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Meningokokken-Meningitis

Was ist das? - Definition
Die Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) ist eine gefürchtete Infektionserkrankung. Sie wird von verschiedenen Erregern verursacht, darunter spezielle Bakterien, sogenannte Meningokokken.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
Hirnhautentzündung

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die zunächst die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums besiedeln. Dort sind sie fest an die Schleimhaut gebunden und können mehrere Monate unbehelligt bleiben. Durch spezielle Mechanismen entziehen sie sich der Bekämpfung durch die Immunabwehr. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland tragen den Keim mit sich.
Eine Rachenentzündung kann erstes Symptom einer Menigokokkenerkrankung sein. Aber nicht in allen Fällen gelangen die Keime auch ins Blut, wo sie sich weiter vermehren und schließlich in das Hirnwasser (Liquor) übertreten und dort eine Entzündungsreaktion auslösen.
Vor allem nach dem Befall der Hirnhäute und des mit Hirnwasser gefüllten Liquorraums können sie sich schnell und mühelos ausbreiten, weil dort nur wenige Abwehrzellen des Körpers vorhanden sind.
Auch in den übrigen Körperteilen kommt es zu Störungen. Die Erreger verursachen eine Entzündung der Gefäßwände. Entzündungs-Botenstoffe machen zusätzlich die Gefäßwände undicht, so dass Flüssigkeit aus dem Blut entweichen und es zum niedrigen Blutdruck und Schock kommen kann.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Neben der Racheninfektion als Zeichen einer Besiedelung des Nasen-Rachenraums sind Symptome der Meningitis:
  • Kopfschmerzen
  • Lichtscheu, Überempfindlichkeit des Betroffenen gegen Licht und andere Schmerzreize
  • schmerzhafte Nackensteife, das Kinn kann dabei nicht mehr auf die Brust gelegt werden
  • charakteristisch sind auch stecknadelkopfgroße Blutungen der Haut, oft an den Beinen
  • daneben gehören psychische Auffälligkeit oder Verwirrtheit, Fieber, Übelkeit und Erbrechen zu den Symptomen. Diese können aber fehlen
Manche Patienten erkranken aus völliger Gesundheit plötzlich an lebensbedrohlichen Symptomen wie Blutdruckabfall, Schock und Bewusstlosigkeit.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Im Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Sepsis kommen. Von Sepsis spricht man bei einer ausufernden Allgemeinreaktion des Körpers im Rahmen einer Infektion. Symptome sind niederer Blutdruck, erhöhter Herzschlag und vermehrte Atmung sowie eine Aktivierung des Immunsystems und Fieber oder Auskühlung des Körpers.
Diese Reaktion kann so ausgeprägt sein, dass es zum massiven Blutdruckabfall und Schock kommt. Dadurch sind weitere Organe gefährdet. Die massivste Ausprägung dieser Meningokokkensepsis wird auch Waterhouse-Friderichsen-Syndrom genannt. Es kommt zum Funktionsverlust mehrerer Organe, Gefäßverschlüssen und dadurch zum Absterben von Geweben und einzelnen Organen. Außerdem kommt es zu gefährlichen Blutungen.
Weitere Komplikationen der Erkrankung sind ein Aufstau von Liquor (Hydrozephalus, Wasserkopf) oder Flüssigkeit im Hirngewebe (Hirnödem), was zur Erhöhung des Drucks innerhalb des Schädels und zu Schäden im Hirngewebe führen kann. Manchmal kapseln sich die Erreger im Hirngewebe in einer neu gebildeten Abszesshöhle ab. Alle diese Komplikationen verursachen Nervenschäden.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Auch andere Erreger können Meningitis auslösen. Dazu gehören Bakterien wie Pneumokokken, Viren und Erreger der Tuberkulose. Auch das Bakterium Hämophiles influenzae Typ b (Hib), kann eine eitrige Entzündung der Hirnhäute hervorrufen. Gegen diese Erkrankung existiert eine Impfung. Hirntumore, Schlaganfall, Migräneanfälle und Verletzungen des Schädels können teilweise ähnliche Symptome verursachen.

Verhaltenstipps
Gegen die Meningokokken-Serotypen A und C existiert eine Impfung. In anderen Ländern herrschen dagegen der Serotyp A und Serotyp C vor.
Informationen darüber, ob eine Impfung empfehlenswert ist, erhalten Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker.


Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Hirnhautentzündung (Meningitis): Behandlung

Eine durch Viren hervorgerufene Hirnhautentzündung (Meningitis) bedarf oft keiner speziellen Behandlung und sie heilt in der Regel von alleine aus. Zudem gibt es verschiedene Impfungen, die sich gegen Viren richten, die eine virale Meningitis verursachen können. Anders sieht es bei der wesentlichen selteneren bakteriellen Hirnhautentzündung aus: Sie kann deutlich ernster verlaufen und gilt als medizinischer Notfall, der eine sofortige Behandlung erforderlich macht.

Behandlung der bakteriellen Meningitis: Jede Stunde zählt

Eine bakterielle Hirnhautentzündung wird vor allem durch Pneumokokken und Meningokokken hervorgerufen. Diese Bakterien breiten sich im Körper rasch aus und können zu ernstzunehmenden Komplikationen wie etwa einer Sepsis (Blutvergiftung) führen.

