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Keuchhusten

Was ist das? - Definition
Keuchhusten ist eine durch ein Bakterium hervorgerufene Kinderkrankheit, die mit typischen, meist nachts auftretenden Hustenanfällen einhergeht.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Pertussis
  • Stickhusten

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursache
Keuchhusten ist sehr ansteckend, er wird durch die Einatmung von Tröpfchen, die beim Husten in der Luft verteilt werden, übertragen. Die Bakterien setzen sich auf den Flimmerhärchen in den Luftwegen fest, vermehren sich und sondern einen Giftstoff ab, welcher zu den typischen Beschwerden führt. Deshalb führt eine Antibiotikagabe nicht sofort zur Heilung, denn der Giftstoff ist mit Medikamenten nur schwer zu bekämpfen. Kinder mit Keuchhusten werden dennoch mit Antibiotika behandelt, um die Ansteckungsgefahr für die Umgebung zu mildern.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Klassischerweise verläuft die Erkrankung in drei Stadien mit jeweils charakteristischen Symptomen:
Während der ersten 1-2 Wochen leiden die Kinder an einem harmlosen Infekt mit Schnupfen, etwas Husten und leichtem Fieber.
Im zweiten Stadium kommt es zu den typischen Hustenanfällen: es folgt Hustenstoß auf Hustenstoß, 15-20mal kurz hintereinander, ohne dass die Kinder zwischen den Hustenstößen Luft holen. Das Gesicht des Kindes verfärbt sich deshalb erst rot und dann blau, man spricht vom Blauhusten. Zum Schluss wird oft zäher Schleim hochgewürgt, auch Erbrechen am Ende des Anfalls ist nicht selten. Seinen Namen hat der Keuchhusten von der keuchenden Einatmung, mit der ein Hustenanfall oft endet. Die Attacken treten besonders nachts auf, können aber auch durch andere Reize wie Essen, Lagewechsel (z.B. beim zu Bett bringen) oder psychische Einflüsse ausgelöst werden. Sie sind für die Kinder und ihre Familie sehr quälend. Dieses Stadium dauert 2-4 Wochen, manchmal sogar länger.
Im letzten Erkrankungsstadium werden die Hustenanfälle immer seltener und weniger heftig. Gelegentliche Hustenattacken sind aber noch nach Wochen und Monaten möglich.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Die häufigste Komplikation bei Keuchhusten ist die Lungenentzündung. Auch eine begleitende Mittelohrentzündung ist nicht selten. Infolge der heftigen Hustenanfälle kann es zu Nasenbluten, Bindehautblutungen oder gar zu Einrissen im Lungengewebe kommen.
Eine seltene, aber ernste Komplikation ist die Gehirnentzündung. Sie äußert sich durch Krampfanfälle, die oft von Fieber und Bewusstlosigkeit begleitet werden. Keuchhusten ist eine besonders für Säuglinge sehr gefährliche Erkrankung. Bei ihnen treten die Hustenanfälle seltener auf, es kann stattdessen zum kurzfristigen Atemstillstand kommen. Schon bei Verdacht auf Keuchhusten werden Säuglinge deshalb in die Klinik eingewiesen. Keuchhusten hinterlässt eine lebenslange Immunität, man kann nur einmal daran erkranken.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Keuchhustenähnliche Hustenattacken können auch durch andere Erreger hervorgerufen werden. Eine seltenere Ursache ist die Mukoviszidose. Auch an einen Fremdkörper, der in der Luftröhre oder der Lunge steckt, muss gedacht werden.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Schon bei Verdacht auf Keuchhusten muss ein Arzt zu Rate gezogen werden.
  • Es sollte versucht werden, Situationen oder Einflüsse (z.B. Zigarettenrauch), welche die Hustenanfälle auslösen können, zu vermeiden.
  • Viel trinken, besonders warme Getränke verbessern die Löslichkeit des oft zähen Schleims in der Lunge.
  • Bei einer Hustenattacke ist es hilfreich, das Kind aufzusetzen, abzulenken und bei Erbrechen die Atemwege zu reinigen.
  • Die beste Vermeidung von Keuchhusten besteht in der rechtzeitigen Impfung: Man beginnt bereits im Säuglingsalter, damit die Kinder frühzeitig geschützt sind.

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Keuchhusten: Behandlung

Die Beschwerden, die bei Keuchhusten (Pertussis) auftreten, ähneln zu Beginn häufig denen einer Erkältung – der charakteristische Husten zeigt sich erst im weiteren Verlauf. Daher wird Keuchhusten anfangs häufig nicht direkt erkannt, sodass auch mit der Behandlung erst spät begonnen wird.

Behandlung mit Antibiotika

Sobald feststeht, dass es sich um Keuchhusten handelt, wird der Arzt in den meisten Fällen ein Antibiotikum verschreiben, das die Bakterien gezielt bekämpft.

Antibiotika können Auftreten, Dauer und Schwere der Hustenattacken zwar kaum beeinflussen. Aber: Antibiotika töten die Erreger ab und verkürzen so den Zeitraum, in dem sich andere Menschen anstecken können, um bis zu fünf Tage.

