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Schwindel- und Ohnmachtsanfälle haben selten eine gefährliche Ursache.

Wer zu Ohnmachtsanfällen neigt, kann einiges tun, damit es gar nicht erst so weit kommt.
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Ohnmacht: Kurz mal weg

Ein flaues Gefühl, unscharfes Sehen, leichte Übelkeit und das Ausbrechen von Schweiß können Vorboten einer drohenden Ohnmacht sein, medizinisch als Synkope bezeichnet. Die Ursache ist meist harmlos, doch auch dann kann ein Sturz schwere Folgen haben. Häufig zeigen Warnzeichen an, dass eine Ohnmacht bevorsteht.

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Medizinisch ist eine Synkope als kurze Bewusstlosigkeit definiert, die von selbst wieder aufhört. Dabei führt ein Blutdruckabfall zu einer kurzfristigen Minderdurchblutung des Gehirns, was die Ohnmacht verursacht.

Wenn das Herz kurz aussetzt

Zu den häufigsten Formen gehört die sogenannte vasovagale oder Reflexsynkope. Dabei werden die Blutgefäße erweitert und das Herz kurzzeitig reflexartig durch das Nervensystem gebremst, was zu einer kurzfristigen Unterversorgung des Gehirns mit Blut und so zu Ohnmacht führen kann. Es handelt sich hierbei um eine harmlose Regulationsstörung, die auf eine Überempfindlichkeit eines Reflexbogens zurückgeht. Typischerweise kündigt sie sich 30 bis 60 Sekunden vor dem Kollaps mit Vorboten wie einem flauen Gefühl, Übelkeit oder schlechtem Sehen an. "Ein Klassiker ist der englische Garde-Offizier: Da stehen 100 junge Männer nebeneinander und warten auf die
Queen – und plötzlich fällt einer einfach um", verdeutlicht Professor Dr. Wolfgang von Scheidt vom Universitätsklinikum Augsburg und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Weitere Auslöser für diese Art der Ohnmacht sind neben langem Stehen zum Beispiel Erschrecken, Angst, der Anblick von Blut, Freude oder bei älteren Männern auch Wasserlassen im Stehen. An sich ist eine Reflexsynkope kein Grund zur Sorge: Im Liegen wird das Gehirn wieder gut durchblutet, und der Betroffene erwacht nach kurzer Zeit von selbst. Kündigt sich der Ohnmachtsanfall jedoch nicht an, steigt die Verletzungsgefahr. In 10 bis 20 Prozent der Fälle gebe es keine Vorboten, sagt von Scheidt.

Der Ohnmacht zuvorkommen

Wer weiß, dass er zu Synkopen neigt, kann versuchen, mit folgenden Maßnahmen vorzubeugen:

• Ausreichend trinken.
• Langes Stehen vermeiden, besonders in stickigen und überhitzten Räumen.
• Kompressionsstrümpfe können verhindern, dass das Blut in den Beinen versackt.
• Stehtraining: Der überempfindliche Reflexbogen lässt sich etwas trainieren. Rückwärts, nur mit den Schultern gegen die Wand lehnen, die Füße 30 bis 40 Zentimeter von der Wand entfernt. Zweimal täglich zehn bis 15 Minuten.
• Sommerliche Hitze ist ein zusätzlicher Risikofaktor, denn sie verursacht eine Blutgefäßweitstellung. Zudem trinken viele Menschen zu wenig. Empfindliche Personen sollten sich daher nicht zu sehr der Sonne aussetzen.

Wer fühlt, dass sich eine Bewusstlosigkeit anbahnt, reagiert am besten schnell:
• Einfach und effektiv: Bevor man unkontrolliert umfällt, selbst hinlegen.
• Die Hände vor die Brust halten, die Finger ineinander verhaken und versuchen, sie auseinanderzuziehen: Dadurch lässt sich das Sympathikus-System reaktivieren, der Blutdruck steigt wieder an, und man wird nicht bewusstlos.
• Ebenfalls hilfreich: Die Beine überkreuzen und aneinanderpressen. So lässt sich möglicherweise ein Blutdruckabfall verhindern.

Ebenfalls häufig ist eine Synkope aufgrund einer raschen Blutdrucksenkung, einer orthostatischen Hypotonie. Der zu niedrige Blutdruck stellt sich dabei unmittelbar ein, wenn Menschen aus dem Sitzen oder Liegen aufstehen. Hier handelt es sich um eine permanente Regulationsstörung des Kreislaufs. Sie betrifft zum einen oft jüngere Frauen, zum anderen ältere Menschen, die etwa Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen, die an Diabetes, Nierenschwäche oder einer neurologischen Erkrankung wie Parkinson leiden. "Solche Erkrankungen können sich störend auf das autonome Nervensystem auswirken, das normalerweise dafür sorgt, dass sich die Blutgefäße automatisch eng stellen und der Puls beschleunigt, wenn wir aufstehen", erläutert von Scheidt.

Eine dritte, weitaus gefährlichere Gruppe stellen kardiale Synkopen aufgrund einer Störung der Herzfunktion dar. Häufigste Ursache sind Herzrhythmusstörungen, manchmal auch Blutflusshindernisse wie eine verengte Aortenklappe oder eine Lungenembolie.

Schwierige Ursachensuche

"Was die richtige Diagnose manchmal erschwert, ist die Tatsache, dass der Patient, wenn er zum Arzt kommt, das Problem nicht mehr hat", sagt von Scheidt. Es handle sich also quasi um einen Indizienprozess. Ein Fragenkatalog kann Ärzten jedoch helfen, die Ursache des Ohnmachtsanfalls abzuklären.

Darüber hinaus können eine Untersuchung auf einem kippbaren Tisch, Blutdruckmessungen im Liegen und Stehen, EKG oder Herzultraschall helfen, der Ursache auf die Spur zu kommen. Bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen als Ursache kann ein sogenannter Loop-Rekorder implantiert werden, ein kleiner Chip unter der Haut, der den Herzrhythmus über bis zu drei Jahre dauerhaft aufzeichnet. Da auch andere Faktoren wie Unterzucker oder ein epileptischer Anfall zu einem kurzzeitigen Bewusstseinsverlust führen können, sollte beim ersten Auftreten in jedem Fall eine ärztliche Diagnose erfolgen. Wer von sich weiß, dass er zu Reflexsynkopen neigt, muss jedoch nicht jedes Mal zum Arzt, sondern kann vorbeugen und bestimmte Situationen meiden.

Hanke Huber

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