Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 15. Februar 2019 Süßstoffe: Schädlich oder nicht?

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Süßstoffe werden immer wieder kritisch disktuiert.

Es gibt Experten zufolge keinen Grund, Süßstoffe zu empfehlen - aber auch keinen, um davor zu warnen.
© rawpixel, Unsplash

Süßstoffe: Schädlich oder nicht?

Sie schmecken süß und liefern fast keine Kalorien. Dennoch geraten Süßstoffe immer wieder in die Kritik. Wie gut oder schlecht sind sie wirklich?

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Sie gehören zur Gruppe der sogenannten "Süßungsmittel" und tragen Namen wie Aspartam, Saccharin oder Sucralose. Elf Süßstoffe sind in Europa zugelassen (siehe Kasten). Im Gegensatz zum normalen Haushaltszucker süßen sie 100- bis 10 000-mal so stark. Pure Süßstoffe gibt es als kleine Tabletten, flüssig oder als "Streusüße". Außerdem stecken sie in unterschiedlichsten Lebensmitteln, die oft mit Hinweisen wie "light", "Diät" oder "zuckerfrei" werben. So können Fruchtjoghurts oder Puddings, Bonbons oder Kaugummis, Marmeladen oder Obstkonserven, aber auch Ketchup oder andere Soßen Süßstoffe enthalten. Auch in kalorienfreien Softdrinks finden sie Verwendung.

Sind sie sicher?

Die in Europa zugelassenen Süßstoffe gelten als gesundheitlich unbedenklich. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit überprüft alle Lebensmittelzusatzstoffe vor deren Zulassung. Für Süßstoffe legen Experten eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge fest – englisch "acceptable daily intake" (ADI). In der Regel basieren die ADI-Werte auf Ergebnissen aus Tierexperimenten. Die Menge, die Tiere über einen langen Zeitraum aufnehmen können, ohne dass unerwünschte Reaktionen auftreten, gilt als Grundlage. Wenn ein Tier beispielsweise problemlos ein Gramm Süßstoff pro Kilogramm Körpergewicht täglich zu sich nehmen kann, teilt man diese Menge sicherheitshalber noch durch 100. Für Menschen liegt der ADI-Wert dann bei 0,01 Gramm oder 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die Höchstmengen in Lebensmitteln werden schließlich so festgelegt, dass der Mensch bei normalen Verzehrmengen nicht über diese Grenze kommt. Auch nach der Zulassung untersuchen Expertengremien die Süßstoffe bei Bedarf. So geriet beispielsweise Aspartam vor einigen Jahren in Verdacht, Kopfschmerzen, Allergien oder sogar Krebserkrankungen zu begünstigen. Die vermuteten Zusammenhänge wurden daraufhin 2013 eingehend geprüft und widerlegt.

Übrigens: Ein EU-Programm zur Neubewertung aller Lebensmittelzusatzstoffe sorgt dafür, dass Expertengremien alle Süßstoffe außer Aspartam bis Ende 2020 ebenfalls untersuchen.

Süßstoffe im Überblick

Folgende Süßstoffe sind derzeit in der EU zugelassen:

E 950 (Acesulfam K)
E 951 (Aspartam)
E 952 (Cyclamat)
E 954 (Saccharin)
E 955 (Sucralose)
E 957 (Thaumatin)
E 959 (Neohesperidin DC)
E 960 (Steviolglycoside)
E 961 (Neotam)
E 962 (Aspartam-Acesulfamsalz)
E 969 (Advantam)

Bringen sie etwas?

Neben der Sicherheit wird immer wieder kritisch diskutiert, was Süßstoffe im Körper bewirken. So stehen sie im Verdacht, nicht etwa eine schlanke Linie zu unterstützen, sondern dick zu machen. Doch nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für einen dickmachenden Effekt von Süßstoffen. Ihr Einsatz zur Einschränkung der Energieaufnahme könnte sogar sinnvoll sein. Laut Dr. Stefan Kabisch vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e. V., der Studien der vergangenen Jahre zu Süßstoffen ausgewertet hat, ist ihr Einfluss jedoch bestenfalls gering: "Süßstoffe haben kaum einen Effekt auf die Gewichtsreduktion", so der Wissenschaftler. Die Studien zeigten allenfalls einen Gewichtsverlust von ein bis drei Kilogramm.

Übrigens: Hinter der Theorie, dass man durch Süßstoffe zunimmt, steckt die Überlegung, dass diese die Insulinausschüttung fördern und dadurch zu Heißhunger führen. Dies konnten Experimente nicht bestätigen. Inwieweit Süßstoffe auf den Zuckerstoffwechsel Einfluss nehmen, wird jedoch weiter untersucht. Experten können außerdem nicht ausschließen, dass die Lust auf Süßes nach dem Essen von Süßstoffen steigt.

Was also tun?

Große Fachgesellschaften wie die DGE und die Deutsche Diabetes Gesellschaft zeigen sich einig: Diabetiker und gesunde Menschen dürfen ohne Sorge hin und wieder auf mit Süßstoff gesüßte Lebensmittel zurückgreifen. Gerade mit Diät Softdrinks lassen sich viele Kalorien einsparen. Doch Vorsicht: Das gelingt nur, wenn man diese nicht anderweitig wieder aufnimmt. Denn abnehmen lässt sich natürlich nur, wenn der Mensch insgesamt weniger isst und trinkt, als er verbrennt. Davon abgesehen dürfen natürlich auch Diabetiker zu echtem Zucker greifen. Von mehr als 50 Gramm am Tag raten Experten jedoch ab – sowohl Diabetikern als auch Stoffwechselgesunden.

Katrin Faßnacht-Lee

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