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Bei Masern handelt es sich keineswegs nur um eine Kinderkrankheit

Masern beginnen oft mit Fieber, Kopfschmerzen, Husten und einer Bindehautentzündung.
© Photographee.eu - Fotolia

Mo. 29. Juli 2019

Faktencheck Masern

Über die vermeintliche Kinderkrankheit und ihre Folgen wird viel diskutiert, doch wie viel wissen Sie tatsächlich über die Masern? Wir machen den Faktencheck.

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So verläuft die Krankheit: Übertragen werden die Masern durch infektiöse Tröpfchen, die man zum Beispiel beim Sprechen weitergibt. Bricht die Erkrankung aus, geht es mit Fieber, Kopfschmerzen, Husten und Bindehautentzündung los. Die Patienten sind empfindlich gegenüber Licht. Nach zwei bis drei Tagen tauchen auf der Schleimhaut weiße Stippchen − so genannte Koplik’sche Flecken − auf, das Fieber flaut ab. Anschließend breitet sich ein Hautausschlag innerhalb weniger Tage vom Gesicht bis zu den Füßen aus. Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht von bräunlich-rosafarbenen, ineinander übergehenden Flecken, die nach etwa einer Woche verblassen.

Sonderformen und Komplikationen: Die Masern können mit starkem Husten einhergehen. Manchmal verlaufen sie auch ohne Hautausschlag. Experten empfehlen eine Impfung besonders wegen der mit den Masern einhergehenden Komplikationen wie Bronchitis oder auch Lungenentzündungen, die vier bis sieben Prozent der Masernpatienten betreffen, sowie wegen möglicher Mittelohr- oder gefährlicher Gehirnentzündungen. Letztere kommen bei einer von etwa 2.000 Masernerkrankungen vor.

Als eine sehr seltene, mit mehrjähriger Verzögerung auftretende Spätfolge gilt eine praktisch immer tödlich verlaufende Erkrankung des Zentralnervensystems mit der medizinischen Fachbezeichnung "Sklerotisierende Subakute Panenzephalitis". Die Häufigkeit liegt laut dem hierzulande für die Seuchenüberwachung zuständigen RKI durchschnittlich bei vier bis elf Fällen pro 100 000 Masernerkrankungen. Ein deutlich höheres Risiko besteht laut Experten bei Masernpatienten unter fünf Jahren, es liegt Schätzungen zufolge bei 20 bis 60 Fällen pro 100 000 Masernerkrankungen. Hinzu kommt, dass durch Masern geschwächte Patienten empfänglich für zusätzliche Krankheitskeime sind.

Verbreitung: Weltweit erkranken Menschen vor allem in Entwicklungsländern an Masern, überwiegend in Afrika und Asien. Dort gehören Masern zu den zehn häufigsten Infektionskrankheiten und sie verlaufen in diesen Regionen laut RKI besonders oft tödlich. Nachdem es in Deutschland über lange Zeit wenige Fälle gab, da bereits seit 40 Jahren geimpft wird, verzeichnet das RKI seit 2005 jährlich immer wieder größere, zeitlich begrenzte und regionale Ausbrüche. Diese sorgen dafür, dass wir hierzulande weit entfernt sind von den Zielen der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Masern auf einen Fall pro eine Million Einwohnern zu begrenzen. Eine hohe Impfquote hält das RKI für sehr wichtig, weil die Masernviren zu den ansteckendsten Erregern gehören, die man kennt. RKI-Pressesprecherin Susanne Glasmacher: "Wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung immun sind, kann sich das Virus nicht mehr verbreiten."

Betroffene und die Impfung: Die Hälfte aller deutschen Masernpatienten sind Erwachsene. Darauf weist der Deutsche Ethikrat hin und mahnt daher, Maßnahmen für eine erhöhte Impfquote nicht auf Kinder zu begrenzen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, alle nach 1970 geborenen Erwachsenen zu impfen, die nicht geimpft sind, nur eine dokumentierte Impfung in der Kindheit haben oder deren Status unklar ist.

Für Kinder rät die STIKO zu einer ersten Impfung mit einer Kombination (MMR-Impfstoff) zur Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln. Dies geschieht meist im Alter von elf bis 14 Monaten – bei Reisen in tropische Länder ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat. Die rund vier Wochen später folgende Zweitimpfung (keine Auffrischimpfung!) soll eine zweite Gelegenheit zur Entwicklung eines ausreichenden Schutzes geben.

Nicht geimpft werden Menschen mit akuten, behandlungsbedürftigen Krankheiten, einer Immunschwäche etwa infolge einer HIV-Infektion, einer Allergie gegen Impfstoffbestandteile sowie Schwangere. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann notfalls auch noch bis zu drei Tage nach einer möglichen Ansteckung geimpft werden.

Natascha Plankermann

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