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Colitis ulcerosa

Was ist das? - Definition
Unter Colitis ulcerosa versteht man eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Die Ursache dafür ist ungeklärt.

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursache
Die Colitis ulcerosa ist eine recht seltene Erkrankung. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 40., sowie dem 60. und 70. Lebensjahr.
Die Krankheitsursache ist unklar, man vermutet immunologische, psychische und genetische Einflüsse.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Die Erkrankung verläuft schubweise. Im Schub kommt es 10-20 mal pro Tag zu schleimig-blutigen Durchfällen, nicht selten verbunden mit krampfartigen Bauchschmerzen.
Da auf Grund der chronischen Darmentzündung die Nährstoffe aus der Nahrung nicht vollständig aufgenommen werden können, verlieren die Betroffenen an Gewicht und es stellen sich Mangelerscheinungen ein.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Im Gegensatz zum Morbus Crohn ist die Colitis ulcerosa eine reine Dickdarmerkrankung. Die Ausdehnung der Erkrankung ist unterschiedlich. Es kann der gesamte Dickdarm oder nur einzelne Abschnitte befallen sein, immer betroffen aber ist der Enddarm.
Wie oft ein Patient, der an Colitis ulcerosa leidet, Schübe hat, ist sehr unterschiedlich. Komplikationen dabei sind recht häufig:
  • Bei einer Colitis ulcerosa ist die Schleimhautschicht entzündet. Dies kann zu sehr starken Darmblutungen führen.
  • Eine seltene, aber sehr gefürchtete Komplikation ist die starke Aufweitung des Dickdarmes mit hohem Fieber und der Gefahr eines Darmrisses mit den Folgen einer Bauchfellentzündung.
  • Nach jahrelanger Erkrankungsdauer erhöht sich das Risiko einer Darmkrebserkrankung.
  • Die Entzündung kann auch andere Organe betreffen. So sind beispielsweise Entzündungen der Augen, Gelenkentzündungen oder Haut- oder Leberveränderungen nicht selten.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Durchfall ist ein sehr häufiges Symptom. Entscheidend ist die Dauer und die Häufigkeit des Durchfalls. Hier einige Beispiele:
  • Die häufigste Ursache ist eine durch Bakterien oder Viren ausgelöste Darmentzündung, die so genannte Darmgrippe. Meist klingt der Durchfall innerhalb weniger Tage von selbst ab.
  • Kommt es immer wieder zu starken Durchfallattacken, könnte außer der Colitis ulcerosa auch ein Morbus Crohn die Ursache dafür sein.
  • Beim Reizdarmsyndrom kommt es immer wieder zum Wechsel von Durchfall und Verstopfung. Es könnte sich aber auch eine Darmkrebserkrankung hinter diesem Wechsel der Stuhlgewohnheiten verbergen.
  • Ist der Durchfall sehr hell und glänzend und lässt sich schlecht wegspülen, handelt es sich um Fettstühle. Diese können bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten, denn hier ist die Aufnahme von Fett aus dem Darm gestört.

Verhaltenstipps
  • Kommt es immer wieder zu heftigen Durchfallattacken sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eventuell ist eine Darmspiegelung zur Ursachenklärung nötig.


Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Colitis ulcerosa: Behandlung

Bislang ist es nicht möglich, Colitis ulcerosa mit Medikamenten zu heilen. Die Therapie zielt daher vor allem darauf ab, die Beschwerden zu lindern.

Ernährung

Eine besondere Diät wird bei Colitis ulcerosa nicht empfohlen. Vielmehr gilt: Patienten dürfen essen, was ihnen bekommt. Nicht verträgliche Nahrungsmittel sollten sie hingegen meiden.

Welches Essen geeignet ist, kann individuell ganz verschieden sein, sodass die Betroffenen dies ein Stück weit selbst herausfinden müssen. Hilfreich ist es meist, möglichst wenig Alkohol zu trinken und fettreiche Nahrungsmittel zu meiden. Stattdessen sollten häufig Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen.

Außerhalb eines akuten Schubs ist es förderlich, reichlich Eiweiß und Ballaststoffe zu sich zu nehmen – während eines Schubs sollten Sie auf Ballaststoffe dagegen lieber verzichten.

Wenn ein Schub sehr ausgeprägt ist, kann es nötig werden, den Darm so sehr zu schonen, dass der Arzt eine "Astronautennahrung" empfehlen wird – oder auch eine künstliche Ernährung.

Mit Bakterien Schüben vorbeugen

Wenn Mesalazin nicht vertragen wird, kann man alternativ versuchen, einem erneuten Schub mit Bakterien vorzubeugen. Als hilfreich haben sich Präparate mit dem Escherichia coli-Stamm "Nissle 1917" erwiesen.

Medikamente

Medikamente spielen bei der Therapie der Colitis ulcerosa eine wichtige Rolle. Welches Präparat der Arzt verschreibt, ist unter anderem davon abhängig, wie ausgeprägt die Erkrankung ist und ob sich der Patient in einem akuten Schub befindet.

