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Haarausfall

Was ist das? - Definition
Bis zu 100 ausgefallene Haaren pro Tag können wieder nachwachsen. Der Gesamtbestand der Haare leidet normalerweise erst, wenn man täglich mehr als 100 Haare verliert. Das heißt, ab dieser Grenze ist es erst medizinisch korrekt von Haarausfall zu sprechen.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Effluvium (Haarausfall)
  • Alopezie (eigentlich: Haarlosigkeit)

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Das "Leben" eines Haares lässt sich in drei Phasen unterteilen:
  • Eine Wachstumsphase, die 3-6 Jahre dauert. Dabei legen die Haare monatlich etwa 1-2 cm an Länge zu (etwa 80% der Haare)
  • Eine Übergangsphase, Dauer: 2-3 Wochen. In dieser Zeit löst sich die Haarwurzel vom Boden und wandert langsam nach oben (etwa 1 % der Haare)
  • Eine Ruhe- oder Ausfallsphase, in der die Haare nach 2-3 Monaten ausfallen oder von nachwachsenden Haaren verdrängt werden (etwa 15-20 % der Haare)
Jede Haarzelle kann etwa 25 Haare produzieren, dann stirbt sie ab.
Es gibt vorübergehenden Haarausfall, bedingt zum Beispiel durch Krankheit, Mangelerscheinungen oder Hormonumstellungen. Meistens, vor allem bei Männern, wächst das ausgefallene Haar jedoch nicht mehr nach. Ursache dafür ist das männliche Geschlechtshormon Testosteron, genauer gesagt ein Abbauprodukt davon. Die Substanz greift am Haarfollikel, dem Entstehungsort des Haares an, verkürzt zum einen die Lebenszyklen der Haare und lässt zum anderen den Follikel verkümmern. Die auswachsenden Haare werden immer dünner, bis der Haarwuchs schließlich völlig verebbt.
Ob und wann dies geschieht, hängt davon ab, welche Erbinformationen die einzelnen Haarfollikel mitbringen. Das heißt, jeder Follikel erhält bei seiner Anlage eine Lebenszeit, eine Art Sanduhr. Bei der Geburt wird die Uhr gedreht, der Sand beginnt zu rieseln. Ist die Sanduhr abgelaufen, ist der Follikel dem Testosteron schutzlos ausgeliefert. Die Sanduhren der Fronthaare laufen meist als erste ab, es folgen die Haare am Haarwirbel. Am Hinterkopf sind die Sanduhren "blockiert", die Haare fallen so gut wie nie aus.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
60 bis 100 Haare pro Tag zu verlieren ist völlig normal. Verstärkter Haarausfall macht sich beim Kämmen oder Waschen bemerkbar. Während bei vorübergehendem Haarausfall die Verteilung der ausgegangenen Haare eher unwillkürlich verteilt ist, zeigt sich beim vererbten Haarausfall des Mannes ein "typisches Muster". Zu Beginn gehen die Haare an den Schläfen und im Stirnbereich aus, es zeigen sich die so genannten "Geheimratsecken". Als nächstes lichtet sich das Haar im Hinterkopfbereich, oft in Form einer Tonsur der früheren Mönche. Letztendlich kann sich der Haarausfall bis zur Glatze ausdehnen, wobei fast immer ein Haarkranz stehen bleibt.
Mit einer Haaranalyse (Trichogramm) kann der Hautarzt den Haarwurzelstatus bestimmen, also wie viele Haare in welcher Phase sind. Befinden sich vermehrt Haare in der Ruhephase, handelt es sich meist um einen hormonell bedingten Haarausfall.

Was kann dahinter stecken? - Mögliche Krankheitsbilder
Zwar ist bei Männern in 95 % der Haarausfall vererbt und hormonbedingt, doch können noch zahlreiche andere Ursachen, vor allem auch bei Frauen, hinter dem Verlust der Haare stecken, wie:
  • Medikamente (Schilddrüsenhormone, Aknemittel, Krebsmittel, Cholesterinsenker, Antibabypille).
  • Bestimmte Infektionen, Blutvergiftung, Geschlechtskrankheiten oder Schilddrüsenerkrankungen.
  • Störungen oder Veränderungen im Hormonhaushalt, also auch Schwangerschaft und Stillzeit, bzw. die Wechseljahre der Frau.
  • Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen (Eisen, Zink u.a.).
  • Psychische Belastungen.
  • Autoimmunerkrankungen, das heißt Erkrankungen, bei denen das Abwehrsystem die eigenen Haarzellen angreift. Typischerweise kommt es hierbei zu büschelweise kreisrundem Haarausfall.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Milde Shampoos schonen die Kopfhaut.
  • Die Haare sollten nicht zu sehr mechanisch beansprucht werden, das heißt:
  • Nicht zu heiß waschen oder föhnen.
  • Nicht zu stark rubbeln.
  • Keine Bürsten und Kämme mit scharfen Kanten verwenden, sonst brechen die Haare und werden glanzlos.
  • Chemische Behandlungen wie Färben oder Dauerwellen sollten dem Haar und der Kopfhaut nicht zu oft zugemutet werden.
  • Durchblutungsfördernde Haarwässer (mit Rosmarin zum Beispiel) oder Kopfhautmassagen fördern die Versorgung der Haare in der Wachstumsphase, sie wirken allerdings nicht gegen Haarausfall.
  • Spezielle Präparate mit pflanzlichen oder mineralischen Inhaltsstoffen ernähren ebenfalls die Haarwurzel und fördern das Haar, Haarausfall verhindern können auch sie nicht.

