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Bei zu viel Stress können pflanzliche Medikamente helfen.

Die beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Baldrians kannten bereits die Heilkundigen der Antike.
© Solstizia/iStockphoto

Pflanzliche Stresskiller

"Ich habe Stress." Ob in der Arbeitswelt oder in der Familie – dieser Stoßseufzer ist heutzutage weit verbreitet. Auf der Suche nach Stresskillern bieten sich auch pflanzliche Arzneimittel an. Neben alten Bekannten gibt es dabei immer wieder "Neuzugänge", die hierzulande noch nicht so häufig eingesetzt werden.

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Eigentlich sind die Stresshormone, die der Körper ausschüttet, dazu da, dem Menschen zu einer verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit zu verhelfen. Mit "Fight or flight" fassen Wissenschaftler den Zweck dieser Substanzen vereinfacht zusammen – zu Deutsch "Kampf oder Flucht". Vor Jahrtausenden war das für unsere Vorfahren lebenswichtig. Gerieten sie in Gefahr, half ihnen die körpereigene Stressreaktion dabei, die Situation im Kampf zu meistern oder ihr durch Flucht zu entkommen. Bei dieser Anstrengung baut der Körper dann die Stresshormone wieder ab.

Diese eingebaute Überlebenshilfe funktioniert heute noch genauso gut wie damals, allerdings hat sich unsere Lebenswelt völlig verändert. Vieles, was den Menschen heute stresst, wie familiäre Probleme, Zeitdruck oder eine hohe Arbeitsbelastung, kann er nicht mit Kampf oder Flucht lösen. Die Hormone versetzen den Körper trotzdem in Alarmbereitschaft. Hält der innere Druck länger an, können sich daraus Gesundheitsprobleme wie Schlafstörungen, hoher Blutdruck oder Depressionen entwickeln. Ein Griff zu Arzneimitteln gegen diese Symptome erscheint naheliegend.

Doch um sich auf lange Sicht besser zu fühlen, ist es wichtig, dem Stress auf mehreren Wegen zu begegnen. Entspannungstechniken oder Sport können hier unter anderem helfen. Darüber hinaus stehen pflanzliche Arzneimittel gegen viele Stresssymptome zur Verfügung:

Baldrian

Extrakte aus Baldrianwurzeln kommen seit Jahrhunderten gegen Schlafstörungen zum Einsatz. Welche Inhaltsstoffe den Effekt ausmachen, konnte noch nicht genau geklärt werden. Forscher gehen davon aus, dass der Extrakt den Stoffwechsel von Nervenbotenstoffen im Gehirn beeinflusst, in ähnlicher Weise wie das auch synthetische Schlafmittel tun, jedoch mit einem Vorteil: Baldrian macht nicht abhängig. Gegen Schlafstörungen nimmt man Baldrian eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen, gegen Nervosität dreimal am Tag.

Hopfen

Dass Bier müde macht, dürfte nur zu einem geringen Teil an dem Hopfen liegen, der beim Brauen verwendet wird, sondern eher am Alkoholgehalt. Der Hopfen steht dem aber auch nicht im Wege. Seine Inhaltsstoffe sollen ähnlich wie das "Schlafhormon" Melatonin wirken, das der Körper immer abends ausschüttet. Es beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen und stimmt ihn auf die Nachtruhe ein. In Präparaten findet man Extrakte aus Hopfenzapfen häufig mit Baldrian kombiniert.

Melisse

Die Blätter der Melisse schmecken zitronenartig und eignen sich daher auch für die Küche. Traditionell sagt man der Pflanze eine beruhigende Wirkung gegen Schlafstörungen nach. Melissenextrakt findet sich daher bisweilen neben Baldrian und Hopfen in pflanzlichen Schlafmitteln.

Lavendel

Das ätherische Öl aus Lavendelblüten lindert innere Unruhe und Angstgefühle, die häufig bei gestressten Menschen vorkommen. Dadurch fördert es auch den Nachtschlaf, macht jedoch tagsüber nicht müde. Unsere Vorfahren legten sich Säckchen mit Lavendelblüten ins Bett, um das ätherische Öl einzuatmen. Heutzutage gibt es in der Apotheke Fertigpräparate, die das Öl enthalten.

Passionsblume

Die Inhaltsstoffe des Passionsblumenkrauts sollen ebenfalls Nervosität und Angstgefühle dämpfen, ohne müde zu machen. Die Passionsblume findet sich häufig in Kombinationen mit schlaffördernden Pflanzenwirkstoffen, allerdings gibt es mittlerweile auch Einzelpräparate.

Johanniskraut

Bei stressbedingten leichten bis mittelschweren Depressionen kann Johanniskrautextrakt die Stimmung nachweislich wieder bessern. Zu diesem Zweck darf es der Arzt auch zulasten der Krankenkasse verschreiben. Die Inhaltsstoffe zielen ähnlich wie Antidepressiva auf den Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe im Gehirn. Wie bei den meisten pfl anzlichen Präparaten dauert es jedoch ein bis zwei Wochen, bis eine spürbare Wirkung einsetzt.

Ginseng

In Asien schätzt man die Wirkung von Ginseng zur Immunstärkung, gegen Schwäche und zur Genesung seit Jahrtausenden. Mittlerweile wird die Wurzel auch gegen Stresssymptome eingesetzt und soll Körper und Geist widerstandsfähiger gegen außergewöhnliche Belastungen machen. Im Tierversuch zeigten sich dafür Hinweise.

Taigawurzel

Der "sibirische" Ginseng, Eleutherococcus senticosus, soll ganz ähnlich wirken wie Ginseng. Er vertreibt ebenfalls Schwäche und Müdigkeit und kurbelt das Immunsystem an. Alles Wirkungen, die helfen können, Stressreaktionen des Körpers zu dämpfen.

Rosenwurz

Extrakte aus der Wurzel der in kalten Regionen und im Gebirge verbreiteten Rhodiola rosea sollen gegen stressbedingte Probleme wie Angst und Depressionen helfen. Hierzu wurden bereits kleinere Studien durchgeführt, die eine Wirkung nahelegen, allerdings noch nicht beweisen.

Safran

Als intensiv gelbes, edles Gewürz ist Safran in Europa lange bekannt. Im mittleren Osten, wo die Pflanze herstammt, gilt Safran als stimmungsaufhellendes Mittel. Kleinere wissenschaftliche Studien machen Hoffnung, dass Safran tatsächlich gegen Depressionen und Angsterkrankungen helfen könnte, allerdings steht ein Nachweis bisher noch aus.

Apotheker Rüdiger Freund

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