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Durchfall

Was ist das? - Definition
Von Durchfall spricht der Arzt, wenn mehr als drei Mal am Tag weicher bis flüssiger Stuhl abgesetzt wird und die Stuhlmenge über den Tag erhöht ist. Durchfall kann Symptom verschiedener Erkrankungen sein.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Diarrhoe, Diarrhö

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Im Laufe eines Tages nehmen wir etwa zwei Liter Flüssigkeit zu uns, etwa sieben Liter produziert der Körper selbst in Form von Verdauungssäften. Die normale Aufgabe des Darmes ist, dem Nahrungsbrei auf seinem Weg durch den Körper 98 % dieses Wassers wieder zu entziehen, so dass der tägliche Stuhl nur 100 bis 200 Milliliter Wasser enthält. Gelingt dies nicht oder nicht vollständig, kommt es zu Durchfall. Dabei können dem Durchfall verschiedene Mechanismen zu Grunde liegen.
Durch einen großen Anteil von Kohlenhydraten wie zum Beispiel Stärke, Milchzucker oder künstliche Süßstoffe in der Nahrung kann es zum Wassereinstrom in den Darm kommen. So wie in der Küche Soßen mit Mehl oder Stärke gebunden werden, "saugen" die Kohlenhydrate Wasser in den Darm. Grund für eine Ansammlung der Kohlenhydrate im Darm kann sein, dass spezielle Transportmechanismen, die normalerweise die Kohlenhydrate vom Darm ins Blut befördern, nicht richtig funktionieren. Werden die Kohlenhydrate dann von Darmbakterien verarbeitet, kommt es zusätzlich zur Gasbildung (Flatulenz).
Auch viele Bakterien oder Viren können mit von ihnen produzierten Giftstoffen (Toxinen) Transportmechanismen im Darm beeinflussen, was zum Wassereinstrom in den Darm führt. Dadurch kommt es zu häufigen und wässrigen Durchfällen, in der Regel ohne Fieber. Auch Entzündungsreaktionen im Darm können sich mit Durchfall bemerkbar machen.

Was kann dahinter stecken? - Mögliche Krankheitsbilder
  • Der überwiegende Anteil von Durchfallerkrankungen wird durch einen übertragbaren Erreger ausgelöst. Meistens handelt es sich dabei um Bakterien. Stammen diese aus der Nahrung, spricht man auch von Nahrungsmittelvergiftung. Hier kommt es Stunden nach dem Essen zu plötzlichem Brechdurchfall.
  • Bei Aufenthalt in den Tropen können Parasiten zu ähnlichen Beschwerden führen.
  • Neben dem nahrungsbedingten und durch Giftstoffe hervorgerufenen Durchfall können Mittel gegen Verstopfung, so genannte Laxantien, Ursache von Durchfall sein.
  • Einige Medikamente, darunter die häufig verschriebenen Breitspektrum-Antibiotika, können Durchfall verursachen. In diesem Fall tötet das Antibiotikum auch die darmeigenen Bakterien ab: Das ist die große Stunde fremder Bakterien, denen das Antibiotikum nicht schadet. Im gesunden Körper werden sie durch körpereigene Bakterien verdrängt und lösen keine Krankheiten aus. Ohne deren Konkurrenz beginnen sie jedoch zu wachsen und führen mit ihren Giftstoffen zu Durchfall.
  • Nach Operationen des Darms kann möglicherweise dem Nahrungsbrei nicht mehr ausreichend Wasser entzogen werden.
  • Eine seltene Ursache für Durchfall ist der Mangel an einem Enzym, das Milchzucker (Lactose) abbaut. Dann sprechen Mediziner von einer Lactoseintoleranz oder einem Lactasemangel.
  • Wenn keine Ursache für Durchfall gefunden werden kann, spricht man von einem Reizdarmsyndrom. Auch chronische Darminfektionen oder Immunschwäche führen in ihrem Verlauf zu Durchfall.
  • In manchen Fällen ist Durchfall die Folge lebensbedrohlicher Vergiftungen mit Arsen, Quecksilber oder Pilzgiften.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Die wichtigste Maßnahme bei Durchfall ist der Ersatz verloren gegangener Flüssigkeit. Deshalb sollte so viel wie möglich getrunken werden, am besten mineralstoffreiches Wasser oder Säfte.
  • Gegen Durchfall können auch geriebener Apfel oder Trockenfrüchte helfen.
  • Vom beliebten Tipp "Salzstangen und Cola" muss abgeraten werden. Grundsätzlich braucht der Körper zwar Mineralstoffe und Zucker, aber Salzstangen und Cola enthalten sie in einem ungünstigen Verhältnis. Besser sind spezielle Mineralstoffkombinationen aus der Apotheke, die die für den Körper ideale Zusammensetzung an Mineralsalzen (Elektrolyten) enthalten.
  • Bei Kindern oder älteren Menschen, die die Menge an verlorener Flüssigkeit nicht mehr durch Trinken ersetzen können, ist möglicherweise eine Flüssigkeitsgabe über die Vene (Infusion) erforderlich. In diesen Fällen sollte deshalb ein Arzt hinzugezogen werden.
  • Wenn der Stuhl Blut enthält oder ein schweres Krankheitsgefühl besteht, muss Durchfall vom Arzt behandelt werden.