Die bakterielle Meningitis kann lebensbedrohlich sein. Je schneller die Behandlung einsetzt, desto günstiger ist auch die Prognose! Jede verlorene Stunde kann die Prognose deutlich verschlechtern.

Sobald der Arzt den Verdacht hat, dass sein Patient eine bakterielle Hirnhautentzündung haben könnte, wird er ihn zur Behandlung umgehend ins Krankenhaus einweisen. Auch wenn noch unklar ist, welches Bakterium die Hirnhautentzündung verursacht hat, erhält der Patient so schnell wie möglich eine Infusion mit Medikamenten. In der Regel sind dies vor allem sogenannte Breitbandantibiotika mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Cephalosporine (z.B. Cefotaxim, Ceftriaxon) und dem Wirkstoff Ampicillin. Breitbandantibiotika zeichnen sich dadurch aus, dass sie gegen viele unterschiedliche Bakterien wirken. Zusätzlich erhält der Patient meist auch den kortisonähnlichen Wirkstoff Dexamethason, der unter anderem Entzündungen hemmt.

Parallel zu dieser Behandlung werden das Blut und meist auch das Nervenwasser (Liquor) des Patienten untersucht, um den Erreger zu bestimmen. Mithilfe eines sogenannten Antibiogramms kann der Arzt herausfinden, welches Antibiotikum besonders gut gegen das Bakterium hilft und welches weniger geeignet ist. Sobald das Ergebnis vorliegt, kann der Mediziner die bisherige Behandlung anpassen und gegebenenfalls einen Wirkstoff verabreichen, der das Bakterium noch besser bekämpft. Sind zum Beispiel Pneumokokken die Ursache der Hirnhautentzündung, kann der Wirkstoff Penicillin G helfen.

Wie lange der Patient Antibiotika benötigt, hängt davon ab, welcher Erreger die Erkrankung ausgelöst hat und wie gut die Medikamente wirken. Bei einer Meningokokken-Meningitis wird eine Antibiotikagabe von sieben bis zehn Tagen empfohlen, bei Pneumokokken sollte die Behandlung etwa zehn bis 14 Tage dauern.

Je nachdem, wie schwer die Meningitis verläuft, sind weitere Therapiemaßnahmen nötig. So muss etwa ein durch die Erkrankung hervorgerufener erhöhter Hirndruck entsprechend behandelt werden (z.B. durch Hochlagern des Oberkörpers).

Insbesondere bei einer Meningokokken-Meningitis besteht das Risiko, sich mit dem Erreger anzustecken. Personen, die engen Kontakt zum Erkrankten hatten – zum Beispiel Familienangehörige oder medizinisches Personal –, erhalten daher in der Regel eine sogenannte Chemoprophylaxe, das heißt: Sie bekommen vorbeugend ein Antibiotikum.

Verläuft meist milder: Die Hirnhautentzündung durch Viren

In den meisten Fällen heilt eine durch Viren ausgelöste Meningitis auch ohne spezielle Behandlung von alleine aus, ohne dass Komplikationen auftreten oder Folgeschäden zurückbleiben. Doch kommt es beim Verlauf der Erkrankung auch darauf an, welche Viren dafür verantwortlich sind. Es gibt viele verschiedene Viren, die eine Hirnhautentzündung verursachen – zum Beispiel Herpes-simplex-Viren, das FMSE-Virus oder auch das Mumps-Virus, gegen das Kleinkinder geimpft werden sollten.

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts empfiehlt: Personen, die sich in FSME-Risikogebieten aufhalten, sollten sich gegen das FMSE-Virus impfen lassen.

Anders als die bakterielle Hirnhautentzündung kann die durch Viren hervorgerufene Meningitis nicht mit Antibiotika behandelt werden – denn diese wirken ausschließlich gegen Bakterien und nicht gegen Viren. Gegen bestimmte Viren kann der Arzt jedoch sogenannte Virustatika geben (wie z.B. Aciclovir), so etwa, wenn es sich um Herpesviren handelt.

Schmerz- und fiebersenkende Medikamente wirken zwar nicht gegen die Viren, können die Beschwerden aber deutlich lindern. Besonders wichtig ist jedoch: Halten Sie Bettruhe. Innerhalb von circa zwei Wochen ist die virale Meningitis meist ausgestanden.

Eine Hirnhautentzündung durch Viren kann gerade zu Beginn ähnliche Beschwerden verursachen wie die lebensbedrohliche bakterielle Meningitis. Daher sollte man im Zweifelsfall sofort den Arzt aufsuchen, wenn Symptome wie hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen und ein plötzlicher steifer Nacken auftreten!

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Strategien gegen Hirnhaut- und Lungeninfektionen

Quellen:

Meningokokken. Online-Informationen des Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Stand: 25.4.2016)

Meningokokken-Erkrankungen. RKI-Ratgeber für Ärzte. Robert Koch-Institut, Online-Publikation: www.rki.de (Stand: 7.4.2016)

Herold, G.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2016

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Ambulant erworbene bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/089 (Stand: 31.10.2015)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Virale Meningoenzephalitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/100 (Stand: 31.10.2014)

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: September 2016

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