Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 1. Februar 2019 Irisdiagnostik: Sinn oder Unsinn?

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Von Irisdiagnostik ist aus wissenschaftlicher Sicht nichts zu halten.

Irdiologen gehen davon aus, dass sich Krankheiten durch das Analysieren der Augen-Gewebestruktur feststellen lassen.
© Amanda Dalbjörn on Unsplash

Mo. 21. Januar 2019

Irisdiagnostik: Sinn oder Unsinn?

Bei der Iridologie handelt es sich um ein alternatives Diagnoseverfahren. Wie gut belegt es ist, erklärt Professor Dr. med. Martin Rohrbach von der Augenklinik des Universitätsklinikums Tübingen und Mitglied der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e. V.

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Was kann man laut Iridologie an der Iris erkennen?

Rohrbach: Iridologen meinen, dass Körper und Regenbogenhaut über Nerven verbunden sind und die Iris in sogenannte Organfelder eingeteilt ist: Die rechte Körperhälfte ist demnach in der Iris des rechten Auges, die linke Körperhälfte in der des linken Auges repräsentiert, die obere Körperhälfte in den oberen und die untere Körperhälfte in den unteren Irishälften. Treten Farbveränderungen, Furchen oder Gruben in bestimmten Arealen auf, soll das auf entsprechende Erkrankungen des Körpers hindeuten.

Was halten Sie als Augenarzt davon?

Rohrbach: Wissenschaftlich ist von der Iridologie nichts zu halten. Es gibt keinerlei Hinweise, dass das, was dort hineininterpretiert wird, irgendeinen nachgewiesenen wissenschaftlichen Hintergrund hat. In Studien zu Gallenblasen- und Nierenleiden sowie zu Darmtumoren kamen Iridologen über die reine Ratewahrscheinlichkeit nicht hinaus.

Verändert sich die Iris im Laufe der Zeit?

Rohrbach: Nach Ansicht der Iridologenschon, nach Meinung von Augenärzten nicht. Das Problem insgesamt ist, dass die Iris so individuell wie ein Fingerabdruck ist. Keine Iris gleicht der anderen. Auch die Beleuchtung spielt eine Rolle. Bei etwas mehr Licht zieht sich die Pupille zusammen und die Iris dehnt sich. Ist die Pupille etwas mehr geweitet, sieht die Iris schon anders aus. Das alles macht es schwierig, zu verallgemeinern und besagte Organfelder zu entwickeln.

Gibt es Krankheiten, die Augenärzte tatsächlich an der Iris ablesen können?

Rohrbach: Ja, die gibt es, zum Beispiel die Sarkoidose, eine entzündliche Gewebeerkrankung, bei der kleine Knötchen auf der Regenbogenhaut entstehen. Irisknötchen sieht man zudem bei Menschen mit Down-Syndrom sowie bei Neurofibromatosen, das sind gutartige Tumorerkrankungen der Nerven. Bei bösartigen Tumoren wiederum können in der Regenbogenhaut Metastasen entstehen, die ein Augenarzt erkennen kann.

Ist Irisdiagnostik problematisch?

Rohrbach: Die Irisdiagnostik ist nicht unmittelbar schädlich. Ich persönlich sehe dieses Thema daher entspannt: Wer mag, soll es machen. Meiner Ansicht nach wirkt die Iridologie eher auf psychologischem Gebiet. Ein Heilpraktiker – und in dieser Berufsgruppe findet sich die Mehrzahl der Anwender – hat einfach mehr Zeit für die Patienten. Letztlich gibt es zwei Gefahren, die es allerdings in der modernen Medizin genauso gibt: Dass Sie etwas übersehen und jemand für gesund erklärt wird, obwohl er tatsächlich etwas hat. Oder umgekehrt, dass Sie jemandem sagen, er sei krank, obwohl er gesund ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Hanke Huber

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