Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 15. September 2019 Haarausfall: Das bremst den Schwund

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Bei Haarausfall gibt es rezeptfreie Medikamente in der Apotheke.

Mehr als die Hälfte aller Männer müssen damit rechnen, dass ihr Haar im Laufe des Lebens lichter wird.
© LightFieldStudios/iStockphoto

Haarausfall: Das bremst den Schwund

"Da hilft leider gar nichts mehr, damit muss man sich abfinden." Diesen Kommentar hörte Christian Kallweit immer wieder, wenn er etwas gegen sein immer lichter werdendes Haar unternehmen wollte. Doch mittlerweile konnte er "Tschüss, Geheimratsecken!" sagen.

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Zum ersten Mal fiel es Christian Kallweit mit 45 Jahren auf. "Auf einmal entdeckte ich im Spiegel, dass doch da früher noch ein paar mehr Haare gewesen sind", blickt er zurück. "Damals habe ich das noch nicht wirklich ernst genommen und dachte, schlimmer wird es wohl nicht werden. Ein Irrtum, wie sich ja dann zeigen sollte."

Mehr als jeder zweite Mann

Damit steht er nicht allein. Mehr als 50 Prozent der Männer und etwa 30 Prozent der Frauen bekommen im Laufe ihres Lebens erblich bedingten Haarausfall. Die Symptome unterscheiden sich. Männer kämpfen eher mit den typischen Geheimratsecken und verlieren vor allem Haare am Hinter- und Oberkopf. Bei Frauen lichtet sich zunächst der Scheitel, was nach und nach sogar zu einem kahlen Streifen auf der Kopfmitte führen kann. "Konsequent habe ich nicht wirklich etwas unternommen, da mir ja so viele bescheinigt hatten, dass da eh nichts helfen könnte", berichtet Kallweit. Eine richtige Diagnose habe er gar nicht erhalten. "Das deutliche Voranschreiten der Geheimratsecken sowie der fast licht gewordene Oberkopf zeigte an, dass der Haarausfall unaufhörlich weiterging. Obwohl ich viel um Rat fragte, konnte mir niemand wirklich helfen. Da fühlte ich mich dann mit dem Problem auch irgendwann allein gelassen."

Hormone sind die Ursache

Wie bei so vielem spielen auch hier die Hormone eine wichtige Rolle. Allen voran das Testosteron, ein Sexualhormon. Männer und Frauen besitzen es gleichermaßen, erstere jedoch deutlich mehr. Gegen Testosteron können die Haarfollikel, die die Haarwurzeln umgeben, eine Überempfindlichkeit entwickeln. Ihre Durchblutung nimmt ab, sie verkümmern. An diesen Stellen wachsen keine Haare mehr nach. Es liegt an der genetischen Anlage, dass die Haarfollikel überempfindlich reagieren.

Mittlerweile gibt es verschiedene Medikamente, die erblich bedingten Haarausfall bekämpfen. Kallweit stieß eher zufällig auf den rezeptfrei in der Apotheke erhältlichen Wirkstoff Minoxidil. "In einem Einkaufszentrum in Bonn hat mir eine Apothekerin bei einer Werbeaktion empfohlen, diesen Wirkstoff
auszuprobieren. Da dachte ich mir: Das kann ich ja noch mal testen." Das Präparat wird zweimal täglich auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Kallweit: "Nach gut drei Wochen sah ich tatsächlich eine Verbesserung." Der Wirkstoff eignet sich übrigens für Männer und Frauen. Bei einem Abbruch der Therapie beginnt der Haarausfall allerdings wieder.

Auch der Wirkstoff Thiocyanat kommt gegen Haarausfall zum Einsatz. "Am besten wird Thiocyanat präventiv gegen Haarausfall eingesetzt", erläutert Professor Dr. Axel Kramer vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Greifswald. Bei einer seit Langem bestehenden Glatze kann es kein neues Haarwachstum anregen, so der Experte.

Das Mittel von Donald Trump

Und US-Präsident Donald Trump? "Er hat noch alle seine Haare", verriet sein langjähriger Hausarzt Harold N. Bornstein in einem Gespräch mit der New York Times. Dafür sei ein Medikament mit dem Wirkstoff Finasterid verantwortlich, das der US-Präsident regelmäßig einnehme. Das verschreibungspflichtige Präparat eignet sich nur für Männer und greift in den Hormonhaushalt des Körpers ein. In Sachen Haare wirkt es ziemlich zuverlässig, doch es kann unangenehme Nebenwirkungen verursachen, wie Erektionsprobleme, verminderte Libido oder Depressionen. Und das noch nach Absetzen der Therapie.

Bei den örtlich anzuwendenden Wirkstoffen Thiocyanat oder Minoxidil, das Kallweit verwendet, treten weniger Nebenwirkungen auf. Mitunter reagiert die Haut zu Anfang etwas empfindlich. Eines gilt für alle gleichermaßen: Bereits abgestorbene
Haarwurzeln können sie nicht "wiederbeleben".

Peter Erik Felzer

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