Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 15. Mai 2017 Senioren als Kriminalitäts-Opfer: Der Enkeltrick

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Trickbetrüger versuchen Senioren häufig am Telefon, das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Trickbetrüger rufen häufig bei alleinstehenden Senioren an und geben sich als Verwandter oder Freund aus.
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Senioren als Kriminalitäts-Opfer: Der Enkeltrick

Mit den Worten "Rate mal, wer hier spricht" oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren und allein lebenden Personen an. Sie geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Die Polizei warnt vor dieser leider immer noch erfolgreichen Betrügermasche.

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Isolde Schulz staunte nicht schlecht, als die vermeintliche Frau eines ihrer Enkel sie anrief. "Isolde bist du das?", fragte sie und erzählte aufgeregt, dass ihr Enkel in einen Autounfall verwickelt sei und nun dringend 5 000 Euro bräuchte. "Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass mein Enkel inzwischen geheiratet hatte. Die Ehefrau kannte ich demnach nicht", sagt die 87-Jährige.

Betrüger-Banden

Die rüstige Rentnerin tat das einzig richtige und legte auf. Damit entging sie einer von vielen Betrüger-Banden, die mit dem Enkeltrick jedes Jahr mehrere Millionen Euro ergaunern – ausschließlich von Rentnern. Sie rufen an, setzen ihren Gegenüber unter Druck, und sie sind gut organisiert.

Die Spielarten des Betrugs sind vielfältig. Häufig laufen sie über Telefon, manchmal an der Haustür. Ein entfernter Verwandter ruft an und bittet darum, sich kurz Geld leihen zu dürfen, da er gerade günstig ein Haus ersteigert hat, jetzt aber dringend eine Anzahlung leisten muss. Eine angebliche Versicherung will telefonisch einen Termin zur Überprüfung von Versicherungen bei einem zu Hause vereinbaren. Oder das Ordnungsamt fordert telefonisch zur Zahlung eines Bußgeldes auf. Grundsätzlich gilt: bei Anrufern, die Geld fordern, ist Vorsicht geboten!

6 Tipps, die Sie vor Trick-Betrügern schützen

1. Handeln Sie entschlossen: Legen Sie bei unerwünschten Anrufen am besten sofort auf. Das klingt vielleicht unhöflich, aber: Ihr persönlicher Schutz ist wichtiger, als nett sein zu wollen.

2. Clever wie Miss Marple reagieren: Sind Sie schon ins Gespräch verwickelt worden, notieren Sie sich, wenn möglich, die Ruf-Nummer, die auf dem Display auftaucht, und legen Sie dann auf. Halten Sie das Gespräch kurz: Lassen Sie sich auf keine Diskussion ein. Denn die Betrüger verfügen in der Regel über einen reichen Erfahrungsschatz, dem Sie als überraschter Angerufene meist nicht gewachsen sind.

3. Überraschungs-Anrufern nichts von sich preisgeben: Telefonbetrüger hören während des Gesprächs auf jedes Detail. Achten Sie darauf, Unbekannten niemals Informationen über sich preiszugeben!

Bitte keine Spielchen: Seien Sie immer misstrauisch, wenn Personen sich am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen.

4. Die Sache mit dem Rückruf: Haben Sie Zweifel an der Identität eines Anrufers, der sich als Familienangehöriger ausgibt, legen Sie auf und rufen Sie den angeblichen Bekannten oder Verwandten selbst an.

Technischer Trick

Jetzt warnen Experten vor einer neuen Variante des Telefonbetrugs. Und die ist besonders gewieft: Die Anrufer geben sich als Polizisten aus und erzählen von einer vermeintlichen rumänischen Diebesbande, die es auf das Opfer abgesehen habe. Dabei schafften es die Betrüger mit einem technischen Trick, auf dem Display des Angerufenen die Notrufnummer 110 erscheinen zu lassen. Um zu helfen, solle das Opfer zur Bank gehen, Geld ab heben und es dann übergangsweise einem Polizeikurier in Zivil übergeben, gaukeln die Betrüger vor.

Misstrauisch sein

Die Opferhilfeorganisation Weisser Ring rät, gegenüber Anrufern misstrauisch zu sein. Wer es mit einem solchen Anruf zu tun bekomme, solle sich nicht einschüchtern lassen, rät Bianca Biwer, Geschäftsführerin des Weissen Rings. "Wichtig ist es beim Telefonat, den Namen des Anrufers,seine Funktion sowie gegebenenfalls seine Dienststelle abzufragen und sich zu notieren. Danach kann zur Kontrolle bei der Institution angerufen werden, mit der Sie scheinbar gerade gesprochen haben. Auf keinen Fall sollte man Unbekannten Geld geben", rät sie weiter.

Manche Trickbetrüger stehen auch dreist vor der Wohnungstür – und viele Senioren trauen sich dann nicht, den Kontakt zu unterbinden. Dabei versuchen die Täter häufig unter einem Vorwand in die Wohnung zu gelangen. Sie bitten um eine kleine Gefälligkeit, möchten ein Glas Wasser oder geben sich als Handwerker oder Amtsperson aus. Sie setzen auf die Hilfsbereitschaft und Höflichkeit älterer Menschen. Und bringen diese freiwillig ("übers beschwatzen") oder unfreiwillig ("klauen") um ihr Erspartes oder Wertgegenstände.

Narimaan Nikbakht

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