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Bettnässen

Was ist das? - Definition
Unwillkürliche, meist nächtliche Urinausscheidung nach dem 4. Lebensjahr ohne konkrete, körperliche Ursache.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Enuresis

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Je nach dem Zeitpunkt des Einnässens unterscheidet man Enuresis nocturna (nachts) und Enuresis diurna (tagsüber). Zugleich wird nach Einnässen vor (primär) und nach (sekundär) schon erfolgter Reinlichkeitserziehung des Kindes unterschieden. Fast ein Drittel der Fünfjährigen, 5% der Zehnjährigen und 2% der bis 14-jährigen nässen ein. Rund 1% der Erwachsenen haben dieses Problem. Die Kontrolle über die Blasenfunktion wird als Lernprozess definiert, der eine bestimmte Reife voraussetzt. Emotionale Belastungen, wie Trennung der Eltern, Tod eines Elternteils oder die Geburt eines Geschwisterkindes, können die Entwicklung verzögern bzw. eine sekundäre Enuresis verursachen. Zu frühe, zu späte oder inkonsequente Sauberkeitserziehung des Kindes kann diesen Reifeprozess unterbrechen und zu psychischen Störungen führen.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Langjähriges und häufiges Einnässen stellt für die Familie eine erhebliche Belastung dar. Bei dem betroffenen Kind kann durch inadäquate Reaktionen von Eltern (Beschimpfen, Verspotten) und Umfeld (Stigmatisierung) die psychische Belastung verschlimmert werden. Aus diesem Grund sollte das familiäre Umfeld in eine Therapie mit eingebunden werden.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Auszuschließen sind alle körperlichen Ursachen für eine unkontrollierte Urinausscheidung (Inkontinenz), wie Harnwegsinfekte, urogenitale Fehlbildungen, neurologische Störungen, internistische Erkrankungen (wie Diabetes) oder Medikamentenwirkungen.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Das Bett sollte auf das anfänglich zu erwartende Einnässen vorbereitet werden (Gummieinlage).
  • Eine fördernde Reinlichkeitserziehung kann ausreichen. Dazu gehört eine beruhigende Reaktion bei Misserfolgen.
  • Feste Zeiten erleichtern das Urinieren. So beispielsweise regelmäßig vor dem Schlafengehen, u.U. auch während der Nacht einmal.
  • Ein Kalender, den das Kind selbst ausfüllt, mit Sonnen für trockene Tage/Nächte und Regenwolken für nasse fördert die Motivation des Kindes und erleichtert die Therapie.

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Bettnässen (Enuresis): Behandlung

Da die meisten Kinder früher oder später von alleine trocken werden, lässt sich schwer beurteilen, ob gegen Bettnässen (in der Fachsprache Enuresis genannt) eine Behandlung zwingend notwendig ist und ob sie Erfolg bringt. Vor dem fünften Lebensjahr sollte man noch keine Maßnahmen ergreifen, um Bettnässen zu behandeln, da sich das Problem bei vielen Kindern bis zum siebten Lebensjahr von selbst löst. Wenn es einem Kind jedoch darüber hinaus nicht gelingt, seine Blase zu kontrollieren oder es unter dem Einnässen leidet, zum Beispiel, wenn es in die Schule kommt, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung.

Verhaltenstraining – die Blase trainieren

Damit ein Kind lernt, seinen Harndrang wahrzunehmen, kann man zunächst versuchen, das Einnässen mit Verhaltenstraining in den Griff zu bekommen. Dazu gehört zum Beispiel der sogenannte Sonne-Wolken-Kalender, der als Belohnungssystem dient: Nach jeder trockenen Nacht darf das Kind eine Sonne in den Kalender malen. Wenn die Blasenkontrolle während der Nacht nicht geklappt hat, malt es eine Wolke.

Eine weitere Möglichkeit, dem nächtlichen Einnässen (Enuresis noctura) vorzubeugen, besteht darin, das Kind tagsüber dazu anzuhalten viel zu trinken. Abends sollte es dann nur noch möglichst wenig trinken. Auch ein Blasentraining kann möglicherweise helfen, den Harndrang zu kontrollieren: Das Kind versucht tagsüber, den Urin möglichst lange einzuhalten, um die Blase zu trainieren und sein Blasenvolumen zu vergrößern.

Manche Eltern versuchen, mit vorbeugenden Toilettengängen gegen das Bettnässen vorzugehen. Sie wecken ihr Kind in der Nacht, damit es zur Toilette geht, bevor es sich einnässen kann.

Ob Verhaltenstraining zur Behandlung von Enuresis hilft, ist wissenschaftlich nicht belegt. Schaden können die Trainingsmaßnahmen dem Kind jedoch auch nicht.