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Behandlung: Durchfall

Die typischen Beschwerden einer Norovirus-Infektion – Durchfall und Erbrechen – führen zu einem erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Die Behandlung einer Norovirus-Infektion erfolgt symptomatisch: Wichtigste Maßnahme ist es, Flüssigkeit und Elektrolyte, die der Körper durch Durchfall und Erbrechen verliert, wieder zuzuführen. Hierfür bedarf es nicht zwangsläufig einer speziellen Behandlung – oft helfen herkömmliche Hausmittel gegen Durchfall, um wieder gesund zu werden. Manchmal reicht es, viel zu trinken (z.B. gezuckerten Tee) und Salzgebäck zu essen.

Bei starkem Durchfall eignen sich zum Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auch sogenannte Rehydrationslösungen (auch als Elektrolyt- oder Glukoselösungen bekannt), die es in Pulverform in der Apotheke gibt. Das Pulver enthält Salze, Mineralstoffe und Traubenzucker. Es wird in Wasser aufgelöst und getrunken.

Was essen bei Durchfall?

Nach einer Norovirus-Infektion mit Durchfall sollte man am besten Nahrungsmittel essen, die den Darm nicht zusätzlich reizen. Dazu bietet sich eine sogenannte Stopfkost an. Als Stopfkost gelten zum Beispiel Bananen, Reis, Zwieback und Brühe. Auf Alkohol, Kaffee, Säfte, Limonaden und fettige Speisen sollten Sie bei Durchfall verzichten, um den Magen nicht unnötig zu reizen.

Was hilft noch gegen Durchfall?

Neben dem Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich können Wirkstoffe wie Loperamid oder Racecadotril gegen Durchfall helfen – sie besänftigen den Darm. Dies macht vor allem dann Sinn, wenn es schwierig ist, häufig eine Toilette aufzusuchen (wie z.B. auf Reisen), da die Medikamente die Stuhlfrequenz reduzieren können. Für Kinder unter zwölf Jahren ist Loperamid nicht zugelassen.

Auch probiotische Lebensmittel oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel können bei einer Norovirus-Infektion gegen Durchfall helfen. Diese können die Dauer der Beschwerden verkürzen (ca. 1 Tag) und unterstützend zu anderen Maßnahmen eingesetzt werden. Bei starkem Erbrechen können Medikamente gegen Übelkeit und Brechreiz (Antiemetika) verabreicht werden.

Ein Antibiotikum ist bei einer Norovirus-Infektion nicht sinnvoll – es hilft nur gegen Bakterien, aber nicht gegen Durchfall, dem eine Infektion mit Viren zugrunde liegt.

Hygienemaßnahmen

Menschen mit einer Norovirus-Infektion sind sehr ansteckend. Eine Ansteckung erfolgt über den Stuhl, Erbrochenes, über verunreinigte Gegenstände, Wasser und Nahrungsmittel. Um eine Weiterverbreitung der Infektion zu vermeiden, ist es besonders wichtig, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen und gegebenenfalls auch zu desinfizieren. Erkrankte Personen sollten möglichst den Kontakt zu anderen meiden und, wenn möglich, eine eigene Toilette benutzen. Der WC-Bereich sollte bei einer Norovirus-Infektion mit Durchfall desinfiziert werden. Auch in der Küche ist sorgfältige Hygiene gefragt – wenn man akuten Durchfall hat, sollte man keine Speisen für andere zubereiten, um eine Ansteckung über Lebensmittel oder Gegenstände zu vermeiden.

Erkrankte Personen sind vor allem in der akuten Krankheitsphase der Norovirus-Infektion hochansteckend. Aber auch, nachdem die Symptome abgeklungen sind, können sie noch bis zu 16 Tage – manchmal sogar länger –Krankheitserreger ausscheiden. Deshalb sollte man auch über die akute Phase hinaus eine gründliche Hände- und Sanitärhygiene einhalten. Kinder sollten erst wieder zur Schule gehen, nachdem 2 Tage kein Durchfall mehr vorgekommen ist.

Quellen:

• Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 4.5.2016)

• Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Akuter Durchfall. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 053/ 030 (Stand: 30.9.2013)

• Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 26.7.2008)

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