Alle Medikamente sind mit Nebenwirkungen verbunden. Der Arzt wird daher genau abwägen, ob und wann ein Medikament infrage kommt.

Mesalazin
Der Wirkstoff Mesalazin gilt als Standard zur Therapie einer mild bis mäßig ausgeprägten Colitis ulcerosa. Mesalazin kann sowohl während eines akuten Schubs als auch zur Schub-Prophylaxe zum Einsatz kommen und ist auch zur Dauertherapie geeignet. Der Wirkstoff kann die Häufigkeit der Schübe deutlich verringern.

Kortisonhaltige Präparate
Präparate mit Kortison, die sog. Kortikosteroide, können je nach Darreichungsform sowohl lokal als auch im ganzen Körper wirken. Bei einem mittelschweren bis schweren Schub wird der Arzt zum Beispiel Tabletten mit dem Wirkstoff Prednisolon verschreiben. Da Kortison bei längerer Anwendung einen Knochenschwund (Osteoporose) begünstigt, wird der Mediziner gegebenenfalls entsprechende Präparate zur Osteoporose-Vorbeugung empfehlen, insbesondere Vitamin D und Kalzium.

In bestimmten Fällen, etwa, wenn nur der Enddarm entzündet ist, können lokal wirksame Kortikosteroide helfen, zum Beispiel der Wirkstoff Budesonid: Er kann als Klysma oder Schaum direkt im Enddarm wirken.

Immunsuppressiva & Biologika
Immunsuppressiva hemmen die Aktivität des Immunsystems und können so die Symptome lindern. Der Wirkstoff Azathioprin kommt etwa bei chronischen Verläufen infrage, wenn Mesalazin oder Kortisonpräparate nicht ausreichend geholfen haben. Es dauert allerdings rund drei bis sechs Monate, bis Azathioprin Wirkung zeigt. Bei schweren akuten Schüben kann zudem der Wirkstoff Ciclosporin hilfreich sein.

Biologika (Biologicals) sind künstlich hergestellte Eiweißstoffe, die die Immunreaktion des Körpers gezielt beeinflussen. Zu den Biologika zählen beispielsweise der Wirkstoff Vedolizumab oder sogenannte TNF-alpha-Hemmer wie Infliximab, Adalimumab und Golimumab. TNF-alpha-Hemmer lindern die Entzündung, indem sie den Botenstoff TNF-Alpha im Körper ausschalten.

In schweren Fällen: Chirurgischer Eingriff

Manchmal ist bei Colitis ulcerosa eine Operation erforderlich. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn akute Komplikationen auftreten. Dazu zählt vor allem die selten auftretende sog. fulminante Kolitis, eine schwere Verlaufsform der Colitis ulcerosa. Bei einer fulminanten Kolitis ist die Entzündung so ausgeprägt, dass sie lebensbedrohlich sein kann. So kann die fulminante Kolitis zum Beispiel dazu führen, dass

  • sich ein Riss / Durchbruch im Dickdarm bildet,
  • schwere Blutungen entstehen,
  • dass sich der Dickdarm krankhaft erweitert (sog. toxisches Megakolon) oder dass
  • es zu einer Blutvergiftung kommt.

Krebsfrüherkennung

Da das Risiko für Darmkrebs bei Menschen mit Colitis ulcerosa deutlich erhöht ist, sind regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen besonders wichtig. Daher wird empfohlen, in bestimmten Abständen eine Darmspiegelung durchführen zu lassen.

Auch wenn der Patient einen schweren Schub hat und eine Therapie nach drei Tagen immer noch nicht anschlägt, kann eine Operation nötig werden, um Komplikationen zu vermeiden. Wie aufwendig der operative Eingriff jeweils ist, hängt vom Einzelfall ab.

Langfristig kann eine Operation ebenfalls sinnvoll sein, so zum Beispiel, wenn das Darmkrebs-Risiko sehr hoch ist oder wenn andere Therapien keinen Erfolg gebracht haben. Im Rahmen der Operation werden in der Regel Dickdarm und Mastdarm entfernt (sog. Proktokolektomie). Nur durch eine solche Operation ist es möglich, die Colitis ulcerosa zu heilen. Es ist auch möglich, nur Teile des Darms zu entfernen, jedoch ist die Gefahr eines Rückfalls hoch. Nach Entfernung des Darms formt der Chirurg aus Dünndarmschlingen ein künstliches Reservoir, das die Funktionen des Dickdarms übernimmt – den sogenannten Pouch. Bei manchen Patienten bildet sich nach einigen Jahren erneut eine Entzündung (Pouchitis). Nach der Operation ist – entweder dauerhaft oder vorübergehend – ein künstlicher Darmausgang nötig.

Quellen:

• Online-Informationen der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung: www.dccv.de (Abrufdatum: 9.5.2017)

• Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

• Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

• Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Heidelberg 2016

• Kerbl, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2015

• Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen: Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa 2011 – Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/009 (Stand: September 2011)

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: Mai 2017

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