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Die Pille danach gibt es rezeptfrei in der Apotheke.

Bei einer Verhütungspanne können Frauen die "Pille danach" rezeptfrei in der Apotheke bekommen.
© Photographee.eu - Fotolia

Im Notfall die "Pille danach"

Pille vergessen? Kondom gerissen? Verhütungsring nicht rechtzeitig gewechselt? So zahlreich die Verhütungsmethoden, so vielfältig die möglichen Pannen. Doch es gibt die "Pille danach", die vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen kann.

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Seit mittlerweile 20 Jahren ist die erste "Pille danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel in Deutschland zugelassen. 2009, also zehn Jahre später, kam der Arzneistoff Ulipristalacetat als Notfall-Verhütungsmittel dazu. Seit 2015 erhält man die "Pille danach" ohne Rezept in der Apotheke. Klarer Vorteil der Rezeptfreiheit: der schnelle Zugang zur hormonellen Nachverhütung. Denn je eher Frauen das Notfallpräparat nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen, desto höher seine Wirksamkeit.

Wirkung durch richtiges Timing

Beiden Arzneistoffen liegt ein ähnliches Wirkprinzip zugrunde: Sie verzögern den Eisprung, also den Beginn der fruchtbaren Phase. Mit der so gewonnenen Zeit lässt sich die Überlebensdauer der männlichen Samenzellen überbrücken, die im weiblichen Organismus zwischen drei und fünf Tagen beträgt. Steht der Eisprung allerdings unmittelbar bevor, hat nur noch das modernere Ulipristalacetat Aussicht auf Erfolg. Nach dem Eisprung können beide Pillensorten nichts mehr ausrichten – ihre Wirkung sinkt gegen Null.

Das heißt im Klartext: Innerhalb der ersten 24 Stunden verhindert die Levonorgestrel-haltige Notfallpille bis zu 95 Prozent der Schwangerschaften. Nach 24 bis 48 Stunden sind es nur noch 85 Prozent. Wer das maximale Einnahme-Zeitfenster von 72 Stunden ausreizt, muss sich mit einem rund 58-prozentigen Verhütungsschutz zufriedengeben. Die Ulipristalacetat-Pille wirkt innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem ungeschützten Sex am effektivsten. Statistisch gesehen wird in diesem Zeitraum nur eine von hundert Frauen trotz dieser "Pille danach" schwanger. Bis maximal 120 Stunden nach einer Verhütungspanne wirkt das Ulipristalacetat-haltige Präparat, allerdings bei nachlassender Verhütungssicherheit.

Einfache Anwendung bei guter Verträglichkeit

Grundsätzlich vertragen die meisten Anwenderinnen die "Pille danach" gut. Trotzdem kommt es hin und wieder zu Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden wie Bauchschmerzen und Übelkeit. Wer die Notfallpille innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme erbricht, sollte so schnell wie möglich eine weitere Tablette einnehmen, um die gewünschte Nachverhütung zu erzielen. Das Risiko des Erbrechens lässt sich minimieren, indem man vor, während und nach der Tabletten-Einnahme keinen Alkohol trinkt.

Was kostet die Pille danach?

Levonorgestrel-haltige Pillen erhält man für etwa 18 Euro in der Apotheke. Für die Ulipristalacetat-Pille muss man rund 34 Euro bezahlen. Die Krankenkassen erstatten gesetzlich versicherten Frauen unter 20 Jahren die Kosten, sofern sie in der Apotheke ein Rezept vorlegen. Mädchen unter 14 Jahren brauchen die Zustimmung der Erziehungsberechtigten, wenn sie sich die Pille danach kaufen oder verschreiben lassen möchten.

Vorsicht Wechselwirkung

Johanniskraut-haltige Mittel zur Stimmungsaufhellung, verschiedene Medikamente gegen Epilepsie sowie Medikamente gegen Viren vertragen sich nicht mit den Wirkstoffen der Notfallpille. Auch bei schweren Leberschäden eignet sie sich nicht, weil dies den Abbau der Wirkstoffe im Körper beeinflusst.

Asthmatikerinnen, die dauerhaft Kortison-Sprays benutzen, sollten im Notfall eher mit Levonorgestrel verhüten, denn Ulipristalacetat kann die Wirkung dieser Medikamente abschwächen. Bei hohem Thromboserisiko empfiehlt sich dagegen eher die Pille mit Ulipristalacetat. Zudem kann starkes Übergewicht die Wirksamkeit der Notfallverhütungsmittel herabsetzen. Stillende Mütter können die "Pille danach" zwar einnehmen, sollten aber im Fall von Levonorgestrel eine Stillpause von acht Stunden einlegen, nach Einnahme von Ulipristalacetat das Stillen für eine Woche unterbrechen.

Nur im Ausnahmefall

Trotz aller Vorteile sollte man die "Pille danach" nicht als Freibrief zum ungeschützten Geschlechtsverkehr ansehen. Sie ist und bleibt eine Notfalllösung, die in Sachen Sicherheit klar den regulären Verhütungsmethoden wie Pille, Hormonringen oder -pflastern unterlegen ist. Außerdem greift das Notfallmedikament wesentlich in den Zyklus und damit in den Hormonhaushalt der Frau ein. Sie mehrmals kurz aufeinanderfolgend anzuwenden, empfiehlt sich daher auf keinen Fall. Nach der Einnahme können Schmierblutungen auftreten und die nächste Periode verspätet oder in ihrer Intensität verändert einsetzen.

Wer normalerweise mit der Antibabypille verhütet, sollte nach Einnahme der "Pille danach" die angebrochene Monatspackung wie gewohnt bis zu Ende aufbrauchen und bis zum Einsetzen der nächsten Regelblutung zusätzlich auf mechanische Verhütung wie Kondome setzen.

Apothekerin Claudia Timmermann

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