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Haarausfall: Behandlung

Die Behandlung von Haarausfall richtet sich vor allem danach, was den Haarausfall ausgelöst hat. Meist ist der Haarausfall erblich bedingt. Manchmal stecken aber auch andere Ursachen hinter einem Haarverlust, so zum Beispiel bestimmte Erkrankungen.

Wenn keine Erkrankung oder körperliche Störung für den Haarausfall verantwortlich ist, ist aus rein medizinischer Sicht keine Therapie nötig – aus psychologischer Sicht kann Haarausfall jedoch erheblich belastend sein und daher eine Behandlung erforderlich machen, etwa mit einem Mittel gegen Haarausfall.

Lichte Stellen kaschieren
Wer sehr unter seinem Haarausfall leidet, kann versuchen, die lichten Kopfhautbereiche zu kaschieren. Eine andere Frisur, ein Haarteil oder auch eine Perücke können die kahlen Stellen unter Umständen so gut verdecken, dass Außenstehende den Haarausfall gar nicht bemerken.

Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls

Bei erblich bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie) ist das Ziel der Behandlung, den Haarausfall zu stoppen und die Haarfollikel zum Wachstum anzuregen. Dabei haben sich vor allem zwei Mittel gegen Haarausfall bewährt:

  • Minoxidil, das sowohl bei Männern als auch bei Frauen zum Einsatz kommt und
  • Finasterid, das bei männlichen Betroffenen helfen kann.

Minoxidil

Das rezeptfreie Minoxidil wird in Form einer Lösung oder eines Schaums auf die Kopfhaut aufgetragen. Das Mittel wirkt in den meisten Fällen gegen den Haarausfall. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen Hautrötung, Juckreiz oder eine Schuppung der Kopfhaut. Frauen können eine verstärkte Behaarung (Hypertrichose) im Schläfenbereich entwickeln. Schwangere und Stillende dürfen Minoxidil nicht anwenden.

Finasterid

Finasterid ist ein Mittel gegen Haarausfall, das ausschließlich für Männer zur Verfügung steht. Das Präparat wird als Tablette eingenommen und wirkt somit auf den ganzen Körper (systemisch). Die Wirkung ist ähnlich effektiv wie beim Minoxidil. Mögliche Nebenwirkungen sind zum Beispiel sexuelle Unlust oder Impotenz.

Für Frauen im gebärfähigen Alter ist Finasterid nicht vorgesehen. Der Grund: Der Wirkstoff kann zu Fehlbildungen männlicher Föten führen. Bei Frauen nach den Wechseljahren ist Finasterid hingegen unwirksam.

Eigenhaartransplantation

Sind bereits sehr viele Haare ausgefallen, kann die Haartransplantation die Behandlung ergänzen. Dafür ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Zunächst werden dabei unter örtlicher Betäubung Haare samt ihrer Follikel aus einem Bereich am Hinterkopf entnommen und die entstandene Wunde vernäht. Anschließend platziert der Chirurg die Haarfollikel auf den entsprechenden Hautbereich. Die Eigenhaartransplantation ist sowohl für Männer als auch für Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall geeignet.

Wirksamkeit nicht immer erwiesen

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten zur Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls – allerdings fehlen zu vielen auf dem Markt erhältlichen Mitteln gegen Haarausfall die nötigen Beweise, dass sie auch tatsächlich wirken. Dies betrifft etwa

  • Produkte mit Aloe vera,
  • Ginkgopräparate oder
  • Nahrungsergänzungsmittel

Behandlung des diffusen Haarausfalls

Bei nicht erblich bedingtem, sogenanntem diffusen Haarausfall ist es wichtig, dass die dahinterstehende Ursache gefunden wird. Zu möglichen Ursachen zählen zum Beispiel eine Erkrankung wie eine Schilddrüsenüberfunktion, aber auch hormonelle Umstellungen, Stress, einseitige Ernährung oder bestimmte Medikamente.

In der Regel normalisiert sich das Haarwachstum einige Monate, nachdem die Ursache beseitigt wurde. Unterstützend kann der Arzt den Wirkstoff Minoxidil zum Auftragen auf die Kopfhaut verschreiben.

Behandlung des kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata)

Beim kreisrunden Haarausfall entstehen kreisrunde bis ovale, kahle Stellen auf dem Kopf. Diese Form des Haarausfalls kann spontan wieder stoppen – daher kann es sinnvoll sein, zunächst den Verlauf abzuwarten.

Zur Behandlung des kreisrunden Haarausfalls kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz, so insbesondere:

  • Produkte mit Diphenylcyclopropenon (DPCP) oder Quadratsäuredibutylester, die auf die Haut aufgetragen werden
  • Präparate mit Zink
  • kortisonhaltige Präparate (Kortikosteroide) zum Auftragen auf die Kopfhaut als Creme, Lösung oder Schaum; in schweren Fällen kann es auch sinnvoll sein, Kortikosteroide als Tablette einzunehmen

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Behandlungsmethoden, deren Wirksamkeit jedoch nicht ausreichend belegt ist.

Quellen:

• Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

• Wolff, H., Fischer, T., Blume-Peytavi, U.: Diagnostik und Therapie von Haar- und Kopfhauterkrankungen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, S.377-386 (27. Mai 2016)

• Blumeyer A, Tosti A, Messenger A, et al.: Evidence-based (S3) guideline for the treatment of androgenetic alopecia in women and in men. J Dtsch Dermatol Ges 2011; 9 (Suppl 6): 1–57

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: Februar 2017

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