Zu häufig verschriebenen Antibiotika gegen Keuchhusten zählen Medikamente mit den Wirkstoffen

Die Behandlung erstreckt sich über einen Zeitraum von 14 Tagen.

Ansteckung verhindern

Wer an Keuchhusten erkrankt ist, ist noch bis zu drei Wochen nach Beginn des Hustens ansteckend. Daher sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Ihr Kind in dieser Zeit keinen Kontakt zu anderen Kindern hat, insbesondere nicht zu Säuglingen. Und auch ältere Menschen sollte das Kind sicherheitshalber meiden, während es noch ansteckend ist. Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn Sie selbst oder ein anderer Erwachsener erkrankt sind.

Was Eltern tun können

Neben der Behandlung mit Antibiotika braucht das Kind viel Zuwendung und Fürsorge. Nicht zuletzt erfordert eine Keuchhusten-Erkrankung Geduld von der ganzen Familie. Der Husten kann für alle Mitglieder sehr belastend sein.

Als Eltern können Sie einiges tun, um die Beschwerden Ihres Kindes zu lindern:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind viel trinkt.
  • Wenn Ihr Kind sehr stark hustet oder häufig würgen bzw. erbrechen muss, kann es hilfreich sein, ihm statt wenigen großen mehrere kleine Mahlzeiten zu servieren.
  • Bevorzugen Sie flüssige oder breiige Nahrung.
  • Sorgen Sie für Ruhe. Soweit es das Befinden zulässt, muss Ihr Kind nicht das Bett hüten, sondern kann in ruhiger Umgebung spielen – allerdings sollte man es nicht übertreiben. Herumtoben oder Sport sollten tabu sein, solange das Kind noch krank ist.
  • Raus an die frische Luft! Ein ruhiger, nicht zu anstrengender Spaziergang kann wohltuend sein, sofern sich das Kind danach fühlt.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind während eines akuten Hustenanfalls, indem Sie dafür sorgen, dass es aufrecht sitzt und den Kopf leicht nach vorn beugt.

Hustensaft hilft bei Keuchhusten nur bedingt. Wenn sich sehr viel Schleim bildet, können Sie unter Umständen auf schleimlösende Medikamente zurückgreifen. Fragen Sie jedoch vorher Ihren Arzt, ob Sie solche Präparate bedenkenlos verabreichen können!

Behandlung von Keuchhusten bei Säuglingen

Wenn ein Baby im Säuglingsalter an Keuchhusten erkrankt ist, wird der Arzt einen Aufenthalt im Krankenhaus empfehlen. Der Grund: In den ersten Lebensmonaten sind Babys noch nicht in der Lage, den sich bildenden Schleim abzuhusten. Dadurch fehlen bei ihnen die charakteristischen Hustenanfälle – stattdessen leiden sie häufig unter Atemaussetzern (sog. Apnoen). Solche Aussetzer können lebensbedrohlich sein. Daher sollten Säuglinge mit Keuchhusten im Krankenhaus überwacht und behandelt werden.

Um die Atmung zu erleichtern und das Erstickungsrisiko zu minimieren, wird man im Krankenhaus den entstehenden Schleim absaugen. Mithilfe von entzündungshemmenden, kortisonhaltigen Medikamenten (sog. Kortikosteroide) kann man die Beschwerden lindern. Der Wirkstoff Salbutamol hat eine entkrampfende Wirkung auf die Atemwege.

Nicht nur im Säuglingsalter: Impfungen schützen

Keuchhusten ist hochansteckend. Daher wird eine Impfung dringend empfohlen.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) rät, alle Säuglinge und Kleinkinder so früh wie möglich gegen Keuchhusten zu impfen (sog. Grundimmunisierung). Für einen vollständigen Impfschutz sind vier Teilimpfungen nötig. Im Idealfall erfolgt

  • die erste Impfung im Alter von 2 Monaten,
  • die zweite Impfung im alter von 3 Monaten,
  • die dritte Impfung im Alter von 4 Monaten und
  • die vierte Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten.

Ältere Kinder und Erwachsene können die Impfung nachholen.

Auffrischung

Der Impfschutz hält nur einige Jahre und lässt mit der Zeit nach. Daher empfiehlt die STIKO entsprechende Impfauffrischungen

  • zwischen 5 und 6 Jahren und
  • zwischen 9 und 17 Jahren.

Und auch Erwachsene sollten an eine Impfung denken, insbesondere, wenn sie nicht wissen, wie lange die letzte Impfung zurückliegt oder ob sie überhaupt geimpft worden sind. Empfohlen wird, die nächste Impfauffrischung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) und Diphtherie mit einem Keuchhustenimpfstoff zu kombinieren. Fragen Sie Ihren Arzt!

Quellen:

• Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2016: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 29.8.2016)

• Keuchhusten (Pertussis). Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: 23.3.2016)

• Pertussis (Keuchhusten). RKI-Ratgeber für Ärzte. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: August 2014)

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: März 2017

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