen besonders häufig betroffen, da sich der Zyklus bei ihnen erst noch einpendeln muss", erklärt der Experte.

Wie sich die Schmerzen lindern lassen

Um die Beschwerden zu lindern, greifen viele Frauen zu rezeptfreien Schmerzmitteln. "Besonders gut wirken in diesem Fall Medikamente, die die Bildung der Prostaglandine hemmen, zum Beispiel Naproxen oder Ibuprofen", sagt Römer. Manchen Frauen hilft auch die Einnahme von krampflösenden Wirkstoffen wie Butylscopolamin.

Auch die Antibabypille kann Regelschmerzen effektiv lindern, da sie den Eisprung und damit ebenfalls die Bildung der Prostaglandine unterdrückt. "Es ist wissenschaftlich sehr gut belegt, dass sich Regelschmerzen durch kombinierte orale Kontrazeptiva deutlich lindern lassen", sagt Römer. Für die Hormonspirale liegen ebenfalls gute Daten vor. Bei Frauen, die nicht verhüten möchten, kommt auch die Einnahme von Gelbkörperhormonen infrage, besonders bei starken Regelblutungen.

Was außerdem noch hilft

Doch nicht jede Frau möchte Schmerzmittel oder Hormone einnehmen, um die immer wiederkehrenden Beschwerden zu lindern. Für alternative Behandlungsmöglichkeiten gibt es zwar bislang keine Studien, die deren Wirksamkeit bei Regelbeschwerden einwandfrei belegen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht helfen. Ganz im Gegenteil machen viele Frauen gute Erfahrungen mit natürlichen Therapien. Hier gilt es, individuell auszuprobieren, womit sich die Beschwerden am besten lindern lassen. Es bestehen dafür unter anderem die im Folgenden aufgelisteten Möglichkeiten.

Pflanzliche Medikamente: In der Apotheke gibt es eine Reihe von rezeptfreien Arzneimitteln auf pflanzlicher Basis. "Mönchspfeffer beispielsweise kann durchaus dazu beitragen, die Schmerzen zu lindern. Der Wirkstoff hilft dabei, den Haushalt des Hormons Prostaglandin zu stabilisieren", erklärt Römer. Anders als bei Schmerzmitteln müssen solche Präparate jedoch täglich eingenommen werden und es kann bis zu drei Monate dauern, bis sich eine Wirkung einstellt.

Wärme: Eine Wärmflasche oder spezielle Wärmepflaster für den Unterleib aus der Apotheke entspannen verkrampfte Muskulatur und sind daher auch bei Regelschmerzen eine gute Alternative. Auch ein heißes Bad kann helfen.

TENS-Geräte: Viele Frauen machen gute Erfahrungen mit sogenannten TENS-Geräten. TENS ist die Abkürzung für "transkutane elektrische Nervenstimulation". Dabei werden elektrische Reize über die Haut auf das Nervensystem übertragen. Dies mindert die Weiterleitung der Schmerzen an das Gehirn und soll die Bildung des körpereigenen, schmerzlindernden Hormons Endorphin anregen. Einige Hersteller bieten auch passende TENS-Geräte speziell für Regelschmerzen an, deren Form und Größe auf den Unterleib zugeschnitten sind und die gleichzeitig über eine Wärmefunktion verfügen.

Lebensstil: Es gibt Hinweise darauf, dass eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung ebenfalls dazu beitragen, Regelschmerzen zu lindern. Sport lässt sich zumindest bei akuten Schmerzen zwar oft nicht betreiben, manchmal reichen dann aber bereits einige Minuten Yoga oder ein Spaziergang an der frischen Luft aus, um die Muskulatur zu lockern.

Bei starken Schmerzen zum Arzt

Hinter starken Regelschmerzen kann mitunter auch eine Krankheit stecken. "Muss eine Frau regelmäßig hoch dosierte Schmerzmittel einnehmen, um ihren Alltag zu bewältigen, rate ich zu einer ärztlichen Abklärung, um ernsthafte Ursachen wie etwa eine Endometriose frühzeitig zu erkennen", sagt Römer. Bei dieser Unterleibserkrankung wächst Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle, was unter anderem starke Schmerzen verursachen kann.

Weitere Warnzeichen einer Endometriose sind Beschwerden beim Wasserlassen und beim Stuhlgang sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Frauen, die unter diesen Symptomen leiden, können sich an zertifizierte Zentren wenden, die sich auf die Diagnostik und Behandlung dieser Erkrankung spezialisiert haben.

Natascha Koch

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