Egal, ob und welche Maßnahme von Verhaltenstraining Sie anwenden: Haben Sie Geduld mit Ihrem Kind und schimpfen Sie es nicht aus, wenn es seine Blase nicht kontrollieren kann.

Enuresis noctura verhindern mit Klingelhose oder Klingelmatte

Hilft Verhaltenstraining nicht gegen das Bettnässen, kann (zumindest gegen Enuresis noctura) eine Behandlung mit einer sogenannten Klingelhose oder Klingelmatte in Erwägung gezogen werden. Diese Geräte funktionieren über einen Feuchtigkeitsfühler – sobald dieser Nässe in der Klingelhose oder auf der -matte registriert, schließt sich ein Stromkreis und löst einen Alarm aus. Ziel die Verwendung solcher Wecksysteme ist es, dass die Kinder möglichst bei den ersten Tropfen aufwachen, damit sie die Blasenentleerung unterbrechen und zur Toilette gehen können – und langfristig von selbst aufwachen, wenn die Blase voll ist.

Damit sich das Bettnässen einstellt, sollte eine Behandlung mit diesen elektronischen Wecksystemen über mehrere Wochen erfolgen. Eine Klingelhose kann mit einer Windel kombiniert werden, die man über die Unterhose zieht. Der Feuchtigkeitsfühler wird an der Unterhose in der Nähe der Genitalien platziert, die Klingel am Schlafanzug in Ohrnähe angeklemmt. Bei einer entsprechenden Klingelmatte befindet sich der Fühler im, die Klingel neben dem Bett.

Die gesetzlichen Krankenkassen kommen bei Bettnässen für die Kosten der Geräte in der Regel auf – sie sind in Apotheken und Sanitätshäusern erhältlich. Klingelhose und Klingelmatte sind in ähnlicher Weise wirksam und haben im Gegensatz zu Medikamenten keine Nebenwirkungen. Darüber hinaus wirken sie nachhaltiger als Medikamente. Dass die Wecksysteme nicht bei allen Kindern helfen, kann damit zusammenhängen, dass manche Kinder sehr tief schlafen und nicht leicht aufwachen.

Wenn das Bettnässen nach einiger Zeit erneut auftritt, kann es sinnvoll sein, die Behandlung mit Klingelhose oder Klingelmatte zu wiederholen.

Medikamente

Eine weitere Möglichkeit gegen Bettnässen vorzugehen, ist die Behandlung mit Medikamenten. Dazu kommt zum Beispiel der Wirkstoff Desmopressin zum Einsatz, der die Urinmenge reduziert. Der Körper selbst scheidet nachts das körpereigene Hormon Vasopressin aus, um die Urinproduktion zu verringern – Desmopressin hat eine ähnliche Wirkung.

In wenigen Fällen treten unter der Einnahme von Desmopressin Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit auf. Das Medikament wirkt meist schnell gegen das Bettnässen – jedoch wird der Großteil der Kinder allerdings wieder rückfällig, wenn sie die Einnahme stoppen. Nichtsdestotrotz kann Desmopressin hilfreich für besondere Situationen sein, so zum Beispiel, wenn das Kind nicht zu Hause übernachtet.

Gegen Enuresis werden zuweilen auch trizyklische Antidepressiva eingesetzt, so zum Beispiel der Wirkstoff Imipramin. Trizyklische Antidepressiva werden normalerweise bei Depressionen verschrieben, sie sind aber auch zur Behandlung von Bettnässen zugelassen. Diese Medikamente verkürzen die Traumphasen des Schlafs, fördern die Vasopressin-Bildung und wirken auf die Blasenmuskulatur. Wie Desmopressin wirken Antidepressiva jedoch ebenfalls nur solange gegen Bettnässen, wie sie auch eingenommen werden.
Als Nebenwirkungen können niedriger Blutdruck, Herzrasen, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen, Übelkeit, Müdigkeit oder Schlafstörungen auftreten.

Bewahren Sie trizyklische Antidepressiva immer außerhalb der Reichweite von Kindern auf! Eine Überdosierung kann lebensgefährliche Folgen haben.

Andere Maßnahmen

Sollte sich das Bettnässen auch nach einer Behandlung mit Verhaltenstraining, Klingelhose oder Klingelmatte nicht einstellen, besteht für betroffene Kinder die Möglichkeit, an speziellen Schulungsprogrammen teilzunehmen. Diese finden in Einzelschulungen oder Kleingruppen statt. Dabei erhalten die Kinder ausführliche Informationen über ihren Körper, Nahrung und Getränke, Entspannung, sowie über das Einnässen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann Teil der Schulungsprogramme sein. Ziel dabei ist es, das eigene Selbstvertrauen zu stärken. Viele Betroffene profitieren von diesen Programmen, sodass sie schnell trocken werden.

Quellen:

• Online-Informationen der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de (Abrufdatum: 23.4.2017)

• Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 6.2.2014)

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: April 2017

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