Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 15. Juli 2019 Mehr Schutz vor gefälschten Medikamenten

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Am 9. Februar 2019 ging das neue Sicherheitssystem für Arzneimittel »securPharm« an den Start.

Seit Februar 2019 müssen alle Packungen verschreibungspflichtiger Medikamente zwei zusätzliche Sicherheitsmerkmale tragen.
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Mehr Schutz vor gefälschten Medikamenten

Am 9. Februar 2019 ging das neue Sicherheitssystem für Arzneimittel "securPharm" an den Start. Geschäftsführer Martin Bergen blickt auf die ersten Monate zurück.

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Wie genau macht securPharm Arzneimittel sicherer?

Bergen: Die Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel, die Hersteller neu in den Verkehr bringen, erhalten zwei zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Die Apotheke prüft sie direkt vor der Abgabe an den Patienten. Für Patienten bedeutet das einen noch besseren Schutz vor gefälschten Arzneimitteln in Apotheken und Kliniken.

Wie sehen diese beiden Sicherheitsmerkmale aus?

Bergen: Zum einen ein Erstöffnungsschutz, durch den die Unversehrtheit einer Packung erkennbar ist. Zum anderen eine individuelle Packungsnummer, die jede Packung zum Unikat macht. Über das securPharm-System prüfen Apotheken die Packungen anhand der Sicherheitsmerkmale direkt vor der Abgabe an den Patienten auf ihre Echtheit

Welche Bilanz ziehen Sie für die ersten Monate?

Bergen: Der Start verlief gut, das heißt, alle Akteure der Arzneimittelversorgung, die einen Antrag zur Anbindung an das System gestellt haben, waren vollzählig angebunden. Das securPharm-System läuft seitdem stabil. Unsere Server verarbeiten an jedem Werktag mehr als eine Million Prüfanfragen. Wir beobachten auch, dass der Anteil an Packungen mit den neuen Sicherheitsmerkmalen kontinuierlich steigt. Das zeigt, dass die pharmazeutischen Unternehmen neue Packungen zügig mit den Sicherheitsmerkmalen ausstatten. Unsere Bilanz für die Zeit nach dem Systemstart fällt also überwiegend positiv aus.

Gab es Startschwierigkeiten?

Bergen: Startschwierigkeiten gab es nicht. Wie erwartet, sind mit dem erstmaligen, europaweiten Zusammenspiel aller Nutzer und nationalen Systeme sogenannte Kinderkrankheiten aufgetreten. Sie sind zumeist auf fehlerhafte, technische Umsetzungen in Softwaresystemen oder auch Handhabungsfehler zurückzuführen. Sie werden von uns analysiert und die Ursachen ermittelt, sodass die Fehler schnell behoben werden.

Wie beurteilen Sie das Engagement der Apotheken?

Bergen: Es gab bei den Apothekern ein breites Bewusstsein für die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Systemanbindung und für die Bedeutung des Patientenschutzes. Das Engagement der Apotheker in den Kammern und Verbänden, aber natürlich besonders in den Apotheken selbst, war im Systemaufbau und ist auch jetzt im Betrieb entsprechend hoch.

Wie viele Länder beteiligen sich?

Bergen: Zunächst gingen in 26 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein die Sicherheitssysteme in Betrieb. Bis 2025 kommen dann auch die Systeme Italiens und Griechenlands dazu.

Wie hoch war der Aufwand, das System zu installieren?

Bergen: Das Projekt gehört zu den größten Infrastrukturprojekten der Arzneimittelversorgung in Europa. Allein für Deutschland mussten die Arzneimittelhersteller die Fertigung von fast 60 000 unterschiedlichen Produkten so umstellen, dass sie die neuen Sicherheitsmerkmale erhalten. Rund 22 000 Hersteller, Apotheken, Großhändler und Kliniken wurden an das secur-Pharm-System angebunden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Peter Erik Felzer.

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